Brrrzzzlll

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip10. März 2006, 01:03 Uhr

ängstlichUnd weiter geht’s! Wollen doch mal schauen, ob wir die schlechte Stimmung der letzten Tage hier nicht ein wenig heben können… Also: Was ist das? … Na? … Keiner ’ne Idee? Naja das offensichtlichste ist doch, dass ich das natürlich bin. Okay das wird sicher jeder festgestellt haben. Aber ich versteh’ schon Euer fragendes Gesicht: »Ja mei, ewich weg gewesen und jetzt stellt er so bekloppte Fragen? Da is’ doch was schiefgelaufen«, sagt Ihr Euch. Naja gewissermaßen habt ihr schon recht, aber es geht doch um den Gesichtsausdruck. Und was könnte dieser nun darstellen? … Mensch Leute – Schauspielunterricht habe ich zwar nie genießen können, aber ich find‘ schon, dass es gut gemacht ist. Natürlich ist auf diesem Bild unbändige Furcht, pure nackte Angst in meinen Augen und dem drumherum zu erkennen… oder? … Jaaaa na gut… könnte auch ich beim Kacken sein aber soll wirklich Angst sein… Seid nich’ so pingelig, hab schließlich die Augen zusammengekniffen. Auf dem Abort würden ja wohl bekanntermaßen die Aufäpfel viel mehr aus den Höhlen treten. Ist ja auch gar nicht so einfach, eine dramaturgisch so bedeutsame Pose einzunehmen und gleichzeitig noch sich selbst zu fotografieren…

Aber ist ja jetzt auch egal – das bin jedenfalls ich, wie mir da der Angstschweiß auf der Stirn steht. Das „warum“ ist nun aber noch überhaupt nicht geklärt. Und eigentlich war das mit dem kacken gar nicht mal sooo falsch, denn genauer gesagt befinde ich mich auf diesem Bild gerade auf dem Weg zum Klo. Damit schließt sich dann auch der Kreis zu früheren Zeiten, denn ich war hier ja wohl bekannt für meine Toilettengeschichten… man nannte mich nicht umsonst den Latrinenlaberer. Ältere Leser werden sich sicher noch erinnern, welch amüsante und schmerzhafte Stunden Minuten ich auf der BMW-Toilette (aber nicht nur dort) verbringen durfte (Link 1, 2, 3 und 4). Diese jene neue Geschichte wird aber leider wieder eine der schmerzhafteren werden.

Meine TurnschuheUnd dabei kam es wie folgt: Ich gehöre, jung wie ich bin, der etwas fescheren Generation an, welche Turnschuhe im Alltag trägt. Also keine „wirklichen“ Turnschuhe, denn ich hasse kaum etwas mehr als Sport. Stellt Euch das mal vor… Da würde ja noch dünner werden. Nun jedenfalls haben meine Turnschuhe (ganz in schwarz) aber die unangenehme Eigenschaft, dass die Sohle derselbigen irgendsoein Gummi-Schaumstoff-Gemisch ist. Insoweit nich’ weiter schlimm, denn ich will sie ja weder rauchen noch essen. Aaaaaaber dank des teppichartigen Fußbodenbelags in der Firma, wurde ich bei jedem Schritt aufs Übelste statisch aufgeladen. Unschwer zu erkennen auf dem Bild ist ja auch, dass vorn über der Stirn mir quasi schon die Haare zu Berge stehen. Und die Folge? Kennt jeder! Man traut sich kaum noch, irgendetwas Metallenes zu berühren, weil man sonst jedesmal eine ordentliche gewischt bekommt. Die Entladung und das daraus resultierende Ozon kann man förmlich riechen, während man einen herrlichen Blitz wahrnehmen und ein „brrrzzzzz“ hören kann. Es ist furchtbar! Man läuft nur noch wie Falschgeld und auf den Zehenspitzen durch die Gänge, immer peinlich darauf bedacht jedem Metallteil weiträumig auszuweichen.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Dilemma – zum Teufelskreis, den zu durchbrechen für mich zunächst ein Ding der Unmöglichkeit war. Und es hat mich wirklich schwer getroffen. Nämlich: die Türklinke zur Toilette ist aus Metall!!! Grauenvoll, sach‘ ich Euch! Ich war das Leiden des jungen Werther (Mann bin ich gebildet – und das mit Deutsch Grundkurs) schlechthin. Jede Blasenentleerung habe ich sooo lange versucht hinauszuzögern, bis ich oben schon dicke Backen machen musste, um nicht einzupullern. Und auch die andere Geschichte… na hier das hintenrum Brechen halt habe ich mir echt verkniffen. Aber wenn es dann doch nicht anders ging, bekam ich schon Minuten vorher Schweißausbrüche, mir wurde heiß und kalt, ich fing an zu stottern und mein linkes Augenlid zuckte rhythmisch zum Herzschlag.

geladenUnd dann stand ich minutenlang vor der Toilettentür, immer in der Gewissheit, ich muss die Klinke irgendwann berühren. Schaut Euch nur an, wie rot meine Hand ist. Da kamma die Millionen Elektronen ja förmlich sehen wie sie sich freuen, endlich wieder einen kleinen Blitz machen zu dürfen… Und dann war es soweit. Mein ausgestreckter Zeigefinger näherte sich langsam der ehernen Klinke, jederzeit den Funkenübersprung und zuckenden Schmerz erwartend. Und jedesmal hab ich mich auf’s neue erschrocken. Und dabei, in dieser unglaublich verzweifelten Situation konnte man in meinem Gesicht auch immer diesen verkniffenen Angstausdruck (siehe oben) wahrnehmen. Seither habe ich einige Falten mehr abbekommen. Guckt’s Euch doch an! Ich sehe mittlerweile aus wie Miss Faltenreich persönlich. Ach ich sach Euch, der Horror! Falten und Schmerzen… gibt’s überhaupt was schlimmeres? Naja vielleicht noch Thomas Anders und Grand Prix… da krieg ich nich’ nur Falten sondern auch Mundpups… vom brechen… aber ihr kennt das ja selbst…

So und wie ich dieses Martyrium, diese tägliche Qual, die Angst vorm Stuhlgang überwinden konnte… ja das erzähle ich in der nächsten Folge, wenn es heißt: »A-A ohne Brrrzzzllll« (geiler Cliffhanger, find‘ ich… also nich’ geil im wahrsten Sinne des Wortes, aber gut gemacht. Klasse Tom!)

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  1. Pingback: Öko-Tom « Zappelfillip plaudert… am 11.03.2006, 10:02 Uhr

    […] Nachdem ich kürzlich über meine tagtäglichen Toilettenangst berichtete, erreichten uns tausende Mails von Zuschauern mit Fragen… halt… stimmt was nicht… falscher Film – wir sind ja hier nicht Akte06. Natürlich erhielt ich keine Mail! Offensichtlich lässt man mich gern allein mein Leben leidend ertragen. Aber nichtsdestotrotz möchte ich Euch nun von meiner Erlösung berichten, der Erlösung von dieser unsaglichen Qual […]

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