Gewicht heben

Rubrik:  in eigener Sache  ·  Autor:  Zappelfillip19. März 2006, 02:03 Uhr

WaageNein nein – ich meine nicht Gewichtheben, nicht Muckibude und nicht im Licht von Leuchtstoffröhren glänzende Muskelpacks. Vielmehr rede ich von meinem Gewicht, meiner Körpermasse. Mit dieser kämpfe ich nämlich leider wiedereinmal auf’s Heftigste. :( Und wie ihr euch sicher denken könnt (auf meinen Daily Photos sieht man es ja), nicht im gemeinhin üblichen Sinne. Nein ich habe keinesfalls zu viele Pfunde auf den Rippen. Weder gibt es Brücken, die ich nicht überqueren dürfte, noch muss ich seitlich durch Türen treten. Auch kann ich jeden Tag auf’s Neue alles unterhalb meines Bauchnabels auch ohne Spiegel bewundern. Nein das Gegenteil ist eher der Fall: ich bin – wie man leicht erkennt – das, was man landläufig als… nunja… sehr schlank… dürr… Spargeltarzan oder Bohnenstange bezeichnen könnte. Das war auch schon immer so. Zumindest seit ich als kindlich Jugendlicher ziemlich schnell ziemlich groß wurde. Bereits im Alter von 14 oder vielleicht 15 hatte ich schon fast meine heutige, durchaus stattliche Länge von über 1,90 m erreicht. Nur leider zog die Dimension der Breite nicht in angemessener Geschwindigkeit nach. Und so bin ich nunmal… ganz schön schlank geblieben. Zu Abiturzeiten lag mein Gewicht irgendwo so bei 71-72 kg… schätzungsweise. Naja und dann kam die Armeezeit in Franken, genauer in Volkach bei Würzburg. Dort war ich bei den Pionieren. Und tatsächlich nahm ich in diesem einen Jahr zu – nur wenig aber immerhin etwas. Dies war allerdings nur möglich, weil ich einen Innendienstposten hatte und das GeZi nur zum Essen im Mannschaftsheim verließ. Außerdem entwickelte ich im Laufe der Zeit einige bemerkenswerte Kniffe und Tricks, die es mir ermöglichten, mich immer wieder erfolgreich vor Übungen draußen zu drücken. Dies verhinderte natürlich auch ein übermäßiges Kalorienverbrennen. ;) Beim Ausscheiden aus der Bundeswehr lag mein Gewicht dann irgendwo knapp unter 75 kg.

Studentenwohnheim Haus BDirekt im Anschluss begann ich mein Studium in Ilmenau und mit dieser Zeit begann das Elend. Lasst’s Euch sagen: Nicht nur Frauen können Essstörungen haben. Leider! Ich hab’s am eigenen Leib erfahren. Nicht bewusst und kaum einer hat daran gedacht oder gar davon geredet. Aber so rückblickend muss man es wohl doch so nennen. Natürlich habe ich mir nie einen Finger in den Hals gesteckt und hatte auch in keinster Weise ein verfälschtes Körperbewusstsein, dass ich dachte zu dick zu sein… um Gottes Willen nein! Es begann einfach damit, dass ich immer unregelmäßiger aß. Und nicht nur das: typisch Student bin ich auch zu sehr unregelmäßigen Zeiten ins Bett gegangen bzw. aufgestanden. An einem Tag vielleicht vor Mitternacht, am nächsten Tag erst nach 3 und entsprechend dann auch die Aufstehzeiten. Das Internet wurde populärer und man verbrachte mit seinen Kumpels immer mehr Zeit vor den eigenen Rechnern im Studentenwohnheim – es gibt vielfältige Gründe. Essen wurde einfach vergessen oder das Hungergefühl verdrängt, weil man noch was Interessanteres zu tun hatte und irgendwann war der Hunger dann auch übergangen. Das zog sich über einige Jahre hin und endete darin, dass ich irgendwann keinen Hunger mehr kannte. Es kam vor, dass ich an manchen Tagen ersten abends das erste zu mir nahm (Frühstück kannte ich sowieso schon jahrelang nicht mehr). Und das dann oftmals auch nur deshalb, weil mir mein Verstand sagte, ich müsste mal langsam etwas essen – nicht weil mir der Magen geknurrt hätte. Doch halt! Dies ist falsch ausgedrückt, denn mein knurrender Magen – und das meine ich im wörtlichen Sinne – war irgendwann das einzige Zeichen, dass mein Körper nach Nahrung verlangt. Kein Hungergefühl, kein Appetit – nur ein rumpelnder und gluckernder Magen, der offensichtlich schon anfing, sich selbst zu verdauen.

