Unsere Hekmap

Rubrik:  Gegrinst  ·  Autor:  Zappelfillip7. November 2005, 10:11 Uhr

Kein Bild gefunden!Über Umwege ist mir gerade eine uralte Erinnerung ins Hirn geschossen, die mir sofort ein kleines Schmunzeln auf die Lippen zauberte und die ich daher niemandem vorenthalten möchte.

Es ist wie gesagt schon viele Jahre her, ich war noch nicht einmal halb so alt wie jetzt und wir waren noch wohlbehütet in der DDR (kleines Zwinkern an dieser Stelle). Und auch in dieser gab es bereits einige kleine elektrische Küchenhelferlein, die man sogar, mit etwas Glück, käuflich erwerben konnte. So auch wir! Wir besaßen nämlich eine Entsaftermaschine, eine „Auspresse“ nenne ich sie mal. Geviertelte Äpfel oben rein, Saft unten raus, übrig gebliebenen ekligen Matsch wegschmeißen. Das ganze war sogar mit Birnen möglich. Naja dann hörte es aber auch schon auf. Viel mehr Obst gab’s eigentlich nicht – zumindest nicht in meiner Erinnerung. Kirschen vielleicht noch. Und aus dem eigenen Garten natürlich auch divere Beeren. Aber darum geht’s jetzt gar nicht…

Wir besaßen jedenfall solch eine Auspresse. Und die hatte den klangvollen Namen „Hekmap“. Kann sich da einer was drunter vorstellen? Ich konnte es nicht. Wenn’s von häkseln käme, könnte ich es ja noch verstehen, aber das wird ja bekanntlich (auch in alter Rechtschreibung) nicht mit E geschrieben. Aber egal – meine Mutter (eine Deutschlehrerin) forderte mich immer eifrig auf, ihr die Hekmap zu bringen, wenn’s mal wieder was zu pressen gab.

Eines Tages waren meine Großeltern zu Besuch und als sie dies hörten, waren sie unfähig, eine gewisse Belustigung zu verbergen. Denn sie machten uns darauf aufmerksam, dass dieses Produkt der sozialistischen Produktion unsere Bruderlandes Sowjetunion entsprungen war und Hekmap folglich kyrillische Buchstaben waren. Jeder Ossi, zumindest jeder der noch Russisch in der Schule hatte, darf sich an dieser Stelle mit der flachen Hand auf die Stirn klatschen und in schallendes Gelächter verfallen. Zu unserer Entschuldigung muss ich aber folgendes sagen: Was können wir dafür, dass genau die kyrillischen Buchstaben, welche in Hekmap vorkommen, auch im lateinischen Alphabet „optisch“ zu finden sind, jedoch einige davon eine völlig andere Bedeutung (Aussprache) haben!? Also bitte an die eigene Nase fassen :P

Für all jene, welche des kyrillischen Lesen nicht mächtig sind: Macht nix, Russisch is’ ne Kacksprache, ich war immer furchtbar schlecht und mittlerweile kann ich trotz 6 Jahren in der Schule nix mehr. Die ham doch tatsächlich 6 Fälle, die meisten Deutschen kommen mit unseren 4 nichtmal zurecht. Zur Auffrischung: wir haben Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ, die Russen kennen noch Instrumental und Präpositiv. Wofür die gut sind? Keine Ahnung! Ich konnte die Deklination nie.

Hier noch die Auflösung:

H wird wie N gesprochen
e bleibt E
k bleibt auch K
m ist das russische T
a ist A
p spricht man R

Und damit machte der Name auch irgendwie Sinn. :roll:

Ergänzung:
Instrumental: Im Deutschen gibt es dafür keine Entsprechung. Er steht überall dort wo man auf Deutsch sagt „mit etwas“ oder „zusammen mit jemand oder etwas“.

Präpositiv: Entspricht im Deutschen mal der Dativ, mal der Akkusativ. Deswegen lassen Sie sich durch das Deutsche nicht verwirren und denken Sie auf Russisch.

[Quelle: RusslandJournal.de]

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6 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: deflow3p am 7.11.2005, 11:10 Uhr

    Danke für die Einführung in die Wundervolle Sprache die sich immer nach vodka anhöhrt :) HEKMAP = NEKTAR wieder was, das ich meinen Kindern beibringen kann…sollte es mal welche geben ;)

  2. Kommentar: Mario am 7.11.2005, 11:25 Uhr

    *looool herrlich :) ich danke für die kleine anekdote die mich zum schmunzeln brachte.
    Die „Auspresse“ sagt mir leider nichts zumindest hatten wir das gute stück leider nicht. Auch bin ich nicht sofort auf nektar gekommen erst als ihre großeltern die bühne betraten und sie und auch mich als leser aufklärten ;) aber was ich erstaunlich finde ist obwohl ich nur 1 jahr (ich glaube mehr war es nicht müßte ich aber nochmal nachrechnen, ab wann ging es los? 5.?) russisch hatte ich mehr schlecht als recht damit umgehen konnte, die lehrerin und auch den unterricht nicht leiden konnte so kann ich doch immernoch die buchstaben deuten manche nicht auf anhieb aber es geht. das menschliche gehirn überrascht doch immer wieder.

  3. Kommentar: seppel am 8.11.2005, 01:13 Uhr

    Warum soll denn das „m“ ein russisches „t“ sein? Im Kyrillischen gibt es sowohl „m“ als auch „t“ und die werden AFAIK wie ihre lateinischen Verwandten ausgesprochen.

  4. Kommentar: Zappelfillip am 8.11.2005, 08:35 Uhr

    Dies trifft nicht für die Schreibschrift zu. Das kleine t schreibt man im Russischen wie das lateinische m. Also war der Schriftzug offensichtlich in einer stilisierten Schreibschrif, (ohne mich wirklch erinnern zu können. Muss ja aber so sein, sonst hätten wir das Ding eben nicht Hekmap genannt. Außerdem bin ich mir gar nicht so sicher, dass die Russen selbst auch in der Druckschrift „t“ statt „m“ verwenden.

  5. Kommentar: peter am 10.11.2005, 20:58 Uhr

    eure seite ist cool :) :!: :!: :!: :!: :!: :!: :!:

  6. Kommentar: JanZ am 15.12.2005, 23:56 Uhr

    Also, in der normalen Druckschrift sieht das kyrillische T aus wie ein lateinisches (übrigens ist der Kleinbuchstabe einfach nur ein verkleinerter Großbuchstabe). Die kursive Druckschrift erinnert aber sehr stark an die Schreibschrift, so dass das kleine t dort wie ein m aussieht. Zum Thema „kyrillisches T“ gäbe es noch einiges zu schreiben, aber das würde das Ganze jetzt unnötig kompliziert machen ;)

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