Geldwäscheangebot per E-Mail
Folgende, sagen wir farblich durchaus gewagte E-Mail fand ich am 29. Januar im Unbekannt-Ordner meines Spamfilters. Eigentlich werden selten E-Mails nicht korrekt erkannt (also entweder landen sie gleich in meinem Postfach oder werden als Spam in den Unerwünscht-Ordner einsortiert), daher bin ich bei den unbekannten dann immer besonders neugierig. Der Betreff lautete übrigens „Gehen Sie einen neuen Weg!“ und Absender war „evelin balas“.
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So grundsätzlich muss man sagen, diese Mail ist nicht ganz so plump und offensichtlich unseriös geschrieben, wie man es sonst immer liest. Natürlich war mir aber trotzdem klar, dass dies Spam ist oder gar irgendeine Gaunerei dahintersteckt. Nun wollte ich einfach mal genauer wissen, um was es sich da genau handelt. Man hört ja im Netz von den abenteuerlichsten Dingen, um anderen Geld abzuluchsen. Also habe ich einfach eine meiner ungenutzen Mailadressen genommen (möchte ja schließlich nicht noch mehr Spam) und mich tatsächlich auf diese E-Mail „beworben“ – natürlich nur zum Schein. Besonders aufwendig ist dies ja nicht, wenn man sich das “Bewerbungsformular„ am Ende der E-Mail anschaut.
Gestern, also etwas mehr als eine Woche später, traf dann die Antwortmail von einer Julia Price ein (übrigens komplett ohne deutsche Umlaute – also nur ae statt ä). Sie bot mir nun also die Stelle als Projekt-Koordinator an, wobei sich die Firma WilsonRoss Group seit März 2000 auf dem Markt der Consulting-Dienstleistungen in der Finanzbranche betätigt. Es folgt eine ganze Menge Blabla über Wertpapiergeschäfte in Osteuropa etc. So und nun wird man konkreter: Sie brauchen Projekt-Koordinatoren für den Zahlungsempfang in den entsprechenden Ländern über z. B. Western Union und MoneyGram.
Fuer diese selbstaendige Arbeit benoetigt man:
- ein persoenliches Konto zum Erhalt der Geldanweisungen von unseren Kunden und zum Empfang Ihres Lohns.
- uneingeschraenkten Internetzugang [die Auftraege und ihre Erklaerungen werden per elektronischer Post geschickt].
- Mobil- und Haustelefon fuer die operative Verbindung.
- 2 Stunden freie Zeit jeden Tag.
Das heißt also, man soll Zahlen aus dem Ausland entgegennehmen und dann weiterleiten. Als Lohn kann man 8% Summe behalten. So könnte man monatlich zwischen 2.500 € und 6.000 € verdienen, selbst wenn man nur 2-3 Geldüberweisungen entgegennimmt.
Die Arbeit ist nicht allzu schwer. Der Kunde will bargeldlos zahlen, wir moechten Bargeld. Sie bekommen 8 Komissionsgebuehren von jeder Geldueberweisung. Der Kunde ueberweist eine bestimmte Summe auf Ihr Konto. Sie gehen in Ihre Bank und heben Bargeld ab. Danach gehen Sie in die naechste MONEY GRAM- oder WESTERN UNION-Filiale und senden es an den von uns angegebenen Empfaenger. Alle notwendigen Information ueber die Geldueberweisungen bekommen Sie telefonisch oder per E-Mail. Alle Kosten, die mit dieser Taetigkeit verbunden sind [Kommissionsgebuehren der Bank, Western Union, MoneyGram, sowie andere Kosten] sind bereits in die Summe der
Geldueberweisung eingerechnet.
Jede Woche freitags werden Sie Geldanweisungen, die auch Ihr Gehalt einschliessen,
bekommen, deren Hoehe natuerlich von den Ergebnissen Ihrer Arbeit abhaengt.
Tja das nennt man dann wohl astreine Geldwäsche. Und ich möchte gar nicht wissen, wo das Geld herkommt. Wurden bestimmt irgendwelche alten Omis abgezockt. Und die Firma gibt es mit Sicherheit noch nicht einmal, schließlich ist die E-Mail-Adresse des Absenders eine AOL-Adresse. Also braucht keiner von Euch mehr auf eine solche E-Mail antworten. Ich hab’s aufgedeckt
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