Tja und es ist eine Qual, essen zu müssen, wenn man eigentlich keinen Hunger hat. Mir war es manchmal richtig schlecht und es kostete nicht nur einmal Überwindung. Und in den seltenen Momenten, in denen ich doch mal hungrig war, war es meist so, dass ich zwar einiges geschafft habe zu verdrücken aber dann von einem Moment auf den anderen pappsatt war. So satt, dass ich beim besten Willen den letzten Bissen nicht mehr geschafft habe, auch wenn es nur noch einer zum Leeren des Teller war. Erschwerend kommt hinzu, dass ich leider auch das ganze Gegenteil eines Frustessers bin. Im Gegenteil: wenn es mir seelisch eher nicht so toll geht oder ich im Stress bin (z. B. vor Prüfungen), dann kann ich zusätzlich noch weniger bis gar nichts essen. Es ist wirklich erstaunlich. Bin ich gedanklich/psychisch mit etwas beschäftigt, merkt mein Körper einfach nicht mehr, wann ihm die Reserven ausgehen und verlangt folglich keinen Nachschub in Form von Nahrung.

Nun möchte ich zur Beruhigung sagen, dass ich tatsächlich nie aussah, wie die schlimm Bulimiekranken oder Magersüchtigen, die man so aus dem Fernsehen kennt. Nur Haut und Knochen war es dann doch nie. Aber nichtsdestotrotz habe ich in den schlechtesten Zeiten nur 68 kg gewogen. Und das ist bei 1,93 m schon deutlichuntergewichtig. Das Problem war nur: es gab für mich keinen schnellen Ausweg. Mal eben einfach so von einem Tag auf den anderen viel mehr Essen war nicht drin. Ich hätte es nicht runterbekommen. Es musste einfach eine Regelmäßigkeit in die Essgewohnheiten einkehren und so nach und nach dann auch wieder größere Portionen. Aber auch das war leichter gesagt als getan. Ich selbst habe das alles nie als so schlimm angesehen und somit fehlte also schon gewissermaßen die Einsicht, etwas ändern zu wollen. Und so lebte ich weiter mein von Unregelmäßigkeit und fehlender Konstanz geprägtes Leben.

Es wurde erst anders, als ich hier in München im September letzten Jahres mein Praktikum bei BMW begann. Damals hatte ich lediglich die besagten 68 kg auf den Rippen. Nun war ich aber gezwungen, jeden Morgen zur gleichen Zeit aufzustehen – deutlich früher als ich es bis dahin gewohnt war – und ging jeden Tag zum Mittagessen in die Kantine. Und plötzlich, nach einiger Zeit, stellte sich wieder ein Hungergefühl ein. Mein Körper gewöhnte sich an die Regelmäßigkeit der Ereignisse und langsam bekam ich dann auch bereits vormittags ein kleines Hüngerchen, so dass durchaus an ein Frühstück zu denken war. Und ebenso langsam ging es dann mit meinem Gewicht auch wieder aufwärts. Innerhalb des halben Jahres von September 2005 bis Februar 2006 nahm ich kontinuierlich an Gewicht zu und stand zuletzt bei 75 kg – vielleicht sogar mal ein paar Gramm mehr. So schwer war ich in meinem Leben noch nie! Und vor allem fiel es auch anderen Menschen auf. Immer öfter hörte ich, dass ich ein bissl runderes Gesicht bekommen und nicht mehr so eingefallene, schmale Wangen hätte. Und ich muss sagen, ich war schon ziemlich stolz und vor allem wurde ein gewisser Ehrgeiz geweckt. Denn zweifelsohne sieht etwas mehr auf den Rippen in meinem Fall besser aus als zu wenig. Daher wundert es auch nicht, dass ich an jedem Wochenende gespannt war, auf die Waage in Erfurt zu steigen und zu schauen, ob es wieder etwas mehr geworden ist. Und tatsächlich: sogar nackisch wog ich irgendwann meine 75 kg – geil!!!

