Spielzeugwahn

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip10. Februar 2006, 17:02 Uhr

FliegerNunja – Ich komme nicht wirklich drum herum. Habe mal wieder eine eher etwas peinliche Aktion zu erzählen. Das Kind im Manne ist bei mir nämlich mal wieder ordentlich durchgebrannt.

Also, ich gehöre zu jenen Männern, die trotz ordentlich vorhandenem Bartwuchs grundsätzlich jünger geschätzt werden als sie tatsächlich sind. Eigentlich jeder reagiert zunächst überrascht, wenn er erfährt, dass ich bereits fast 30 Lenze hinter mir habe. An meiner Größe kann es ja aber nich’ wirklich liegen. Wahrscheinlich habe ich mir im Gesicht das jungenhaft Verschmitze erhalten ;) Naja mir soll es recht sein! Die ersten Stirnfalten kommen noch früh genug. Ansätze sind ja bereits zu erkennen. Ja ich gestehe: Ich besitze sogar eine Antifaltencremé für Männer – nur leider vergesse ich immer, sie zu benutzen. Egal – das ist ein anderes Thema und gar nicht Sinn der Geschichte.

Passend zu meinem jungendlich frischem Aussehen, habe ich mir auch ein kindliches Gemüt erhalten. Das war/ist zwar eigentlich gar nicht beabsichtigt, aber scheinbar unweigerlich der Fall. Ich war in vielen Dingen des Lebens ein Spätzünder und selbst sehe ich mich auch heute noch nicht als so richtig erwachsen und ernsthaft an. Glücklicherweise ist das für mich aber auch kein Problem.

Nun kam es vor knapp 2 Wochen, dass ich (wahrscheinlich wiedermal auf der Schüssel hockend ;)) das aktuelle Werbeprospekt von real,- durchstöberte. Dies tue ich immer sehr gern, weil gerade real,- oftmals recht interessante Non-Food-Angebote vorzuweisen hat. Ich blättere also so durch die Seiten, vorbei an Haarshampoo und Katzenfutter als ich auf der Spielzeugangebotsseite plötzlich wie vom Blitz getroffen hängen bleibe. Jaja – jetzt versteht Ihr sicher auch, warum ich diesen Artikel mit meiner „Kindlichkeit“ eingeleitet habe. Euch schwant wahrscheinlich Böses und natürlich habt ihr auch ein Recht darauf, zu erfahren, was in der Spielzeugabteilung sooo sehr meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Werdet ihr auch gleich, versprochen! Lasst mich nur bitte nochmal kurz ein wenig abschweifen und etwas erklären. Ich weiß, meine Beträge hier sind in letzter Zeit immer ellenlang und sicher habt ihr auch besser zu tun, als hier stundenlang zu lesen, aber diese 3 Minuten zur Erklärung brauche ich noch… bitte! Aaaalso: ich bin ja bekanntermaßen ein Kind der DDR. Und wir hatten ja nix! Aber auch ga‘ nix! ;) So kam es, dass ich in meiner Kindheit – entgegen der meisten „Westkindern“ – nie ein funkferngesteuertes Auto besaß… bestenfalls eines mit Strippe, aber das zählt ja nicht. Das ist ja wie fahrradfahren mit Stützrädern! Und natürlich hätte ich gern so ein ferngesteuertes Auto besessen. Aber es ging eben nicht. Und als dann die Wende über uns allen hereinbrach habe ich aus unerfindlichen Gründen auch nie eines gekauft. Wahrscheinlich war es dann wiederrum Geldmangel oder doch ein schon zu sehr fortgeschrittenes Alter meinerseits. Warum auch immer – ich hatte jedenfalls nie ein RC-Auto in meinem Besitz, obwohl ich ein totaler Autonarr bin. Aber später spielte ich dann lieber mit „richtigen“ Autos.

