Klugscheißerei

Rubrik:  Angemerkt  ·  Autor:  Zappelfillip30. März 2006, 22:03 Uhr

Ist es ein Fluch oder Segen, bei/mit/unter einer Deutschlehrerin aufgewachsen zu sein? Ich meine, es hat natürlich einige Vorteile. So muss ich beispielsweise beim Schreiben nicht lange überlegen, ob es nun das oder dass/daß heißt. Kommasetzung ist nicht unbedingt ein Graus für mich. Meist setze ich sie instinktiv zumindest halbwegs richtig. Genauso ist bei mir der Dativ nicht zwangsläufig dem Genitiv sein Tod (übrigens heißt es „der Tod“ aber „Er ist tot“ – nur so…) – was nicht heißen soll, dass es mir nicht auch passiert. Aber irgendwie merke ich es in den meisten Fällen dann doch noch. Am meisten geprägt hat mich allerdings der Kram mit dem als und wo. Ersteres verwendet man ja im zeitlichen Sinne, wohingegen „wo“ den Ort beschreibt. Gerade aber in meiner Heimatgegend ist es absolut verbreitet, fast ausschließlich wo zu verwenden. Also anstatt zu sagen »Kannst du dich noch erinnern, als wir damals zusammen beim Abi-Abschlussball waren?« fragt man bei uns ganz oft »Kannst du dich noch erinnern, wo wir damals zusammen beim Abi-Abschlussball waren?«. Natürlich ist die zweite Version nicht grundsätzlich falsch. Aber sie fragt tatsächlich nach dem Ort – so als könne der Fragende sich nicht mehr erinnern und möchte eine Antwort, ob es nun in der Schule oder im Gemeindesaal war. Bei uns wäre aber gemeint, ob der Gefragte sich überhaupt noch daran erinnert, dass man zusammen beim Ball war. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Naja jedenfalls ist mir und Brüderchen dieser Fehler auch durchaus recht häufig passiert – also wo und als verwechselt. Allerdings drang bei jedem Mal irgendwo aus der großen Wohnung eine Erwachsenenstimme an unser Ohr, die uns sofort mit einem einfachen aber eindringlich gerufenen »Aaaaaaals!« verbesserte. Tja und so war auch dieser „Sprachfehler“ irgendwann behoben. Ich glaube, heute passiert mir das nicht mehr.

So und nun kommen wir aber zu den Nachteilen. So wie man etwas zuhause lernt, trägt man es anschließend auch in die Schule. Das heißt im Klartext: ich wurde ein Klugscheißer – natürlich ohne mir dessen bewusst zu sein oder es gar böse gemeint zu haben. Aber recht häufig (ich vermeide „ständig“) habe ich alle Kumpels um mich herum verbessert, wenn sie sich ebenfalls diesen Fehler erlaubten. Nun gut – weniger Freunde hatte ich dadurch nicht, aber man war nicht immer erfreut über meine Klugscheißerei 😉
Ein weiteres Überbleibsel ist das Wörtchen tun. Wenn ich höre, dass jemand dieses als Hilfsverb gebraucht (»Ich tu’ das mal wegbringen«), schmerzen meine Ohren und ich zucke unweigerlich ein wenig zusammen. Das finde ich wirklich ganz grauenvoll und es klingt so furchtbar unrund… Es gibt doch in der Psychologie bestimmt auch ein Fachwort für Klugscheißerei… los Frau Diplompsychologin mit Sondermegaschein für Suchttherapie – Fachwissen her!

Da fehlt ein „z“Und ähnlich zusammengezuckt bin ich vor ein paar Tagen, als ich nach meinen E-Mails bei Web.de geschaut habe und mich anschließend abmeldete. Man gelangt auf eine Seite, die immer ein großes Werbebanner zeigt. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Produkt von Dell angepriesen. Und da stach es mir wieder ins Auge: ein FEEEEEEEHLER. Es ist mir schleierhaft, wie soetwas passieren kann. Nein quatsch! Natürlich kann so etwas passieren – ich fabriziere selbst oft genug Tippfehler hier. Aber wenn ich etwas Offizielles schreiben würde, was an einen mir Fremden gehen soll, lese ich es doch zweimal durch oder lasse es ggf. sogar von einem Dritten gegenlesen – erst recht gilt dieses in der Geschäftswelt. Das Korrekturlesen ist bei uns auf Arbeit zum Glück sogar Pflicht bei Briefen und Berichten an Kunden. Naja und in Sachen Werbung finde ich nicht weniger wichtig. Denn für wie gewissenhaft halten mich als Firma die Leute (potentielle Kunden), wenn ich nichtmal meine Werbung fehlerfrei halten kann? Auch wenn ich es nicht wollte, ich finde es peinlich und es läßt das Ansehen der Firma bei mir eher sinken als steigen.

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  1. Kommentar:
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