Das sprichwörtliche Judenei

Rubrik:  Bildungsauftrag  ·  Autor:  Zappelfillip12. Januar 2006, 12:01 Uhr

Kennt ihr den Ausspruch, wenn etwas sehr glänzt (z. B. ein blitzsauberes Auto oder eine polierte männliche Glatze), das man dann sagt „Das glänzt wie ein Judenei“ (natürlich ohne antisemitische Hintergedanken!)? Der WWU und ich wollten endlich mal wissen, woher dieser Spruch kommt. Ob er gar eine zweideutige Bedeutung hat? Vielleicht rasiert man sich als Angehöriger dieses Glaubens ja regelmäßig… na ihr wisst schon wo und dann glänzt das alles wundervoll in der Frühlingssonne!? Wer weiß, möglicherweise hat es aber auch eine ganz profane Erklärung.

Scheinbar scheint der Spruch auch nicht überall bekannt zu sein. Wir kannten ihn aber eine etwas ältere Kollegin konnte damit nichts anfangen. Um der Sache nun aber auf den Grund zu gehen, habe ich mal Google bemüht. Und es ist gar nicht sooo leicht, eine glaubwürdige Erklärung für den Ursprung zu finden. Eine könnte ich mir aber doch tatsächlich vorstellen: die Juden haben früher ihre Eier – also jene ihrer Hühner – vor dem Verkauf poliert, was zur Folge hatte, dass sie mehr auffielen und somit eher gekauft wurden als die vom Nachbarstand auf dem Marktplatz. Ob dem tatsächlich so ist, steht auf einem anderen Blatt, aber es könnte durchaus sein.

So Bildungsauftrag für heute erfüllt! Gute Tat…

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12 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Gudrun am 23.02.2006, 03:44 Uhr

    Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben den Ausdruck „Judenei“ gehört. Nun habe ich bei g++gle gesucht, was er bedeuten soll und niemand scheint es genau zu wissen.

    Auffällig ist nur, wie oft betont wird, daß es nicht diffamierend gemeint ist und hoffentlich pc (political correct) sei und „natürlich ohne antisemitische Hintergedanken“. Wenn das penetrant betont werden muß, dann liegt der Schluß nahe, dass es doch eine diffamierende Bedeutung hat. Die Judenschule, die Judennase oder der Judenwitz ist ja auch nichts Positives (im Gegensatz zum jüdischen Witz).

    Nun gab es durchaus jüdische Eierhändler. Dass die aber besonders bekannt gewesen sein sollen wegen der Sauberkeit ihrer Eier – scheint mir nicht besonders naheliegend. Denn die Juden, die Eierhändler waren, waren sehr arme Ostjuden, die eher verachtet und mit antisemitischen Stereotypen belegt wurden.

    Ansonsten fällt bei den g++gle – Einträgen eher auf, daß ein Judenei wohl eine Glatze ist – wie auch hier erwähnt. Da die meisten Männer sehr viel dafür tun, keine Glatze zu haben oder den Haarausfall zu verdecken, ist es vom Ursprung her negativ gemeint, denn warum sollte es für Juden erstrebenswerter sein als für Nichtjuden eine Glatze zu haben?

  2. Kommentar: Antje am 16.05.2006, 23:03 Uhr

    Die Herkunft dieses Ausdruckes beschäftigt mich auch schon eine Weile und ich werde nicht fündig.
    Als jemand der eine deutsche Bildung und Erziehung genossen hat würde ich auch immer das „ohne antsemitische Hintergrund“ auch ohne Hintergedanken betonen, sonst traut man sich ja kaum diese Frage zu stellen.
    Ein Germanistikprof. a.D. den ich mal fragte, brach in Tränen aus und ich hakte nicht nach.
    Obwohl ich auch bei Eiern war, allerdings bei Faberge-Eiern – in Anbetracht der Tatsache, dass den Juden ja ein ausserordentliches Geschäftsgenie nachgesagt wird. Der Umstand der Beschneidung und der eventuellen Rasur ist auch eine Idee.
    Allerdings ziemlich unbefriedigend als Auskunft – jedenfalls für mich, also weiter suchen.

