Baustellenfeiglinge!

Rubrik:  Erlebt,Geärgert  ·  Autor:  Zappelfillip16. August 2005, 15:08 Uhr

Genau so nenne ich sie – diese Möchtegernautofahrer. Ich muss zugeben, ein wenig Schadenfreude ist schon dabei… nein nicht Schadenfreude… eher Mitleid oder sowas… Worum’s überhaupt geht? Ach so – na dann von vorn:
Kennen ja sicher viele: Du hattest wiedermal ein schönes relaxtes, vielleicht auch bissl langweiliges Wochenende bei Mutti und Vati zuhause in Teichröda. Ausgezogen bist du mit deinen 28 Jahren natürlich schon lange – zumindest scheinbar. Aber wer bereits im 17. Semester Philosophie mit Schwerpunkt Computerlinguistik studiert, ist froh über jede Zuwendung, die er erfahren kann. Und so kommt es, dass du eben immernoch jedes Wochenende daheim verbringst. Das heißt: jeden Freitag die Dreckwäsche der vergangenen Woche zusammenpacken, dabei immer aufpassen, dass man nicht ausversehen die Schlüpfer vom Raumteiler erwischt. Denn du wohnst ja immernoch in diesem 12 m² großen Zimmer des Studentenwohnheims. Aber da wohnt man nunmal nicht allein, sondern teilt sich eben diese Riesenfläche noch mit einem Drittsemestler. Allerdings ist es sehr erstaunlich, dass du immernoch dort wohnst, denn eigentlich hat man nur das Recht, innerhalb der Regelstudienzeit von 10 Semestern im Wohnheim zu hausen. Aber das tut ja momentan nichts zur Sache…
Also Freitags Dreckwäsche zusammensuchen, rein in deinen kleinen Citroen AX und ab geht es nach Hause. Leisten kannst du dir diese 150 km lange wöchentliche Heimfahrt nur, weil Mutti immernoch was dazugibt. Ausserdem hätte ihr Leben ja auch keinen Sinn mehr, wenn sie dich nicht jedes Wochenende umsorgen könnte. Dieses verläuft dann auch eigentlich immer gleich: Freitag Ankunft, Ahmbrot, bissl Fernsehen. Freunde hast du eh keine mehr in Teichröda, die sind mittlerweile alle abgewandert. Auch der Rest des Wochenendes besteht dann eigentlich nur noch aus essen und schlafen – bis Sonntag Abend. Dann packt dir Mutti eine Klappkiste voller Nahrungsmittel und Naschwerk zusammen. »Damit Du nicht von den Rippen fällst«, meint sie. Auch frische Bettwäsche gibt sie dir diesmal mit. »Junge, Du musst dein Bett mal wieder abziehen«, hat sie gesagt. Also packst du alles zusammen in deinen Citroen und dann trittst du wieder die Rückreise zum Studienort an. Über die Autobahn geht das am schnellsten.

Und jetzt kommt das, worauf ich eigentlich hinauswollte. Bisher war alles nur Einleitung 8)

Sonntag Abend fahren zwar keine LKWs, aber dank der vielen Pendler ist auf deiner Strecke immer relativ viel los. Die Autobahn ist leider nur zweispurig und so kommt es ab und an vor, dass du auch mal auf die linke Fahrspur ausweichen musst, um das Wagnis eines Überholvorganges einzugehen. Bei bärenstarken 45 PS muss man eigentlich sogar schon fast von Risiko reden ;) Denn was da wiedermal von hinten angedonnert kommt, lässt dir fast den Atem stocken: Eine Mercedes C-Klasse hängt dir an der Stoßstange als wollte er dich anschieben. Würde er es doch endlich mal tun, dann wärst du auch viel schneller wieder runter von der Überholspur. Aber ein bissl ärgerst du dich schon, dass er dir überhaupt keinen Raum zum Überleben lässt. Und kaum dass du wieder auf die rechte Spur einscheren kannst, zischt er auch schon links an dir vorbei. ›Tja er kann das halt mit der Kiste‹, denkst du noch. Aber kurze Zeit später musst du dann auch schmerzlich kennenlernen, was er nicht kann. Aufgrund einer Baustelle haben sich die beiden Fahrspuren zwischenzeitlich verengt. Auf der rechten Spur fahren die Tiefkühltransporter und LKWs, für welche das Sonntagsfahrverbot nicht gilt und jene, die es einfach ignorieren. Die linke Spur ist nun nur noch 2 Meter breit. Aber was heißt „nur“? Kein PKW ist mehr als 2 Meter breit1 Und trotzdem gibt es viele Autofahrer, die sich nicht trauen, auf dieser schmaleren Spur zu fahren – rechts die beängstigend ausscherenden LKWs und links die verdammt nahe Leitplanke. Für Manche ist das purer Stress. Aber nur ein schlechter Mensch würde das jemandem zum Vorwurf machen. Nein nein, das ist natürlich kein Problem. Jeder nur so, wie er sich oder anderen zutraut. Lieber immer ein bissl zu vorsichtig als einmal zuviel zu riskieren. Denn ein Unfall in der Baustelle und es geht erstmal stundenlang gar nix.

Was aber der absolute Hohn ist: Genau der Kerl, der dir vorhin am Heck klebte und am liebsten einen Schubs zur Seite geben wollte, obwohl du doch nicht mehr schneller konntest… genau der ist jetzt der große Schisser und traut sich mit seiner süßen C-Klasse nicht an der LKW-Kolonne vorbei. Das sind die Richtigen: rasen und einen auf dicke Hose machen aber in Wirklichkeit absolut kein Gefühl für ihr Fahrzeug und dessen Dimensionen haben. Du grinst… Leider nicht sehr lange, denn langsam fängst du an, dich zu ärgern. Diese Pfeife vor dir ist doch tatsächlich so ein Baustellenfeigling, der sein ureigenstes Revier zu verteidigen glaubt: die linke Spur. Er traut sich nicht an den Brummis vorbei, aber denkste dann fährt er mal auf die rechte Spur, damit wenigstens alle anderen weiterkommen, für die ein Vorbeifahren kein Problem ist!? Nix da – er bleibt beharrlich auf der linken, schmalen Spur – dank immenser Fehlwahrnehmung die Fahrzeugbreite betreffend mit den rechten Rädern auch ständig auf der rechten Fahrbahn. Eine absolute Obernulpe! So müssen alle anderen nun mit 62 km/h durch die 10 km lange Baustelle tuckern, obwohl 80 km/h erlaubt und machbar wären. »Rechts ist das Gas!«, brüllst du aus dem Fenster…

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2 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Davy am 16.08.2005, 15:59 Uhr

    Auch wenn ich selber noch keinen Lappen habe, kenne ich diese Situationen, die du zuletzt beschrieben hast leider nur zu gut :(
    Echt ätzend sowas… nicht aufregen und durch… :P

    Davy

  2. Kommentar: Brüderchen am 16.08.2005, 23:32 Uhr

    Herrlich, lache jedesmal Blasen!

    *stolzbin

    Bin dein treuester Leser, täglich. :mrgreen:

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