Räder-Rip

Rubrik:  Abenteuer München  ·  Autor:  Zappelfillip1. Februar 2006, 14:02 Uhr

Stellt Euch das mal vor: Ich stehe vollkommen entspannt mit meinem Viertwagen (einem BMW 120d neben den beiden Rolls Royce und dem Civic) an einer roten Ampel in der Münchner Bronx, im Radio läuft immerzu dasselbe bestimmt gerade einer der besten Hits der 80er, 90er oder gar der beste Hit von heute. Ich weiß es nicht mehr genau. Tut auch nix zur Sache momentan. Also ich sitze da nun so ganz lasziv auf meinem elektrisch beheizten Fahrersitz und lasse die Gedanken nur so ein wenig schweifen. Über meinem Kopf steigen quasi ein paar kleine, leider leere, Denkblasen auf, denn wenn meine Gedanken abschweifen, dann meist ins nebelige Nichts. Nennt es meinetwegen Lethargie oder Autismus – mir doch egal. Jedoch bin ich zu einigen Regungen noch fähig. So wippt nebenbei mein rechter Fuß spielend auf Gaspedal herum, was ein wohliges Brummeln in meinen Ohren und ein angenehmes Vibrieren in meinem Hintern hervorruft. Ich schnurre und genieße den besten Hit der 80er, 90er oder den von Heute!

Fragt mich nicht, wieviele Grünphasen ich auf diese Weise „verträumt“ habe. Es müssen wohl einige gewesen sein. In die Wirklichkeit kehre ich erst zurück, als ein ein rosa Elephant auf einem grünen Motorrad mich antröööööötet fetter 40-Tonner hinter mir seine laute LKW-Hupe ertönen lässt. »Jaja«, brummele ich, »nur kene Hektik!« Betont gemächlich lege ich den ersten Gang ein (Zum Glück hab’ ich keine Automatik – ich hasse Automatik. Sind wir etwa Mädchen!?) und versuche von der Ampelkreuzung fortzukommen. ›Aber was is’ denn nu‘ los?‹, durchfährt es mich. Nichts passiert! Also nicht wirklich Nichts aber das Auto bewegt sich keinen Zentimeter vom Fleck. Ich gebe mehr Gas und nehme den linken Fuß komplett vom Kupplungpedal. »Himmel, Arsch und Zwirn« fluche ich nun schon nicht mehr ganz so leise auf althergebrachte Weise. »Hornzie neu und schon der 1. Gang kaputt!«

Mit einigem Entsetzen muss ich nun aber feststellen, dass keiner der 6 Gänge, die ich nach und nach durchschalte, auch nur irgendeinen Ansatz einer translatorischen Bewegung meines Vehikels bewirkt. Zwischenzeitlich zeigt die Ampel natürlich auch schon wieder Rot – durchaus passend zu meiner Gesichtsfarbe. Diese ähnelt nämlich gerade ungemein einer überrreifen Piemontkirsche – und dabei mag ich gar kein kein Mong Scherrie! Glücklicherweise konnte der 40-Tonner, natürlich mit einer Frau am Steuer – wie peinlich – mittlerweile auf der Linksabbiegerspur an mir vorbeifahren. Auch ich bin eigentlich – zumindest laut Tacho – momentan tierisch am Rasen. Den 6. Gang habe ich eingelegt, das Gaspedal ist durchgetreten und ich müsste meinen Führerschein schon lange los sein, da ich gerade mit über 220 km/h durch die Münchner City donnere. Tatsächlich bewege ich mich nach wir vor kein Stück vorwärts – es sei denn, auch die Häuser, Bäume und Laternenmasten am Straßenrand rasen mit. Unwahrscheinlich

»Verdammich nochema‘«, höre ich fluchen. Zurecht wie mir scheint. Leider bleibt mir nun nichts weiter übrig, als auszusteigen und mal nach dem rechten zu schauen. ›Aber draußen ist es doch so unglaublich kalt. Vielleicht reicht es ja auch, erst einmal die Fenster herunterzulassen und so einen Blick zu riskieren.‹ Tja und kaum setze ich diesen Gedanken in die Tat um, blitzt es auch schon in meinem Augenwinkel. Unweigerlich schaue ich auf und erblicke… unglaublich… eine Gruppe japanischer Touristen mit bekloppten Hüten, die sich köstlich über irgendetwas zu amüsieren scheinen. Und natürlich hat auch jeder einzelne von ihnen mindestens zwei Fotoapparate dabei, mit denen sie mich abwechselnd fotografieren. Unter anderen Umständen hätte ich mich ja durchaus geschmeichelt gefühlt – aber jetzt!?

Mein seit einigen Minuten vorhandenes durchaus ungutes Gefühl bestätigt sich leider umgehend, als einer der Japaner mich einen Blick auf seine Digitalkamera werfen lässt und ich folgendes Bild erblicke:

abgezockt

Da wurden mir doch tatsächlich bei laufendem Motor, zugegeben in einer Träumerphase meinerseits, alle vier Reifen vom Wagen geklaut. Mit einer mobilen Hebebühne aufgebockt und nicht einmal die Mühe gemacht, wenigstens ein paar Steine unter die Radaufhängungen zu legen. So schwebe ich nun also mitten auf der Kreuzung und schaue bedeppert aus der Wäsche bzw. dem Fenster…

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2 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: WeisswurstUni am 1.02.2006, 15:53 Uhr

    Ich scheiße klug: Die korrekte Fahrzeugbezeichnung des Cheffemobil war 330cd, da es sich um eine Cabrio handelte. Aber den Bumms bestätige ich gerne. Das Ding hat über 400Nm Drehmoment!

  2. Kommentar: Lichti am 14.06.2006, 18:06 Uhr

    Lol

    coole Story is das echt passiert?

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