  3. Kommentar: peter am 24.08.2006, 13:18 Uhr

    Soviel ich weis, ist das eine uralter Redewendung die tatsächlich auf eine Messinglampe zurück geht.
    Der Fuß der Lampe hat die Form einer ovalen Kugel ( daher Ei ) es kann auch das Zuggewicht bei einer Hägelampe gewesen sein.
    Lampe ist aber scheinbar richtig Wir kennen alle ja auch den oder einen „Armleuchter“ oder die „trübe Funzel“ und manch einer der den Begriff gezielt benutzt ist oft “ keine große Leuchte“ !

    Erst später bekam der Begriff einen negativen Beigeschmack.

  4. Kommentar: ein anderer peter am 7.09.2006, 23:32 Uhr

    Klingt nicht sonderlich überzeugend… Wer poliert schon ein Lampengewicht? :arrow::idea:

  5. Kommentar: Antje am 8.09.2006, 00:24 Uhr

    Na ich zum Beispiel :roll:, aber überzeugt hat mich das Argument auch nicht, weil ich damit keine Juden in Zusammenhang bringen würde … also weiter

  6. Kommentar: michl am 8.09.2006, 00:34 Uhr

    ein Fall für die Besserwisserseite?

  7. Kommentar: Antje am 8.09.2006, 01:06 Uhr

    Wäre eine Idee, wenn meine firewall da mitmachen würde :oops:

  8. Kommentar: Udo Kreschnak am 12.03.2007, 07:42 Uhr

    …na ich habe von einem Rüganer Mineralogen folgendes gehört.
    Ein Judenei ist eine Mineralblase, entstanden in der Kreidezeit.
    Habe nämlich so ein Ding in der Ostsee (Kreideküste – Rügen) gefunden und konnte damals nichts damit anfangen. :shock:
    Traf den älteren Herren und zeigte ihm meine Versteinerungen, Seeigel und besagte schwere Blase. Er sagte: „Oooh ein Judenei, und was für ein schönes Exemplar, das wäre was für’s Museum!“
    Seitdem versuche ich genaueres zu recherchieren, doch der Begriff stammt m.E. aus der Zeit vor 1945 und wird seither nicht mehr verwendet. Bei Interesse kann ich ja mal ein Foto reinsetzten. :idea:

  9. Kommentar: Udo Kreschnak am 12.03.2007, 07:48 Uhr

    …der Vergleich mit dem Messing – Lampen – Gewicht ist gar nicht mal so abwägig! :idea:

  10. Kommentar: Udo Kreschnak am 12.03.2007, 08:11 Uhr

    In der Geosammlung der TU Clausthal (Mineralogische Sammlung) habe ich das Mineral entdeckt:

    Es handelt sich um eine Pyrit – Blase !!!

    Vielleicht hilft das bei der weiteren Recherche zum Begriff :?: :?: :?:

    Name: Pyrit; Rosette

    Eigenschaften
    Chem. Zusammensetzung: FeS2
    Synonyme: Eisenkies
    Systematik: IIc
    Kristallsystem: Kubisch
    Härte: 6 – 61/2
    Dichte: 5,0 – 5,2
    Farbe: Licht messingfarbig speisgelb, goldgelb, bunte Anlauffarben und nicht selten rostfarbene Verwitterungsoberflächen.
    Glanz: Metallisch, besonders auf frischen Bruchflächen
    Strich: Grünlichschwarz

    Beschreibung
    Kommt oft als ideal gewachsener Kristall, aber auch in derber Masse vor. Unterschiedlich gut ausgebildet. Pyrit ist neben Schwefel der wichtigste Rohstoff zur Herstellung von Schwefel­säure. Relativ oft, doch örtlich begrenzt, ist er in vielen Lagerstätten auch der Träger von Gold, wobei das Edelmetall als feinster Staub dispers im Pyrit eingeschlossen ist. Die Spaltbarkeit ist undeutlich nach (112). Pyrit gehört mit über 60 bekannten Formen zu den formenreichen Kristallen. Die bekanntesten Ausbildungen sind der Würfel, Hexaeder (100)

