Die Hurbsel

Rubrik:  Angemerkt  ·  Autor:  Zappelfillip21. Januar 2006, 21:01 Uhr

Grundlagen

Es ist die Zeit gekommen, an der ich mit einem offensichtlichen Missstand aufräumen möchte. In den letzten beiden Tagen erwähnte ich gleich in zwei Beiträgen den Begriff „Hurbsel“ und musste mit gewissem Entsetzen, oder nennen wir es Erstaunen, feststellen, dass kaum einer diesen Begriff kennt – nicht einmal meine Ossikollegen. Eine kurze Recherche mittels einer sehr großen Suchmaschine brachte zutage, dass nicht einmal diese ein Ergebnis zu „Hurbsel“ liefert. Das kann aber nun wahrlich nicht sein, dachte ich mir! Daher nehme ich an dieser Stelle meinen mir selbst auferlegten Bildungsauftrag wahr und werde die Welt darüber in Kenntnis setzen, worum es sich bei der Hurbsel handelt.

Also: Stellt Euch vor, die beste Freundin oder der beste Kumpel haben Euch mal wieder aufgezogen und sich über die Unfähigkeit Eures Friseurs lustig gemacht. Nun möchtet ihr es ihnen natürlich gern heimzahlen. Reines Zurückschimpfen oder -lästern erscheint Euch allerdings zu wenig rachebefriedigend. Auf der anderen Seite wollt ihr aber auch nicht einfach völlig enthemmt der Freundin die Augen auskratzen oder dem Kumpel den linken Schneidezahn ausschlagen. Also braucht es etwas dazwischen: mehr beeindruckender als Keifen aber nicht so schmerzhaft wie ein blaues Auge. Schließlich soll die Freundschaft auch noch weiterhin Bestand haben.

Für diese Fälle wurde die Hurbsel entwickelt bzw. erfunden. Leider scheint sie nur bisher noch so keine rechte Verbreitung gefunden zu haben. Vielleicht sollte ich mal einen Artikel in der Wikipedia veröffentlichen, um ihr ein wenig mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Prinzip

Die Hurbsel macht sich eine grundlegende physikalische Eigenschaft zunutze: die Reibung. Diese bewirkt ein angenehmes, unangenehmes oder gar schmerzhaftes Gefühl bei einer Person, der Entgegen der Wuchsrichtung über Haare gestrichen wird – wo auch immer diese sich befinden mögen. ;) Die Art des Empfindens (Gänsehauteffekt oder Schmerz) hängt dabei in sehr hohem Maße von der Stärke der Reibung ab. Drückt man beim Streicheln relativ wenig auf und bewegt dabei nur langsam das Streichobjekt (z. B. die Hand) über die zu streichelnde Stelle (z. B. den Hinterkopf), so mag dies durchaus ein angenehm kribbelndes Gefühl und eine Gänsehaut beim Gestreichelten hervorrufen. Erhöht man jedoch durch starkes Aufdrücken die Reibung in großem Maße und bewegt gleichzeitig das Streichobjekt sehr schnell über die Streichstelle, so gipfelt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem spitzen Aufschrei des Gestrichenen (ich möchte es nicht mehr „Streicheln“ nennen ;)).

Ist nun das Streichobjekt die geballte Faust eines Menschen und die Streichstelle der Hinterkopf einer anderen Person, so spricht man von einer „Hurbsel“.

Durchführung

Zum erfolgreichen Ausführen einer Hurbsel benötigt man zwei Dinge:

  • eine Hand

    Das Streichobjekt: die menschliche Hand

  • und einen Hinterkopf mit möglichst kurzem Haarwuchs

    Das gestrichene Objekt: ein Hinterkopf

Man erkennt leicht, dass die Umsetzung einer Hurbsel allein schon aufgrund benötigter Utensilien nicht besonders aufwändig ist. Daher ist man jederzeit und prinzipiell an jedem Ort in der Lage, durchaus erfolgreich eine Hurbsel „an den Mann zu bringen“. Probiert es ruhig einmal aus.

Hier nun die konkreten Handlungsanweisungen:

  1. Man schließt die Hand zu einer Faust, wobei der Daumen wahlweise leicht in den geschlossenen Fingern liegt oder aber auf dem gekrümmten Zeigefinger. Hinweis: Entscheidet man sich für letztgenannte Methode, so ist darauf zu achten, den Daumen nicht zu weit nach vorne zu schieben. Der Daumennagel darf nicht über die Kontur der restlichen Finger hinausragen!
  2. Nun dreht man die Faust in eine senkrechte Position, wobei sich der Daumen oben befindet. Die Hand wird am Handgelenk leicht nach unten, entgegen dem Daumen, abgewinkelt. Nachfolgendes Foto soll dies anschaulich verdeutlichen.

    geballte Faust mit innenliegendem Daumen

  3. Jetzt ist der Moment erreicht, an dem man das Streichobjekt, die Faust, am Hinterkopf des Probanden positioniert. Dies erfolgt an einer möglichst tiefen Stelle – am besten dort, wo die ersten Haare im Nacken wachsen. Es ist darauf zu achten, die Faust mit Richtung der Fingerknöchel auf den Haaransatz zu legen (siehe Foto).

