Die Blaumann Connection

Rubrik:  Angemerkt,Gegrinst  ·  Autor:  Zappelfillip17. August 2005, 13:08 Uhr

Bedingt durch meinen anstehenden (zumindest temporären) Umzug nach München, fallen momentan diverse handwerkliche Vorbereitungen an. In den Arbeitspausen, die durchaus einen Großteil der Zeit einnehmen, habe ich mir mal so ein paar Gedanken gemacht.

Um meine guten Westjeanshosen und meine schicken Nikkis (Ossis werden es verstehen – alle anderen mögen fragen ;)) nicht schmutzig zu machen oder gar zu beschädigen („mir ham ja nix“), trage ich für niedere Tätigkeiten natürlich Arbeitskleidung. Es handelt sich dabei um einen sogenannten „Rotmann“ (hier sieht man ihn in Person meines Väterchens im praktischen Einsatz). Nun kennen vielleicht nicht alle einen Rotmann: es ist das farblich angepasste Pendant zum Blaumann, welcher vorwiegend von Handwerkern während der Arbeit getragen wird. Ich meine, besonders hübsch sind sie nicht, aber das is’ wahrscheinlich nunmal so Sitte, dass man die trägt. ’S war eben schon immer so.
Oftmals erkennt man die Träger von echten Blaumännern, mal abgesehen von der Farbe der Kleidung, daran, dass ständig die weißen Freizeitsöckchen des Trägers unter den Hosenbeinen hervorleuchten. Dies wiederrum ist bedingt durch folgende zwei Tatsachen:

  1. Zum einen hat es sich die Blaumann-Industrie zum erklärten Ziel gemacht, neben Erlangung der Weltherrschaft durch Infiltrierung der Gesellschaft von unten her, mit ganzer Kraft nur Blaumänner herzustellen, welche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinem lebenden Handwerker passen können. Das ist auch der Grund, warum Handwerkerblaumänner immer zu kurze Ärmel und Hosenbeine haben. Neben der unfreiwilligen Söckchenpräsentation ist diese Tatsache auch am breitbeinigen Gang der Probanden nachweisbar. Dieser rührt nämlich nicht wie landläufig angenommen daher, dass der Herr Klempnermeister Rööööörich vergangenen Abend gleich mehrmals den ehelichen Pflichten auf der der Mutti nachkommen musste und heute seine primären Geschlechtsteile dunkelrot glühen. Nein – vielmehr ist diese Spreizbeinhaltung ebenfalls bedingt durch die Machenschaften der Blaumann-Mafia, welche partout keine passenden Anzüge herstellt: Hebt der Blaumannträger in einem Moment des Leichtsinns einen Arm, beispielsweise um eine Über-Kopf-Tätigkeit auszuführen, so spürt er die Konsquenzen seines Tuns quasi sofort durch einen drückenden Schmerz in der Leistengegend. Was ist passiert? Die Hosennaht, welche beide Hosenbeine im Schritt miteinander verbindet, schneidet sich durch das Heben des Armes schlagartig in das zarte Glockenspiel des Trägers *dingdong*. Die Folgen? Richtig! Den örtlichen Kirchenchören gehen die Bässe aus und der Handwerker bekommt beim Gehen die Beine nicht mehr zusammen. »Hach schön, wenn der Schmerz nachlässt…«

    Dies wiederrum hat aber weitreichendere Folgen: Wundern wir uns noch, dass immer mehr Menschen eine schlechte Haltung haben und über Rückenschmerzen klagen? Hier haben wir die Erklärung. Durch besagte wundervolle Passform der Anzüge und dem daraus resultierenden Fortbewegungstil der männlichen Trägerschaft kommt es zu weiteren körperlichen Problemen. Oder wie würdet ihr es nennen, wenn einem bei jedem Schritt in einem Blaumann die Schulter nach unten gezogen wird? Und das nur, weil der Abstand Schulterhöhe <-> Schritt beim Anzug viel zu kurz bemessen ist. Entweder macht man Geisha-Tippelschritte oder einen Buckel, um das Einschneiden der Schulternaht zu verhindern. Aber das „Buckelmachen“ ist ja schon nötig, wenn man überhaupt versucht, sich in den Blaumann zu falten und den Reißverschluss hochzuziehen. Das ist doch alles Verarsche. Auf diese Art werden wir alle von der die Blaumann Connection kleingehalten, glaubt’s nur!

  2. Und die zweite Tatsache, warum man bei Blaumannträgern (sprich Handwerkern) immer die weißen Tennissöckchen unter der Hose hervorblitzen sieht: Na weil sie immer welche tragen. Ich vermute, man bekommt beim Kauf eines Blaumannanzugs, fünfzehn Dreierpacks weiße Söckchen Größe 42 in bester Perlonqualität gratis dazu. Und der gute Handwerker zieht die dann auch an – egal ob es seine Größe ist. Spielt ja auch keine Rolle mehr, der Anzug passt ja eh schon nicht! Aber ich denke hier kratze ich schon an der Oberfläche der Verflechtung von Blaumann-Gang und Tennissocken-Kartell.

Tja aber was soll ich euch sagen? Ich werde mich wohl dabei ertappen, wie ich auch beim nächsten Mal meinen Rotmann anziehe. Nur muss ich ihn zum Glück nur selten tragen. Abgesehen davon habe ich sowieso einen „glockenklaren“ Tenor… 😆

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