Der Radfahrer und das Nutria

Rubrik:  Gegrinst  ·  Autor:  Zappelfillip11. Februar 2006, 11:02 Uhr

Radfahrer absteigenHier sieht man eine Bahnunterführung für Fußgänger in meiner Kinderstadt Rudolstadt (also aufgewachsen und so). Sie liegt auf dem Weg von und zur Flugzeugvernichtungswiese. Und eben von dieser Geldvernichtung noch aufgepeitscht und voller Adrenalin fiel mir das rechts befindliche Schild auf mit dem zarten Hinweis, Radfahrer mögen doch absteigen. Da musste ich erstmal völlig hysterisch kichern, denn wer bei dieser Treppe nicht sowieso absteigt, ist wahlweise lebensmüde oder besoffen oder beides. Sie führt nämlich erstens ordentlich steil in den Tunnel, welcher zweitens eine ziemlich niedrige Deckenhöhe hat. Das heißt, wenn der betrunkene Radfahrer es gerade noch schafft, nicht bereits bei der Treppenabfahrt die Stufen zu küssen, dann wird er spätens bei Erreichen des Treppenfußes einen unsanften Schlag vor die Stirn bekommen. Und der nächste Punkt: in der Unterführung ist es stockdunkel! Wenn es draußen also relativ hell ist und die Augen darauf adaptiert sind, so wird der wagemutige besoffene Kerl in absolute Finsternis rasen und wahrscheinlich eine dort befindliche Omi über den Haufen rammen, die gerade ein wenig von der Elisabethbrücke Nutrias füttern wollte. Am Abend zuvor hat sie extra für dieses Vorhaben diesmal die Brotrinde nicht weggeschmissen, die sie sowieso immer abschneiden muss, weil sie sie nicht mehr kauen kann. Kennt man ja! ;) Das hab ich als Kind immer am liebsten beim Ahmbrot meiner Urgroßeltern gegessen: die übriggebliebenen Rinden. Ich den Rand und Uroma bzw. Uropa haben das innere Weiche gelutscht am Gaumen zerdrückt gegessen.

So nun aber noch einmal kurz zurück zu dem völlig fehlplatzierten Schild. Der ein oder andere aufmerksame Leser wird nun sagen: »Jaja – musst du immer rummeckern!? Das Schild ist doch für alle Jene sinnvoll, die die Strecke nicht kennen. Die werden so eben vor der Treppe gewarnt.« Tja dann werde ich näher an Euch herantreten, liebevoll über den Kopf streicheln und folgenden Fakt an den Kopf werfen: Der Weg zum Beginn der Treppe hin (eben besagte Elisabethbrücke mündet in die Unterführung) ist bereits abfallend. Wer also als Ortsfremder sich schnell nähern würde, schafft ein rechtzeitiges Stehenbleiben sowieso nicht mehr. Und wer langsam genug ist, sieht auch die Treppe und ihre tückische Steilheit.

Damit es aber nun nicht so aussieht, als würde ich wieder nur sinnlos in die Welt meckern und mich aufregen, möchte ich hier auch gleich einen Verbesserungsvorschlag einbringen: Schild 10-15 Meter weiter vor setzen und besser ist das… für die den Besoffenen und die Nutria-Omi…

Apropos Nutrias: Also dies war kein Scherz. An der Stelle des Schildes etwa lebten viele Jahre unterhalb der Brücke am Ufer der Saale viiiieeeele Nutrias. Und diese wurden natürlich immer fleißig von Spaziergängern gefüttert. Und was die Folge eines solchen Luxus‘? Genau! Die Riesenratten ham nix anderes mehr gemacht als poppen. Entsprechend stieg die Anzahl rapide an. Bis zuständige Behörden beschlossen: Nutrias dort und füttern is’ nich’ mehr. Also wurde (ein Stück vor dem „Radfahrer absteigen“-Schild) ein „Füttern unter Strafe verboten!“-Schild (steht wirklich so drauf) aufgestellt. Also dies keine Wirkung zeigte (Erkläre mal deinem kleinen Kind, dass es nun plötzlich nicht mehr Opas Brotrinden durch die Gitterstäbe des Geländers werfen darf. Das hat es doch so gern gemacht, auch wenn es aufgrund seiner geringen Größe die Viecher eh nich’ sehen konnte.) hat man die Nutriafamilie einfach vergiftet an einen Ort gebracht, den sie Nutriaparadies nennen und wo sie es noch viel besser haben… jetzt… Und da man nun das „Nicht füttern“-Schild nicht mehr braucht, könnte man es einfach entfernen und an diese Stelle das „Radfahrer absteigen“ anbringen. Bräuchte man nicht einmal einen neuen Mast anbringen. Und vielleicht sollte man die Aufschrift des Schildes gleich noch ein wenig spektkulärer gestalten… so im Bildzeitungsstil vielleicht: „Achtung Killertreppe!“ oder „Höllenschlund vorraus“… Ich werd mal dem Bürgermeister schreiben… nachher…

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  1. Pingback: Gesucht II « Zappelfillip plaudert… am 23.04.2006, 18:02 Uhr

    […] nutria rudolstadt Alle tot… ääähh umgezogen […]

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