Nun ist aber ein Zeitpunkt gekommen an dem ich merke, wieder ganz schön rudern und mit mir kämpfen zu müssen, nicht in alte Gewohnheiten zu verfallen. Sicher, die Regelmäßigkeit ist durch mein Berufsleben weiterhin gegeben. Jeden Morgen esse ich meine Butterbrez‘n und mittags auch in der Kantine. Aber das Ahmbrot macht mir ein wenig zu schaffen. Ich bin jemand, der nur seeeehr ungern alleine isst. Klingt blöd – is’ aber so! So ist es irgendwie immer nur das gleiche und ich kaue bestenfalls lieb- und lustlos auf meiner Brotscheibe. Ich mag Gesellschaft! Es schmeckt mir nur dann wirklich und ich empfinde es auch nur dann als etwas Angenehmes, wenn ich jemandem »Guten Appetit« wünschen kann. Und so habe ich mich in den letzten Wochen schon wieder desöfteren erwischt, dass ich erst kurz vor Mitternacht etwas gegessen habe, weil ich das Ahmbrot wieder nur vor mir hergeschoben habe. Und das ist wieder genau so wie „früher“. Da hab’ ich absolut keinen Bock drauf. Ich meine, wenn ich genügend essen würde, wär’s ja kein Thema. Aber nur um das Gewissen zu beruhigen schnell vorm Zähneputzen noch eine oder zwei kalte Wiener reinschieben, ist doch kein ausreichendes Abendmahl. Erst recht, wenn man bedenkt, dass mich die Mittagsportionen meist geraaaade mal so satt machen oder aber eben auch nicht ganz. So und nun habe ich Bammel wieder abzunehmen. Ich glaube, ich nehme zu wenige Kalorien zu mir. Dabei habe ich mir so mühselig die paar Kilo angefuttert… wollte doch endlich mal eine Hosenweite größer bei Jeans kaufen. Ich brauch‘ unbedingt eine Waage hier in München, dass ich sehen kann, wie’s um mich bestellt ist. In einem Anflug von Panik habe ich mich gestern sogar mit allerlei Naschwerk eingedeckt – dabei bin ich eigentlich gar nicht so ein Süßer. Ich hab’s nich’ so mit Schuklade.

Naschwerk

Jedenfalls möchte ich hiermit einen „Guten Appetit“-Dienst ins Leben rufen. Ich bitte euch – nein ich fordere euch geradezu auf, mir zukünftig bitte jeden Abend so gegen halb oder um 7 ein freundliches und appetitanregendes »Maaaahlzeit« engegenzuschmettern. Dies dient mir dann gleichzeitig als Essenserinnerung. Ihr könnt euch ja gern abwechseln. Mittlerweile sollte ich hoffentlich genügend Leser haben, so dass jeder nur alle 2-3 Wochen mal an der Reihe ist, oder!? ;) Schreibt einfach ’ne Mail (siehe Impressum) oder ICQ geht auch (79461535) oder Jutastraße 11 in München, falls mir jemand persönlich in den Hintern treten will. Der kann dann auch gleich mitessen. Ich kann Nudeln kochen… und die wohl nach Aussage einer Dame mit perfektem Salzgehalt… und Spiegelei… mit und ohne Salz… aber nur, wenn ich grad Eier da hab‘… momentan leider nicht… ach und Pudding kann ich auch… hab’ Milch heut‘ gekauft… und ein Single-Kochbuch hab’ ich auch… irgendwo hier… :D

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8 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: kat am 19.03.2006, 11:20 Uhr

    Ich schreibe dir gerne ein fröhliches „Guten Appetit“ morgens, mittags und abends, wenn du mir dafür ein „Jetzt bist du aber satt“ schickst :cry:
    Da läge dann eher so mein Problem.
    Falls du übrigens keine Schokolade magst, versuch dich doch lieber an Chips oder anderen Blätterteig-haltigen oder frittierten Sachen. Herzhaft und Kalorienreich…leider.
    Vorallem, wenn man nach zuviel herzhaft eher Lust auf was Süßes bekommt und davon Lust auf was herzhaftes….. :oops:

  2. Kommentar: kat am 19.03.2006, 12:22 Uhr

    Ach ja, halb eins! Mittagessenszeit – auch am Wochenende
    GUTEN APPETIT!!!!

