Toiletten Story

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip8. November 2005, 15:11 Uhr

Heute ist absolut nicht mein Tag. So ein richtiger (Achtung Wortspiel) Kacktag! Alles fing damit an, dass es mir ein wenig im Bauch grummelte, woraufhin ich ein wichtiges Meeting auf dem hiesigen Abort (was für ein geiles Wort) dazwischen schob. Hochkonzentriert brachte ich die Sitzung hinter mich und musste mich zum Ende hin nur noch mit dem Papierkram auseinandersetzen.

Meine Hand sucht den Papierhalter… autsch – nur ’ne leere Papphülse! ›Okay‹ denke ich mir, ›zum Glück sind hinter dir ja immer noch Ersatzrollen.‹ Also ein blinder Griff nach rechts hinten… und wieder ins Leere.
»Sche..e«, höre ich mich fluchen. Und nun? Mit heruntergelassener Hose und im Entengang die sichere Kabine verlassen und ins Nachbarabteil watscheln? Um Gottes Willen, nein! Was ist, wenn just in diesem Moment jemand die Toilette betritt? Dann bin ich verloren! Womöglich hänselt der mich dann immer. Dann bin ich ja erpressbar. Das geht ja gar nicht.

Also weiter überlegen… Unter der Kabinentrennwand hindurch nach oben greifen und versuchen, die dortige Papierquelle anzuzapfen? Geht auch nicht. Erstens hocke ich mich in einer Toilette nicht auf den Fußboden und außerdem bin ich nicht gelenkig genug für diese Akrobatik. Da nützen mir auch meine dürren langen Gynäkologenfinger nix.

Nächste Alternative? „Kling“ macht es in meinem Kopf. Das ist der Moment, wo es sich endlich mal bezahlt macht, dass ich immer ein Päckchen Tempo Papiertaschentücher in der Hosentasche mit mir herumtrage. Sonst nerven die Dinger mich immer. Die drücken und zwicken so. Aber heute werden sie mir gute Dienste leisten.

Ein wenig erschrecke ich, als ich in meine Tasche greife. Das Päckchen ist aber elend dünn. Mit einigem Herzklopfen nestele ich es heraus – gar nicht so einfach bei einer Hose in Höhe der Fußknöchel. Aber deutlich erleichtert stelle ich fest, dass sich doch immerhin noch 2 Taschentücher in der Plastehülle befinden.
Den Rest der Prozedur erspare ich mir an dieser Stelle aber lieber. Nur eines: Moderne Papiertaschentücher sind äußerst reißfest. Ob die wohl das Klo verstopfen?

Nunja – das Meeting hatte ich also doch noch zu einem glücklichen Ende gebracht. Jetzt sollte die Hyäne Hygiene an der Reihe sein. Ich verlasse also den Sitzungssaal und betrete durch eine Tür den Vorraum, eine kleine Lokalität mit 2 Waschbecken vor einem wandfüllenden Spiegel. Rechts bzw. links neben den Waschbecken befindet sich jeweils ein Seifenspender. Das sind diese ganz Modernen, aus denen nur noch so weißer Schaum auf Knopfdruck quillt. Wahrscheinlich braucht man da weniger, als bei richtiger Flüssigseife – wieder was gespart und gut für die Umwelt.

„Klack, klack“, mehrmals betätige ich meinen gewohnte Seifenspender auf der rechten Seite. Man kennt das ja: irgendwie hat Jeder (oder etwa wirklich nur ich) ein Waschbecken und den entsprechenden Seifenspender, den man immer benutzt (und manchmal sogar ein eigenes Pissoir, wenn es nicht gerade belegt ist). Seltenst wechselt man im Laufe der Zeit die Waschgelegenheit. Aber heute war so ein Tag. Mein Spender ist leer. Ich kann noch so lange an dem kleinen Hebel ziehen – keine Seife. ›Mist‹, durchfährt es mich, ›Schon wieder alte Gewohnheiten über den Haufen hauen.‹

Also mache ich einen Schritt nach links und entnehme das benötigte Reinigungsmittel dem Spender an der linken Wand. »Bääääh! Stinkt das Zeuch!« Ich kämpfe mit einem überwältigenden Würgereiz. Riecht wie Desinfektionsmittel. Wo bin ich hier? Für einen Moment wünsche ich dem Reinigungsteam die Pest an den Hals. Trotzdem beschließe ich, die Seife zu verwenden – bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.
Um nun nicht noch mehr aus meinen alten Gewohnheiten zu fallen, trete ich wieder nach rechts an mein Waschbecken. Puuuh! Das Wasser läuft, wenigstens etwas funktioniert. Nach einer grundlichen Reinigung möchte ich meine Hände an meinem rechten Handtuchspender trocknen. Das ist so ein endloser Stoffhandtuchspender: vorn kommt die Stoffbahn heraus und unten hinten verschwindet sie wieder im Gerät. Man muss sie nur ein Stück herausziehen und hat ein paar Sekunden Zeit, die Hände abzutrocknen bevor die Bahn durch hinten einziehen wieder gespannt wird. Eigentlich recht praktisch. Leider erfahre ich heute, dass dies keine Endlosbahn ist. Vielmehr ist es eine „Gar-nicht-vorhanden-Bahn“. Verdammt nochmal! Muss ich schon wieder an einen mir völlig fremden Spender auf der anderen Seite – an den Spender von den Anderen. Aber auch hier muss ich mich unterwerfen und trockne missmutig meine Hände am völlig falschen Handtuch. Ich bin schon ein wenig pikiert. Warum haben die Anderen Handtuch und Seife und ich nicht?

Und die Moral von der Geschicht? Man kann auch mit ganz vielen Worten eine Story für’s übers Klo schreiben. :D

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