C-17 E Staggerwing MiniUnd jetzt kommt sie Stelle, wo ich wieder zurückkehre zu meiner eigentlichen Geschichte! Ich blättere also so durch den real-Prospekt, als mir auf den Spielzeugseiten das Angebot eines ferngesteuerten Flugzeugs ins Auge sticht… also sinnbildlich nur natürlich… ›Wow das ist ja wohl ma’ endgeil‹, denke ich so bei mir in bestem Jugendslang. Es handelte sich dabei um das Modell „C-17 E Staggerwing Mini“ der Firma Jamara – einem rot-gelben Doppeldecker mit Propeller. Angeblich unglaublich einfach zu bedienen und damit auch für Anfänger geeignet – das war ich ja nunmal. Und das wirklich Tolle: das Teil sollte nur 39 € kosten. »Das ist ja noch viel cooler als so ein popeliges Auto«, sagte ich mir und beschloss spontan, den Flieger zu erwerben. Schließlich lag die UVP bei satten 99 €, womit es sich wohl um ein unsagbares Schnäppchen handeln musste. Selbst im Internet fand ich das Gerät nicht unter 59 €. Also ab zu real,- und zugeschlagen.

Ich bin nun nicht gerade der geduldige Bastelfreak und daher war ich ganz glücklich dass zum Betrieb des Flugzeugs nur das Fahrwerk ein- und der Propeller aufgesteckt werden mussten. Damit war es auch schon, dank 8 AA-Batterien, betriebsbereit. Jetzt nur noch den Akku des Flugzeugs direkt am Steuergerät aufladen und los sollte es gehen. Ich beschloss, den Jungernflug eine Woche nach dem Erwerb auf einer großen Wiese (die übrigens außergewöhnlicherweise „Große Wiese“ heißt) in Rudolstadt (da wo mein Väterchen wohnt und ich aufgewachsen bin) stattfinden zu lassen. Um das Ganze auch gut dokumentieren zu können, bestellte ich mein Väterchen als Fotografen und gleichzeitig Fluglotsen. Es war unfassbar arschkalt am letzten Sonntag, kann ich Euch sagen!

letzte VorbereitungenWir zogen also mit dem Karton, in dem sich das Flugzeug befand, los Richtung „Große Wiese“. Der Flieger war schnell startklar: Räder und Propeller dran, Fernsteuerung getestet und los konnte es gehen. Beim Zusammenbau musste man schon recht vorsichtig sein, denn der Flieger bestand nur aus Styropor zusammengehalten von etwas Klebstoff und Tesofilm. Dies machte mich schon ein wenig misstrauisch. Aber auf der Lern-DVD, die zum Lieferumfang gehörte, hatte ich ja gesehen, dass das Teil durchaus recht stabil sein sollte und eine Anwendung kinderleicht.
Zum Start, hieß es, das Steuergerät in eine Hand nehmen, Vollgas geben und nun mit ein paar schnellen Schritten das Flugzeug mit der anderen Hand leicht nach oben gegen den Wind werfen. Also nicht wirklich werfen, sondern eher in den Wind gleiten lassen. Dies nahm ich mir auch zu Herzen. Den ersten Startversuch zeige ich Euch mal auf dem folgenden Bild. Ich bitte zu bedenken, dass ich mich da schon in einem leichten Laufschritt befand und nicht etwa wie eine Ballerina über das trockene Gras tänzle! Und der Mund sieht auch nicht etwa komisch aus… nein das ist ein Ausdruck allerhöchster Konzentration! Wer lacht, kriegt ’ne Hurbsel! Weißt bescheid, ge!?

Der erste StartversuchSo – jetzt kommt’s aber: In der Anleitung wurde immer wieder betont, man solle das Flugzeug nicht zu steil nach oben werfen. Wollte ich ja auch nicht bzw. habe ich nach meinem Gefühl auch gar nicht. Und trotzdem ging der Flieger sofort nach meinem Loslassen in einen Steilflug der sich parabelartig einem Senkrechtstart annäherte. Nun muss man wissen, dass so ein popeliger Elektromotor angetrieben von einem Akku mit 150 mAh alles andere als kräftig ist. Das heißt also: das Flugzeug stieg sofort nach dem Verlassen meiner Hand pfeilartig in den Himmel, dabei sofort an Geschwindigkeit verlor um nach etwa 3 Metern seinen höchsten Punkt zu erreichen und ab da wieder unweigerlich der begrasten Erdoberfläche entgegenzurasen. Was für ein Schauspiel! Dabei bitte immer im Hinterkopf behalten, dass das Baumaterial Styropor war und auch der Propeller an der Flugzeugspitze alles andere als einen stabilen Eindruck machte. Diesen ersten Startversuch zeige ich Euch im nächsten Bild als Foto-Love-Story… äääh… Foto-Folge. Die letzten Bilder bis zum Aufschlag fehlen leider. Mein Väterchen war so aufgeregt über die bevorstehenden Katastrophe, dass er sich nicht traute, weiter den Auslöser der Kamera zu drücken. ;)