    Positionierung der Faust am Hinterkopf des Opfers

  4. Ist man nun an dieser Stelle angelangt, genügt es, mit hinreichend großem Druck eine schnelle Aufwärtsbewegung der Hand auszuführen. Das dies natürlich entgegen der haupsächlichen Haarwuchsrichtung erfolgt, wird der Proband ein überaus unangenehmes Zwicken empfinden.

    Bewegungsrichtung der Hand zum hurbseln

    Korrekt ausgeführt, wird sich das Opfer nach deinem nächsten Friseurbesuch zweimal überlegen, ob es wieder lacht und lästert oder lieber ehrfürchtig erstarrt. Hinweis: Achtet während der Aufwärtsbewegung darauf, dass alle vier Fingerknöchel (von Zeige-, Mittel-, Ring- und kleiner Finger) am Hinterkopf anliegen. Nur so erreicht man maximale Reibung, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Aus eigener Erfahrung möchte ich noch anmerken, dass eine Hurbsel mit ein wenig Übung durchaus ein wirkungsvolles Bestrafungsmittel sein kann. Natürlich verhält es sich wie bei den meisten Dingen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber grundsätzlich kann auch ein Anfänger recht schnell gute Ergebnisse erzielen. Also nur Mut und wer noch ein wenig Hemmungen hat, darf gern zunächst am Lieblingskuscheltier üben. Viel Erfolg! Falls noch Unsicherheiten vorhanden sind, bin ich gern bereit, tiefergehende Fragen zu beantworten.

Diesen Artikel bookmarken:

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Furl
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Spurl
  • Bloglines
  • Google Bookmarks

5 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Brüderchen am 22.01.2006, 16:47 Uhr

    Zitat: „Aus eigener Erfahrung möchte ich noch anmerken, dass eine Hurbsel mit ein wenig Übung durchaus ein wirkungsvolles Bestrafungsmittel sein kann.“

    Der Mann weiss wovon er spricht ….

  2. Kommentar: Zappelfillip am 22.01.2006, 20:17 Uhr

    Du wirst Dich doch jetzt hier nicht über deine ach so schlimme Kindheit beschweren wollen!? ;)

  3. Kommentar: Brüderchen am 23.01.2006, 07:05 Uhr

    Aber neiiiiiiiiiiiiiiin …. hätte ich nen Grund? :D

  4. Pingback: Spielzeugwahn « Zappelfillip plaudert… am 10.02.2006, 17:59 Uhr

    […] Wir zogen also mit dem Karton, in dem sich das Flugzeug befand, los Richtung „Große Wiese“. Der Flieger war schnell startklar: Räder und Propeller dran, Fernsteuerung getestet und los konnte es gehen. Beim Zusammenbau musste man schon recht vorsichtig sein, denn der Flieger bestand nur aus Styropor zusammengehalten von etwas Klebstoff und Tesofilm. Dies machte mich schon ein wenig misstrauisch. Aber auf der Lern-DVD, die zum Lieferumfang gehörte, hatte ich ja gesehen, dass das Teil durchaus recht stabil sein sollte und eine Anwendung kinderleicht. Zum Start, hieß es, das Steuergerät in eine Hand nehmen, Vollgas geben und nun mit ein paar schnellen Schritten das Flugzeug mit der anderen Hand leicht nach oben gegen den Wind werfen. Also nicht wirklich werfen, sondern eher in den Wind gleiten lassen. Dies nahm ich mir auch zu Herzen. Den ersten Startversuch zeige ich Euch mal auf dem folgenden Bild. Ich bitte zu bedenken, dass ich mich da schon in einem leichten Laufschritt befand und nicht etwa wie eine Ballerina über das trockene Gras tänzle! Und der Mund sieht auch nicht etwa komisch aus… nein das ist ein Ausdruck allerhöchster Konzentration! Wer lacht, kriegt ‘ne Hurbsel! Weißt bescheid, ge!? […]

  5. Pingback: Mein Sauger « Zappelfillip plaudert… am 25.04.2006, 00:38 Uhr

    […] Ach übrigens möchte ich in den Kommentaren ausdrücklich nichts über einen Zusammenhang von Singleleben und Staubsauger lesen. Sonst gibt’s ne Hurbsel, Freunde! Klar!? Ich bestimme hier das Niveau! Und das ist niedrig genug! […]

Kommentar schreiben:

 Vorschau 

powered by Wordpress
 Anmelden