Ei gugge ma

Rubrik:  Angemerkt  ·  Autor:  Zappelfillip19. Januar 2006, 15:01 Uhr

Nicht zuletzt wegen der Daily Tom Fotos, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen habe, dass ich zu den 63% der Deutschen zähle, die eine Brille tragen. Das ist sogar schon ewig so. Ich hatte nämlich bereits im Alter von einem Jahr so ein Nasenfahrrad. Damals waren das noch so richtig dicke Plastegestelle… naja solche eben, wie sie heute auch wieder modern sind.

Als Kind habe ich auch ganz furchtbar geschielt, weshalb ich jahrelang mit einem zugeklebten Auge bzw. Brillenglas rumrennen musste, um dies auf Dauer zu korrigieren. Sieht man ja heute auch manchmal noch bei kleinen Kindern. Und glücklicherweise war das bei mir auch durchaus erfolgreich. Nur einen winzig kleinen Silberblick habe ich mir erhalten. Silberblick ist sexy, sagte man mir mal. Zugegebermaßen sieht man ihn aber nur, wenn man es weiß oder ich meine Brille absetze, denn diese gleicht ihn irgendwie aus. Nur ein kleiner Bengel auf irgendeiner langweiligen Familienfeier begrüßte mich mal vor ein paar Jahren mit den Worten »Du schielst!«. Nunja Kindermund tut Wahrheit kund. Offensichtlich war er ein aufmerksames Kerlchen, wenn er es bemerkte.

Nunja meine Brille ist für mich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: ohne ist es für mich sehr komisch. Absetzen muss ich sie eigentlich nur im Schwimmbad oder ähnlichen Örtlichkeiten. Aber dann fühle ich mich immer sofort nackt… andererseits… im Bad bin ich es ja wirklich… also in der Sauna jedenfalls. Naja das meine ich aber nicht. Anderes Beispiel: Im Sportunterricht früher habe ich sie auch immer abgesetzt. Und dann erwischte ich mich ständig dabei, dass ich mir mit den Händen das Gesicht verdeckte. Ich sache ja: ich fühle mich da nackt. Brille gibt Sicherheit.

Auch mit Kontaktlinsen komme ich nicht zurecht. Dies habe ich vor4 Jahren mal getestet. Damals waren gerade Kontaktlinsen neu auf dem Markt, die auch meine Sehschwäche bedienen können. Dass es nicht funktionierte, lag daran, dass ich zu wenig Tränenflüssigkeit habe/produziere und die Dinger dadurch immerzu im Auge spüre. Ach und außerdem nervt das tägliche Prozedere des Rein- und Rausmachens. Daher bin ich schnell wieder zur Brille zurückgekehrt. Allerdings nahm ich zu dieser Zeit Abschied von den (in meinen Augen aus heutiger Sicht) hässlichen Metallgestellen und trage seither schwarze Plastikmodelle.

Übrigens habe ich mit Brille eine Sehkraft über 100%. Das bedeutet, ich sehe besser als der Durchschnittsmensch. Finde ich durchaus beeindruckend. Allerdings war ich sowieso nie jemand, der ohne Brille aufgeschmissen wäre oder blind wie ein Maulwurf. Eigentlich war sie sogar wichtiger, um meine Achsenverschiebung zu korrigieren als die Sehkraft an sich. Ich kenne einige Leute, deren Dioptrinzahl sich gefährlich dem zweistelligen Bereich nähert. Nimm ihnen die Brille weg und du kannst sie „Blinde Kuh“ spielen sehen. Nun ereilt mich dieses Schicksal auch so langsam. Seit vielen Jahren ist meine Brillenstärke quasi unverändert geblieben. Doch plötzlich, und es kam wirklich von einem Tag auf den anderen, musste ich feststellen, dass ich die Anzeigetafeln auf den U-Bahnhöfen nicht mehr erkennen konnte, ohne die Augen zum „Scharfziehen“ zusammenzukneifen. Nunja leider wird man halt doch älter und bald erreicht mich ja die 30. Zumindest der Augenarzt konnte mich beruhigen. Denn ich fand es schon etwas verwirrend, dass das so plötzlich eintrat. Er konnte jedoch nichts ungewöhnliches feststellen. Und so kenne ich jetzt meine neue Stärke und habe den Gläserwechsel bereits beim Optiker in Auftrag gegeben. Meine Gestelle behalte ich. Leider bezahlt die Krankenkasse ja schon lange nichts mehr dazu und ich muss sagen, so ein Brillenglas ist durchaus nicht billig. Ich bezahle pro Glas 25 € bzw. 31 € (ich habe 2 Brillen, bei denen die Gläser getauscht werden müssen). Muss ich halt durch. Wenigstens habe ich die Gewissheit, danach wieder über 100% zu sehen…

Übrigens noch etwas für die Philosophen unter Euch und die, die sich gern den Kopf zerbrechen. Ich habe noch eine kleine „Besonderheit“ vorzuweisen: Ich kann nämlich nicht räumlich sehen, sondern lebe in einer rein zweidimensionalen Welt – visuell gesehen. Die Simpsons lassen grüßen 😉 Und der erste, der jetzt fragt »Und wie sieht das aus? Was siehst du anders als ich?«, der kriegt ’ne Hurbsel. Und wer nicht weiß, was ’ne Hurbsel, der kriegt gleich noch eine und ich strecke ihm die Zunge raus 😛

Nachtrag 20. Januar 2006

Um das nochmal hervorzuheben: Ich habe nie unter meiner Brille gelitten. Mal abgesehen von einem relativ kurzen Zeitraum während der Pupertät. Aber selbst da kann man es nicht als Leiden bezeichnen. Sie war halt eh immer da. Auch an die Phase mit dem zugeklebten Auge kann ich mich nur sehr wage erinnern, ich war ja noch nichtmal in der Schule. Übrigens ist bei mir das linke Auge das bessere, weshalb dieses immer abgeklebt war, um das rechte zu stärken. Naja und da ich, wie erwähnt sowieso nicht räumlich (3D) sehe, hat das auch weder mir noch den Strom- und Lampenmasten meiner Umgebung geschadet. Ein Auge mehr oder weniger macht da auch nix mehr.

Ach und „Hurbsel“ ist übrigens weiblich (also die Hurbsel) und ist quasi eine Bestrafungsmethode, welche nur am lebenden Objekt vorgeführt werden kann.

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