Erinnerungen an Uroma Helene

Rubrik:  Gegrinst  ·  Autor:  Zappelfillip10. Januar 2006, 11:01 Uhr

Während unserer allvormittäglichen Praktikantenrunde in der Kaffeeküche (anwesend Frau. P, Herr WWU und ich) wurde ich im Laufe des Gespräches an zwei Episoden erinnert, die in meiner recht kleinen Familie seit Generationen weitergegeben werden und zwischenzeitlich sich zu geflügelten Worten entwickelten. Hauptakteur ist dabei meine Uroma – also die Mutter der Mutter meines Vaters. ;) Sie stammt aus dem tiefsten Thüringer Wald. Als kleiner Junge habe ich sie noch kennengelernt, bis sie etwa Mitte der achtziger Jahre verstarb. Zu der Zeit war ich also etwa 10 Jahre alt.

Die Ereignisse, welche sich in meiner Familie so manifestiert haben, liegen allerdings noch weiter zurück, weshalb ich selbst sie nur vom Hörensagen kenne. Kommen wir zur ersten:

Der Regenschirm

Beim Aufräumen (oder was auch immer) entdeckte meine Uroma Helene in einer Ecke ihres Schrankes einen alten Regenschirm. Leider stellte sich bei näherer Betrachtung heraus, dass dieser ein oder mehrere Löcher aufwies, was der ursprünglichen und eigentlichen Funktion eines Schirmes sehr hinderlich ist. Nun muss man wissen, dass in der DDR und erst recht zu jener Zeit ein Regenschirm ein richtig teurer Artikel war. Während der Preis für ein solches Nässeschutzgerät heutzutage im niedrigen einstelligen Eurobereich liegt, so konnte er damals gut und gerne fast 100 Mark kosten. So sind zumindest die Erzählungen meiner Verwandtschaft. Selbst wenn es vielleicht auch nur 50 Mark waren, so ist das immer noch ein unfassbarer Preis.
Daher begutachtete Uroma Helene den Schirm noch einmal eingehend und mit den Worten (bitte im urspünglichsten Thüringer Wald-Dialekt gesprochen vorstellen) »Für daheeme rum isser noch gut« legte sie ihn zurück in den Schrank – wozu auch immer man „daheeme rum“ noch einen löchrigen Schirm gebrauchen kann.

Immer dann wenn nun etwas (wieder)auftaucht, das zwar überhaupt nicht mehr zu gebrauchen ist (sei es defekt oder einfach nur nutzlos geworden), von dem man sich aber dennoch nicht trennen möchte, verwenden wir Köhlers seither sarkastisch bzw. ironisch diesen Ausspruch, um den Anderen auf diesen Umstand aufmerksam zu machen (langer Satz geworden aber gekürzt wird nich).

Die zweite Geschichte gibt es dann doch lieber etwas später in einem neuen Artikel, damit dieser Text hier nicht schon wieder so ellenlang wird und ihn womöglich keiner mehr liest :P

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  1. Trackback: Zappelfillip plaudert... am 10.01.2006, 16:10 Uhr

    Erinnerungen an Uroma Helene II

    Nach der ersten kleinen Story in Andenken an meine Uroma kommen wir nun zur zweiten, die ich ja bereits ankündigte. Diese wird wohl etwas kürzer ausfallen und ich nenne sie mal
    Thüringer Chinesisch
    Es ist schon sehr lang her, ich war …

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