Der erste Flugversuch mit Bruchlandung

So – nun muss ich zugeben, dass es bei diesem einen Fehlversuch mit finalem Aufschlag nicht geblieben ist. Es brauchte 3 Versuche oder so, um erstmals einen halbwegs anständigen Flug hinzubekommen. Dieser dauerte aber auch wiederrum nur etwa 10 Sekunden bis plötzlich hörbar die Drehzahl des Propellers absackte und aufgrund der mangelnden Geschwindigkeit das Flugzeug schön sachte Richtung Boden segelte. Tja wahrscheinlich war es mit -3 °C etwas zu kalt für den Akku… oder er hält grundsätzlich nicht die angegebene Viertelstunde. Ich weiß es nicht! Die Folge war, dass wir nun ungefähr 10-15 kalte Minuten auf dem freien Feld ausharrten, während das Flugzeug am Steuergerät aufgeladen wurde. Leider wollte die Ladeleuchte nicht erlöschen, was auch dafür spricht, dass es wohl ein wenig zuuu kalt war. Also haben wir einfach mit nicht ganz vollständig geladenem Akku einen weiteren Versuch gestartet. Der gelang dann auch mal halbwegs gut, wie folgende Fotos zeigen:

Erfolgreich fliegen

Leider war der Flieger insgesamt etwas schlecht ausbalanciert. Also er sank ständig – selbst bei Vollgas – und auch an einen Geradeausflug war keineswegs zu denken. Natürlich hätte man das alles mit viel Friemelei einstellen können, hier ein wenig an den Tragflächen biegen dort am Seitenruder rumschrauben, aber es war saukalt und die Finger klamm. filigrane Arbeit war so unmöglich. Nun muss man wissen: der Flieger besitzt bauartbedingt keine Fähigkeit ordentlich zu landen. Er setzt halt irgendwann auf der Wiese auf und überschlägt sich dann mal mehr mal weniger doll. Dies weiß offensichtlich auch der Hersteller und hat der Packung wohlweislich einen Ersatzpropeller beigelegt. Nun das ist ja ganz nett… nur für mich ist das eindeutig zu wenig. Und so kam es wie es kommen musste: die zwei Propeller waren schneller aufgebraucht als ich das Flugzeug werfen konnte – sicherlich auch bedingt durch die Kälte, die das Platik spröde macht und damit eher zum Brechen bringt. Naja was soll ich sagen? ›39 € in den Sand gesetzt‹, dachte ich mir, denn ich hatte keinen Bock, weitere Propeller als Ersatzteile beim Hersteller zu ordern. Dafür ist das Flugzeug nun doch zu sehr unausgereift, um weiter bespielt zu werden.

Also dachte ich mir, versuchste einfach mal, ob du es nicht nur durch Werfen zum Segeln bringen kannst. Gesagt, getan! Allerdings ging das mehr schlecht als recht und der Segelflug, wenn man ihn so nennen möchte, endete jedes Mal nach spätestens 3-4  Metern. Während dieser Zeit tippelte mein Väterchen schon ein wenig aufgeregt von einem Bein aufs andere. Er war schon die ganze Zeit über der Meinung, ich würde das Flugzeug nicht ordentlich werfen – weder mit noch ohne Probleme – und frozelte spaßhaft rum. Also drückte ich im mein kastriertes Flugzeug – eben ohne Propeller und damit ohne Antrieb – in die Hand. Er solle doch mal zeigen, wie toll er es zum Segeln bringen kann. Das tat er dann auch. Ich sag‘ nur eins: gesegelt ist es nicht aber es hat tolle Rollen gemacht und sah nach einem väterlichen Versuch so aus:

Das Finale

Das sieht ja aus wie Eschede für Flugzeuge. Nunja, dieses filigrane Spielzeug war wohl eindeutig nichts für Köhlerhände. Immerhin hat es eine Woche überlebt und mal ehrlich: Ich habe schon sinnloser 40 € ausgegeben. Ich weiß nur grad kein Beispiel… ;)

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5 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Brüderchen am 10.02.2006, 18:51 Uhr

    Ich hab mir vor 2 Jahren eben besagtes RC Auto geleistet. Aus dem selben Gründen wie du, …alerdings ist meins nie auf einer Strasse gefahren. :D Steht nur hier rum…

    Aber dafür hab ich jetzt wenigstens eins … mein Schatzzzzzzzzzzzssssssssssssssss

  2. Kommentar: michl am 11.02.2006, 02:01 Uhr

    Macht euch keine Gedanken – mein Schwager hat sich zum 40. Geburtstag ein RC-Auto gewünscht und bekommen. Das ist dann 2-3 Monate durch die Wohnung gedüst ( er hat ne groooße Wohnung… ) und seit dem ( er ist jetzt Mitte 50 ) staubt’s vor sich hin. Da ist die Zappelfillip-Variante schon konkreter – Spass haben und anschliessend wech damit. Ansonsten nimmt’s nur unnötig Platz weg… ;)

  3. Kommentar: Zappelfillip am 11.02.2006, 02:22 Uhr

    Naja nur in meinem Fall betrug die Nettospaßzeit irgendwas um 15-20 Sekunden. Da sind 40 € mein schlechter Stundenlohn.

  4. Pingback: Der Radfahrern und das Nutria « Zappelfillip plaudert… am 11.02.2006, 11:48 Uhr

    […] Hier sieht man eine Bahnunterführung für Fußgänger in meiner Kinderstadt Rudolstadt (also aufgewachsen und so). Sie liegt auf dem Weg von und zur Flugzeugvernichtungswiese. Und eben von dieser Geldvernichtung noch aufgepeitscht und voller Adrenalin fiel mir das rechts befindliche Schild auf mit dem zarten Hinweis, Radfahrer mögen doch absteigen. Da musste ich erstmal völlig hysterisch kichern, denn wer bei dieser Treppe nicht sowieso absteigt, ist wahlweise lebensmüde oder besoffen oder beides. Sie führt nämlich erstens ordentlich steil in den Tunnel, welcher zweitens eine ziemlich niedrige Deckenhöhe hat. Das heißt, wenn der betrunkene Radfahrer es gerade noch schafft, nicht bereits bei der Treppenabfahrt die Stufen zu küssen, dann wird er spätens bei Erreichen des Treppenfußes einen unsanften Schlag vor die Stirn bekommen. Und der nächste Punkt: in der Unterführung ist es stockdunkel! Wenn es draußen also relativ hell ist und die Augen darauf adaptiert sind, so wird der wagemutige besoffene Kerl in absolute Finsternis rasen und wahrscheinlich eine dort befindliche Omi über den Haufen rammen, die gerade ein wenig von der Elisabethbrücke Nutrias füttern wollte. Am Abend zuvor hat sie extra für dieses Vorhaben diesmal die Brotrinde nicht weggeschmissen, die sie sowieso immer abschneiden muss, weil sie sie nicht mehr kauen kann. Kennt man ja! Das hab ich als Kind immer am liebsten beim Ahmbrot meiner Urgroßeltern gegessen: die übriggebliebenen Rinden. Ich den Rand und Uroma bzw. Uropa haben das innere Weiche gelutscht am Gaumen zerdrückt gegessen. […]

  5. Kommentar: RU am 15.02.2006, 10:03 Uhr

    Ich habe mich köstlich amüseirt. Dass allerdings ausgerechnet der, der Geldvernichtung schon aus Prinzip verabscheut dein kleines (Flugzeug)Glück zerstört hat, ist ja wohl der Gipfel :P

    Der „Unbekannte“ aus RU

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