RAR

Rubrik:  Abenteuer München  ·  Autor:  Zappelfillip23. Februar 2006, 23:02 Uhr

Reflexionsarmer RaumDa sich die Firma, in der ich ja nun seit knapp 2 Wochen mit unvermindert anhaltender Begeisterung arbeite, als großer Dienstleister im Bereich der Akustik tätig ist (unter anderem), haben wir natürlich auch einen reflexionsarmen Raum, kurz RAR (auch schalldichter Raum genannt). Dies ist ein Raum, der akustisch vom Rest des Gebäudes entkoppelt ist – er „schwebt“ quasi im Gebäude bzw. steht nur auf Schalldämpfern. Somit können Vibrationen nicht von außen eindringen, die ja im Inneren als Schall wahrgenommen werden könnten. Außerdem besitzt er sehr dicke Wände, an denen im Inneren auf der kompletten Fläche (außer dem Boden) Keile aus Schaumstoff angebracht sind. Diese dienen verschlucken den Schall sozusagen, das heißt es gibt idealerweise innerhalb des Raumes keine Reflexionen. Solche Räume dienen dazu, genaue akustische Messungen vorzunehmen, denn so ist es möglich, die Eigenschaften eines Gerätes (Musikanlage, Fernseher, MP3-Player und natürlich alle möglichen Bereiche der Industrie) unabhängig von seiner Umgebung zu messen und zu überprüfen. Schließlich würde Reflexionen des Raumes ja auch das Messergebnis verfälschen. Nun aber genug der Theorie. Wollte eigentlich eher mal davon berichten, dass ich heute erstmals tatsächlich Messungen in diesem Raum vorgenommen habe und ich muss sagen, diesen Raum zu betreten ist durchaus eine interessante Erfahrung. Es ist nämlich für das Ohr des Menschen (oder wen auch immer) sehr ungewohnt, in einer (fast) völlig reflexionsfreien Umgebung zu sein, in der außerdem absolute Stille herrscht. Schließlich haben wir in unserer Umgebung immer auch Geräusche und vor allem auch unzählige Reflexionen dieser. In diesem Raum ist das aber eben nicht der Fall. Wenn man spricht oder sonstwie Töne erzeugt ;), klingt das total trocken. Man hat ständig das Gefühl, Druck auf den Ohren zu haben – so still ist es. Du kannst brüllen wie die Hölle, außerhalb hört es keiner und überhaupt klingt es nicht sonderlich männlich, weil leise. Da merkt man erstmal, wie sehr Reflexionen etwas verstärken. Nun gut – wirklich erklären kann man es nicht, aber es ist echt beeindruckend. Lange möchte man es darin nicht aushalten, so ungewohnt ist das.
Also liebe zukünftige Kunden: wir haben ein ganz modernen RAR, in dem Ihr viele Dinge hochprofessionell machen lassen könnt… nur mal so…

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7 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Davy am 24.02.2006, 00:35 Uhr

    Diese Räume sind echt eine sehr intensive Erfahrung. Durfte selbst mal in so einen Raum rein und ein paar Gesangsaufnahmen machen, war echt interessant und kann deine Erfahrung nur teilen, man fühlt sich doch irgendwie derbst alleine in diesen räumen, so ging es zumindest mir. Ich war froh, als ich da wieder raus war.
    Ein Glück hatte ich die meiste Zeit einen Kopfhörer auf, dann gings so einigermaßen, da da die eigene Stimme + gewissen Effekten wiedergegeben wurde. Das fühlte sich dann wieder normale an :)

  2. Kommentar: Flash am 24.02.2006, 01:00 Uhr

    Ich würde gerne mal einen solchen Raum als Schlafzimmer haben, so vollkommen ohne nächtlichen Lärm. Das muss herrlich sein.
    Was passiert egentlich wenn man da ne Fledermaus aussetzt, die muss doch vollkommen irritiert sein?

  3. Kommentar: 500beine am 24.02.2006, 11:34 Uhr

    „zur stillen nische“..

    (hatte beim lesen die vorstellung, dass die worte, die ich in so einen raum hineinrufe, in meinen mund zurückdrängen)

  4. Kommentar: freakblog am 24.02.2006, 12:42 Uhr

    durch die struktur und das material der absorber an den wänden erreicht man eine anpassung an den feldwellenwiderstand. die parasitären reflexionen können somit fast vollständig gedämpft werden und es können störende interferenzen vermieden werden.

    worauf ich eigentlich hinaus will ist, darauf hinzuweisen dass dieses „trockene klingen“ durch die echoarmut des raumes erreicht wird.

    die dämpfung tritt dabei nicht nur von außen nach innen auf sondern auch von innen nach außen – also eingesperrt möchte ich da nicht sein, denn die hilferufe würde kein mensch hören…

    was habt ihr den in dem RAR gemessen?

  5. Kommentar: Zappelfillip am 24.02.2006, 15:13 Uhr

    So hochgestochen wollte ich es gar nicht erklären, aber Du hast natürlich recht. ;)

    Was wir in dem Raum machen, darüber darf ich natürlich nicht schreiben oder erzählen. Schließlich arbeiten wir für Kunden und da ist Diskretion gefragt und auch angebracht. Ich denke, du verstehst das. :)

  6. Kommentar: freakblog am 24.02.2006, 18:09 Uhr

    ja gut, die diskretion verstehe ich natürlich – ich wollte ja keine details erfahren, sondern nur um welchen bereich es sich da handelt – reine neugier, keine spionage :)

  7. Kommentar: Zappelfillip am 25.02.2006, 12:10 Uhr

    Ach so. Ja also die Arbeitsgruppe, in der ich arbeite, beschäftigt sich mit (verbraucherorientierter) Produktprüfung.

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