Die Welt ist klein

Rubrik:  Erhascht  ·  Autor:  Zappelfillip3. November 2005, 11:11 Uhr

Mit einiger Überraschung habe ich heute gelesen, dass Frau Zwilobit, deren Blog zu meiner geliebten täglichen Lektüre gehört, wie ich aus Rudolstadt stammt. Dies ist insofern bemerkenswert, da selbiges Örtchen mit seinen heute weniger als 30.000 Einwohnern nicht gerade als Metropole anzusehen ist. Rudolstadt ist also ein eher kleines ruhiges Städtchen am Rande des Thüringer Waldes. Und trotzdem hat der Zufall mich über ihr Blog stolpern lassen. Freut mich! Vielleicht ist man sich schonmal über den Weg gelaufen oder kennt sich sogar, ohne es zu wissen…

Filmtheater Aktivist in RudolstadtIn ihrem Artikel erinnert sie sich an ein Erlebnis vor eeeewigen (Zitat) Zeiten im Zusammenhang mit unserem alten Kino. Und sofort habe auch ich mich natürlich an das „Filmtheater Aktivist“ erinnert. Wieviele unzählige Male habe ich in dieser heiligen Halle (Kinos in der DDR hatten eigentlich immer nur einen Saal) „Winnetou“, „Dirty Dancing“ oder „Crocodile Dundee“ gesehen. Jawoll es liefen auch Filme, produziert vom imperialistischen Klassenfeind. Diese kamen natürlich erst etliche Zeit nach ihrem Erscheinen im „Westen“, aber dafür wurden sie dann alle paar Monate wiederholt. Sie liefen einen Monat, dann mal 2 Monate nicht und anschließend konnte man sie wieder anschauen. Aber irgendwie wurde es auch nicht langweilig. Naja ich war halt auch noch Kind.

In unserem Kino gab es auch nicht, wie heute, zugewiesene Sitzplätze. Nein man kaufte eine Karte an der einzigen Kasse (oder waren’s 2?) und sobald der Saal öffnete, musste man zusehen, einer der Ersten zu sein, um einen der raren guten Sitzplätze zu ergattern. Diese waren hauptsächlich die erste Reihe auf dem oberen Rang. Es gab nämlich quasi Sitzplätze auf zwei Etagen: unten der komplette Saal voller Sitzplätze, welche aber nicht ansteigend waren. Saß man also ganz hinten, war nicht mehr besonders viel nach vorn auf die Leinwand zu sehen. Schlimmstenfalls hatte man als Kind auch noch einen Hünen vor sich sitzen. Dann gab es noch Sitzplätze oben auf dem Rang. Dieser füllte nur etwa den halben Saal (die hinteren Sitzplätze unten hatten also auch noch eine Art Dach über sich – der Sicht nach vorn ebenfalls nicht gerade zuträglich) und war nach hinten ansteigend. Und die erste Reihe hatte folglich einen herrlichen Blick auf die Leinwand: in 5 m Höhe und niemanden vor sich. Entsprechend stürmten alle Leute bei Kinoöffnung die Treppe hoch, um einen der begehrten Plätze auf dem Rang zu erhaschen.
Kino kostete übrigens in der sonntagnachmittäglichen Kindervorstellung 25 Pfennige. Und auch ansonsten war es nur unwesentlich teuerer. Ich glaube, mehr als nen Fuffzger hab’ ich selten bezahlt.

Nach der Wende schloss das Kino irgendwann und direkt dahinter wurde ein Riesenbau, ein CinePLAZA, mit etlichen Sälen eröffnet. Das alte Kinogebäude, welches früher die Gaststätte „Zum Ritter“ beherbergte (allerdings noch vor meiner Zeit), war damit dem Verfall ausgeliefert. Das Bild zeigt das Gebäude relativ kurz vor dem Abriss. Zu diesem Zeitpunkt war es jahrelang schon nicht mehr in Benutzung. Mittlerweile ist auch der ganze Block rundherum abgerissen und dient momentan als Parkplatz für das neue Kino. Demnächst soll dort der Bau eines Einkaufszentrums beginnen. Die Rudolstädter schütteln darüber übrigens nur den Kopf, da dieses ebenso floppen wird, wie das Erstgebaute, denn großartig Geld zum Shoppen hat in dieser Region auch kaum jemand.

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