    Namensfindung
    Plinius (77 n. Chr) nannte den Feuerstein seiner Zeit Pyrites, Namen, den er wahr­scheinlich von den Griechen (Discorides) übernommen hat. Die Araber verwendeten das aramäische Marqashittiâ sowohl für Pyrit als auch Markasit, die zu der Zeit noch nicht als zwei verschiedene Mineralarten unterschieden wurden. Agricola (1544) spricht von Pyrites. Hauy (1827) erkennt aufgrund der kristallographischen Eigenschaften, dass es sich bei Pyrites und Marqashittiâ um zwei verschiedene Minerale handelt. Werner nannte die Eisensulfide Strahlkies, Kammkies, Speerkies und Zellkies. Berselius bestimmte 1819 als erster den Chemismus der beiden Minerale.

    Bekannte Fundorte
    Die bekanntesten Lagerstätten dieser Art werden im Witwatersrand – Konglomerat und Transvaal (RSA) abgebaut. In hydrothermalen Goldgängen, z. B. im slovakischen Erzge­birge und der Region um Baia Mare, Rumänien. Hydrothermal kommt Pyrit mit Sulfiden, wie Sphalerit, Galenit, Arsenopyrit, Pyrrhotin u.a. vor, insbesondere mit Chalkopyrit. Oft in Metamorphiten und metamorphen Lagerstätten und Sedimentiten, darunter auch in Steinkohle. Die Bildungstemperatur schwankt von 25° C bis über 600° C. Schöne Kristalle sind weltweit von vielen Orten bekannt. In Lagerstätten kommt Pyrit in mehr oder weniger großen, massigen, derben Linsen und Stöcken vor. Lagerstätten sind weltweit anzutreffen. Die ehemals reichen Lagerstätten in Deutschland, Rammelsberg bei Goslar, Meggen an der Lenne (NRW), Waldsassen in Bayern sind erschöpft.

    Bedeutende Fundorte, die noch abgebaut werden, sind in der Provinz Huelva ( Spanien) und der Provinz Alemtejo in Portugal, in Falun, Schweden und Grong und Sulitelma in Norwegen. In Russland, China, den mittelasiatischen Republiken, in Japan, Australien, China, den Andenstaaten Südamerikas und in Tasmanien wird Pyrit in großen Mengen als Rohstoff für Schwefel abgebaut. Diese sind auch heute noch wichtige Rohstofflieferanten. Besonders schöne Kristalle sind weltweit zu finden. Daher werden nur einige Fundorte angegeben. Im Harz: Rammelsberg, in den Erzgängen von Clausthal-Zellerfeld, Sankt Andreasberg, dem Gips am Harz – Südrand zwischen Osterode und Nordhausen. In den Revieren um Freiberg, Schneeberg, Annaberg, Johanngeorgenstadt (Sachsen), auf der Insel Elba und andernorts in Italien. Gällivara (Schweden), der Insel Chalkidike (Griechenland), in der Provinz Huelva, Spanien, bei Sonora in Mexiko. In USA in den Staaten Colorado, Pennsylvannia, New Mexiko und in vielen Orten in den Andenstaaten.

  11. Kommentar: Rene Mueller am 26.03.2008, 20:48 Uhr

    …wie wärs mit ‚ner glänzenden Uhr („Nürnberger Ei“) im MIttelalter, das betuchte Juden sich leisteten…?

  12. Kommentar: Pascal am 18.10.2009, 21:24 Uhr

    Laut unserem Geschichtslehrer steckt hinter dieser Bezeichnung wie erwartet eine Verunglimpfung des Judentums bzw. der jüdischen Bevölkerung, wenn etwas „glänzte wie ein Judenei“ dann war also etwas faul. Man traute der Situation nicht, so wie man damals einem jüdischen Bürger im Allgemeinen nicht traute.

    Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, man habe sich erzählt, jüdische Frauen würden ihre Kinder nicht durch die Entbindung zur Welt bringen, sondern eben ausbrüten. Wieviel an diesem Gerücht letztendlich dran ist kann ich aber auch nicht sagen.

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