Von Wahrsagern und Schamaninnen

Rubrik:  Erhascht  ·  Autor:  Zappelfillip19. Dezember 2005, 20:12 Uhr

Mein Tageshighlight und zugleich Zitat des Tages:

Die Stunde ist heut‘ so schnell vergangen wie sonst zweie nicht.

Aaaaaha – na endlich sagt’s mal einer. Gehört habe ich es auf dem neuen Fernsehsender „Das Vierte“. Dort kommen ja nicht den ganzen Tag über Spielfilme, vielmehr wurde gestern eine Astroshow ausgestrahlt. Das heißt: Dumme Menschen vor dem Fernseher können eine schweineteure Telefonnummer anrufen und dann gleichdummen Menschen hinter der Mattscheibe, allesamt Wahrsagerinnen, Sternendeuter oder Kartenleger, ebenso dumme Fragen stellen, die diese dann mittels Karten, Laptop (für die Sternenkonstellationen), viiiieeeel Ommmmmmm und Phantasie beantworten.

Da saßen nun also zwei ältliche, unfassbar unsympathisch wirkende Damen und versuchten allen Ernstes, die Fragen einer offenbar realitätsfremden Frau zu beantworten. Eine der beiden hatte eine Stimme wie ein Kettenraucher kurz bevor die Lunge aus dem Hals quillt während die andere dafür nur dümmliches Zeug redete. Okay – erstere gab auch nur gequirlte Kacke von sich… Also wer sich sowas antut und auch noch glaubt, die netten Damen könnten auch nur entfernt in irgendeiner Weise helfen, der muss einem ja einfach leid tun.

Erzählt die Anruf-Uschi doch, dass sie gerade arbeitslos sei und möchte gleichzeitig wissen, wann sie denn wieder einen Job findet. Die beiden Damen schauen furchtbar ernst und wissend in ihre Karten bzw. den Laptop und versuchen anschließend, sich gegenseitig mit an den Haaren herbeigezogenen Prognosen zu toppen. Dabei machen sie das recht geschickt. Die eine sagt, Anfang April nächsten Jahres würde Uschi wieder Arbeit finden, worauf unsere Raucher-Prinzessin erwidert, dass das aber nicht von langer Dauer sei. Nur so bis September. Dem stimmt die erste natürlich zu und lässt sich ein weiteres kleines fiktives Detail entlocken. So schaukeln sich die beiden Damen immer weiter hoch. Und was macht die Uschi? Fragt die doch glatt, was sie denn für einen Job finden würde. Sie wüsste nicht, worauf sie sich bewerben soll und da könnten die beiden ihr doch mal sagen, was es denn nun werden würde. Sachma, is’ die blöd oder was!? Wie bescheuert ist das denn. Das nenne ich mal Vertrauen in die Sterne. »Ich mache zwar nüschd, aber wenn Raucher-Inge und Labertussi sagen, ich krieg im April Arbeit, dann wird das schon so sein.«

Leider habe ich vieles vergessen, aber dieses Gespräch war einfach grandios. Uschi sagt irgendwas und die beiden springen sofort drauf an, sagen das Gleiche in anderen Worten und verkaufen es anschließend als tolle Wahrsagung. Und Uschi freut sich dann wie Bolle. Das nenne ich leicht verdientes Geld! Und zum Abschied fällt dann der oben angeführte Satz. Welch eine wunderbare Zusammenfassung, die einfach alles aussagt.

Nunja – anschließend machen die beiden heißen Mädels Päuschen und eine Schamanin ist nun an der Reihe, Anrufer zu vergackeiern. Schamanin? Hä – is’ das hier Winnetou, oder was? Fehlt ja nur noch die Feder im Haar und die Friedenspfeife am Lagerfeuer im Studio… Und ich hatte mich noch gar nicht richtig gesammelt, da meldet sich ein Herr am anderen Ende des Telefons. Ich dachte immer, so einen Schwachsinn machen nur Frauen. Aber offensichtlich ist flüssige Hirnmasse doch nicht geschlechtsspezifisch.
Claus-Dietmar, ich nenn‘ ihn jetzt einfach mal Claus-Dietmar, hat ein paar Fragen zu seinem Liebesleben. Also fängt unsere Schamanin an, ihre Karten zu mischen und fordert ihn auf, ihr „ein Stopp zu geben“. Naja hat ne Weile gedauert, bis er verstand, dass er „Stopp“ sagen sollte – egal, is’ ja sein Geld. Während sie ihre Karten auslegt, sagt er, dass es da gerade ganz frisch eine Frau gäbe und er möchte gern wissen, ob das was Längeres ist. Sie schaut in die vor ihr ausgebreiteten Karten (sah aus wie ein billiges Skatblatt) und meint völlig überraschend, dass das bestimmt noch nich’ lange läuft mit den beiden. Ach nee! Hatter da nich’ grad gesagt!? Er stimmt ihr zu. Das ist bestimmt erst seit ein paar Tagen, meint sie. Und genau das ist die Masche: die Weiber sagen irgendwas, was der Anrufer im Laufe des Gesprächs schon gesagt hat und tasten sich dann in winzigen Schritten, mit klitzekleinen Fragen voran, die der Anrufer immer brav beantwortet, um am Ende – tataaaaaa – doch nix wahrgesagt zu haben.
Naja sie meint jedenfalls, das sei nix auf längere Sicht, er solle die Zeit genießen, aber lange ginge es nicht. Da war er ein bissl verdattert. »Und was ist mit der Frau davor«, fragt er. Die solle er auf jeden Fall vergessen, da gehe ja gaaaaar nix mehr. »Hmm und die davor, das ging 7 Jahre?« »Ja diiiiieeeee, das ist was Wahres. Das wäre das einzige, wo es länger halten wird«, meint die Schamanin. Naaaaja hat man ja gesehen, wie gut das gegangen ist. Aber da wäre noch was da, sagt sie, da sind noch Gefühle. Dass er sie sehr verletzt hat, überhört sie geflissentlich.

Sichtlich bedröppelt fragt Claus-Dietmar am Ende des mehrere Minuten dauernden Gesprächs, was er nun mache soll. Er solle halt die Vorletzte wieder nehmen. Das ist schon wirklich krass: eigentlich zerstören die Schnepfen da vor laufender Kamera Beziehungen. Andererseits, wer da anruft und solche bekloppten Fragen stellt, hat’s echt nicht besser verdient.

Naja auf jeden Fall kann ich es nur empfehlen, sich das „Telekontor“ auf „Das Vierte“ mal anzuschauen. Was Besseres als diese Muppetshow gibt’s wirklich nicht. Echt zum Schenkelklopfen und manchmal hat man das Gefühl, die Damen dort meinen das wirklich ernst und glauben an das, was sie da erzählen. Herrlich! 😀

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