  3. Kommentar: Zappelfillip am 19.03.2006, 12:36 Uhr

    Hihi Jawoooooooollll!!! Genau das meine ich! Wundervoll! *LinsensuppeWarmMach*

    Das hat jetzt tatsächlich bewirkt, die Suppe aus dem Kühlschrank zu holen und meine Mikrowelle anzuwerfen. Dabei hatte ich schon vor ‚ner halben Stunde Hunger. Ich muss an mir arbeiten. Aber vielen Dank dir.

    Und wann soll/darf ich dich jetzt beim Essen bremsen? ;)
    Vielleicht sollten wir einen Essensermahnungswebring gründen, wo man sich gegenseitig zum Essen animiert oder eben auch die Sättigung einredet :D

  4. Kommentar: kat am 19.03.2006, 20:32 Uhr

    Ui schon spät!
    Abendessen! Guten Appetit!
    Ich war gerade bei meiner Nachbarin im Restaurant und hatte gaaaanz tolle gebratene Pepperoni, Skordalia und Pommes mit Metaxasauce.
    Meine Kollegin wird sich freuen….Knoblauch ohne Ende :-)

  5. Kommentar: Zappelfillip am 19.03.2006, 20:47 Uhr

    Ich knappere gerade Tortillachips. Leider ohne Dip, denn den habe ich vergessen zu kaufen. Aber Ahmbrot könnte ich auch langsam essen, da hast du natürlich recht. Also los geht’s…

  6. Pingback: Blogwiese » Öhm, Butter am Stiel? am 20.03.2006, 20:01 Uhr

    […] Eigentlich wollte ich Tom nur bei seiner Gewichtszunahme unterstützen und in halt dran erinnern mal was zu essen. Ich also mir seine ICQ-Nummer in meinen Trillian geladen und drauf gewartet bis er online kam. Dann den Schlachtruf “Maaaahlzeit” gerufen geschrieben und statt sich übers Wetter, Arbeit oder vielleicht das bloggen zu unterhalten, schrieben wir uns 2 Stunden lang (bisschen übertrieben, aba nur ein kleines bisschen) über Butter. Ja über Butter und das in den unmöglichsten Varianten. […]

  7. Pingback: Ahmbrot « Zappelfillip plaudert… am 20.03.2006, 20:13 Uhr

    […] So – ich möchte mich zuallerst einmal bei all den ehrenamtlichen Helfern bedanken, deren Zahl mit jedem Tag wächst und die mich mittlerweile nicht nur abends an die Zeit des Essens erinnern. Nein sogar zur Mittagszeit bekomme ich schon nette E-Mails mit einem freudig und fröhlich gerufenen »Maaaaahlzeit!« geschickt. Glücklicherweise ist das Mittag nicht so das Problem, da wir einfach alle Mann Punkt 12 in die Kantine zum Essenfassen wandern. Heute hatte ich übrigens Hackbraten (nein den Wortgag spare ich mir an dieser Stelle) mit Möhren- und Erbsengemüsedingsbums. Als Sättigungsbeilage (geiles Ostwort, wie ich finde) dienten so’ne Art Krokettendinger, nur eben nicht in Krokettenform… damit also auch keine Kroketten. Egal… […]

  8. Kommentar: E* am 4.08.2006, 13:37 Uhr

    sitze hier gerade an meinem arbeitsplatz und habe eben „kein appetit“ gegoogelt…dachte eher es würden sich medizinische seiten öffnen aber die hier scheint mir auch sehr interessant…

    mich plagt übrigens das selbe phänomen….null hungergefühl…!

    habe mich auch schon deshalb ärtzlich untersuchen lassen und man kam auf den befund ich hätte diesen Heliobakter blablabla, naja nach bestimmter medikamenteneinnahme sollte er eigentlich nicht mehr in meinem Magen sein aber es scheint mir fast als wäre er mir geblieben. oh mein gott chronisch kein appetit zu haben wäre das ende für mich…aber vielleicht könntest du dir helfen lassen…kenn da ne gute adresse….bei bedarf!!

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