Öko-Tom

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip11. März 2006, 10:03 Uhr

Nachdem ich kürzlich über meine tagtäglichen Toilettenangst berichtete, erreichten uns tausende Mails von Zuschauern mit Fragen… halt… stimmt was nicht… falscher Film – wir sind ja hier nicht Akte06. Natürlich erhielt ich keine Mail! Offensichtlich lässt man mich gern allein mein Leben leidend ertragen. Aber nichtsdestotrotz möchte ich Euch nun von meiner Erlösung berichten, der Erlösung von dieser unsaglichen Qual 😉

Bekanntermaßen führe ich in meinem Job als Diplomingenieur mit eigenem Türschild (das musste ich nochmal erwähnen ;)) ja Produktprüfungen durch. Nun ist es ja aber so, dass eine statische Aufladung nicht nur für einen selbst kein besonders angenehmer Wegbegleiter ist (wer möchte schon ständig vom Blitz getroffen werden!?), sondern natürlich besteht auch immer die Gefahr, dass die empfindlichen elektronischen Bauteile (die es ja zuhauf in moderner brauner Ware gibt) beschädigt bzw. zerstört werden. Dies weiß natürlich auch mein Arbeitgeber und ist bestrebt, dem Abhilfe zu schaffen, was ich dadurch erfuhr, dass eines Tages mein Kollege T. in meiner Bürotür stand und mich nach meiner Schuhgröße fragte. Zu diesem Zeitpunkt noch leicht verwirrt und überrascht teilte ich ihm natürlich mit, dass ich an meinen Füßen kleine Elbkähne, oder auch Kindersärge, trage. Denn natürlich kann ich bei meiner Größe (>1,90 m) auch mit ordentlich großen Füßen aufwarten. Schließlich muss ich ja auch bei stärkeren Windböen noch einen halbwegs sicheren Stand haben – und da ist bei meinem Fliegengewicht gar nicht so einfach. Nunja – ich teilte ihm also mit, dass ich eine Schuhgröße 46/47 am unteren Ende meines Körpers zu bieten habe. Mit diesem Informationsaustausch war die Sache dann für mich auch erst einmal gegessen.

Birkenstock-SandalenBis zu jenem Tag vor ca. anderthalb Wochen, als eine nette Kollegen von drüben (aus dem anderen Haus) kam und mir einen Karton – offensichtlich ein Schukarton – in die Hände drückte. Was ich darin vorfand, ließ mir allerdings den Atem stocken: Birkenstock-Sandalen! Och nee, oder!? Ich bin nun alles andere als ein Schlappenträger. So Trekkingsandalen gehen ja noch, aber solche Ökodinger. Bin ich Waldorf? Man findet mich auch immer Sommer meist mit Turnschuhen – wenn’s aufgrund übermäßiger Hitze und daraus resultierendem Schwimmbad in meinen Schuhen absolut nicht anders geht auch mal in besagten Trekkingsandalen. Aber das is’ dann schon das höchste meiner Hippiegefühle. Und gerade „Birkenstock“ erinnert ja auch irgendwie immer an eine Frau mit langen, geflochteten Haaren – gehalten durch eine Haarspange aus dem Dritte-Welt-Laden – die, in einen grauen Leinensack gehüllt, im Bioladen an der Ecke einen Wollpulli betrachtet und dabei den Bioladenbesitzer dreimal fragt, ob die auch wirklich nicht von indischen Kindern Unterwasser mundgeklöppelt sind! Also alles in allem würde ich meine erste Freude über die Schuhe nicht gerade als überschwenglich bezeichnen.

Biolatschen am TomfußAber zwischenzeitlich musste bzw. habe ich meine Meinung geändert. Nein ich trage weiterhin keinen grauen Leinensack und auch Tofubratwürste würde ich nicht anrühren, aber schaut selbst! Ich finde, die Schlappen kleiden mich! Sie lassen mich irgendwie eloquent in meiner Arbeitsumgebung wirken. Alles was ich tue wirkt nun so, als hätte ich eine Ahnung davon – und wenn ich nur die Kaffeemaschine bediene. Nun sehe ich aus, wie jeder andere Kollege in der Firma und keiner wird mich mehr für einen Studenten oder Praktikanten halten. Jawoll! Und das Tollste an den Schuhen: Sie verhindern eine statische Aufladung des Trägers. Seht ihr die weißen Punkte an der Sohle im Bereich der Ferse? Das sind Metallstifte, die es auch nochmal im Bereich des Ballens gibt. Diese, und natürlich das Material der Schuhe, verhindern also eine Aufladung. Und die Dinger haben sogar eine Gesundheitssohle – naja wen wundert’s!? 😉 Jedenfalls ist sie sehr fußergonomisch geformt und das kann ja meinen Knick-Spreiz-Senk-Stinker-Füßen ja nicht schaden. Apropos „stinkern“ – damit wären wir auch schon bei einem weiteren Vorteil: es tut meinen Quanten gar nichtmal sooo schlecht, den Tag befreit und an frischer Luft zu verbringen. Denn es wurde schon ein bissl schlimmer, seit ich dank meines Ganztagspraktikums, immerzu geschlossene Schuhe tragen musste. Als Student ist man ja doch irgendwie nicht immerzu in Straßenschuhen, sondern die Mauken können zum größten Teil deheeme auslüften. Dieses Problem ist nun also behoben, was aber bitteschön keinesfalls so zu verstehen ist, dass es nun in meinem Büro nach Schweißfüßen riechen würde. Nein nein nein! Es duftet über und über nach Rosen und Veilchen, schließlich „bverhindere“ ich ja die Schweißfüße.

So und das sollte es auch schon mit meinem kleinen Exkurs in die Welt der Blitze und deren Verhinderung gewesen sein. Zu sagen bleibt noch, dass es ganz schön schwer ist, sich dieses ängstliche Annähern an die Toilettentür wieder abzugewöhnen. Irgendwie rechne ich immer noch mit einem Schlag, obwohl das nun natürlich der Vergangenheit angehört. Wahrscheinlich bin ich auf Toilette in Verbindung mit Schmerz geprägt wie der Pawlowsche Hund auf Futter bei Klingelton. Naja immer noch besser als plötzlich auf dem Klo immer Hunger zu verspüren oder beim Türklingeln Schmerzen von Scmerzen geschüttelt zu werden. 😉

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  1. Kommentar:
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