Die IKEA-Frage

Rubrik:  in eigener Sache  ·  Autor:  Zappelfillip9. April 2006, 20:04 Uhr

Wohnst Du noch oder lebst Du schon?

Tja bislang wohne ich leider nur in München. „Leben“ kann man es eigentlich noch nicht wirklich nennen. München ist der Ort meiner Arbeit aber irgendwie noch nicht mein Zuhause. Wo ist das dann aber? Ehrlich gesagt, wüsste ich darauf keine befriedigende Antwort. In meinem Leben gab es bisher einige Orte, die ich zur jeweiligen Zeit als mein Zuhause bezeichnet hätte oder habe. Da ist zum einen natürlich Rudolstadt – der Ort, an dem ich aufwuchs. Andererseits habe ich viele Jahre in Weimar und zuletzt auch in Erfurt verbracht und beide waren mein Zuhause. Im Gegensatz dazu sah ich in Ilmenau nie mehr als einen Studienort, an dem ich natürlich ebenso viele Wochen und Jahre verbracht habe aber kaum ein Wochenende. Es war halt doch nur ein zweckgebundener Aufenthalt – nicht ohne Spaß aber eben ohne ein Zuhausegefühl.

Als ich im Spätsommer letzten Jahres nach München kam, hatte ich es mir eigentlich ein wenig einfacher vorgestellt, hier Fuß zu fassen. Klar – man stellt sich vieles immer besser oder schöner vor, als es letztenendes eintritt, aber trotzdem… ›München ist eine Weltstadt, hier gibt es viel mehr Möglichkeiten, Dinge zu sehen oder zu erleben und überhaupt ist hier alles anders‹, so dachte ich. Das mag auch durchaus sein, nur muss man dies alles – ebenso wie an allen anderen Orten – auch erst finden. Und jeder, der irgendwann in seinem Leben mal (alleine) in eine fremde Stadt gezogen ist, kann sicher bestätigen, dass sich dies alles andere als leicht darstellt – zumindest wahrscheinlich in den allermeisten Fällen.

Ich selbst würde mich nicht gerade als kontaktunfreudig bezeichnen, aber dennoch bin ich niemand, der irgendwohin geht – sei es die Kneipe um die Ecke oder eine Disco – und dort ohne weiteres andere Menschen anquatscht. Sicherlich, zu Schulzeiten oder im Studium war es kein Problem, Leute kennenzulernen oder/und darunter Freunde zu finden. Damals waren alle um einen herum etwa im gleichen Alter, man hatte zwangsläufig ähnliche Interessen und ein Austausch ließ sich damit gar nicht vermeiden. Ein bisschen anders sieht es nun aus, zum Arbeiten in eine fremde Stadt zu kommen. Keine Frage, ich kann mir was das Berufsleben angeht, keine besseren Kollegen vorstellen, aber jeder von ihnen hat Familie, sein eigenes Leben und sie sind vor allem auch älter als ich. Damit fallen einige grundlegende Dinge weg und auf privater Ebene findet hier kein Austausch statt, was für die Arbeit vielleicht auch nicht immer das Schlechteste sein mag.

Eigentlich war das auch nie ein Problem für mich. Ich habe halt hier in München gewohnt und gearbeitet, war recht spät zuhause, hab’ noch ein wenig im Internet gesurft und dann war der Tag auch schon vorbei. Und am Wochenende war ich immer anderweitig beschäftigt. So ging die Zeit rum. Aber auf Dauer ist das natürlich kein befriedigender Zustand. Erst recht, wenn wie bei mir nun, München nicht mehr nur Arbeitsort, sondern eigentlich Lebensmittelpunkt ist. Aber es ist wirklich nicht so einfach, Anschluss an das Leben in der Großstadt, den Fuß in die Tür zu bekommen. Und meine lange Arbeitszeit ist der Kontaktsuche auch nicht unbedingt förderlich. Immer spät zuhause, müde und eigentlich keine so rechte Lust, noch große Dinge zu reißen. Aber spätestens am Wochenende, wenn man auf einmal Zeit hat und nicht den ganzen Tag abgelenkt ist, merkt man dann doch, dass man allein ist. Klar sagt nun der ein oder andere »Geh raus unter Leute und mach‘ was«. Durchaus richtig! Aber erstens war ich in den letzten Wochen doch noch nicht so recht in der Stimmung und zweitens ist es halt gar nicht so ganz leicht, sich aufzuraffen und allein wegzugehen. Ein Teufelskreis ;) Als ich herkam, hab ich mir München ganz toll vorgestellt, aber allein macht alles auch wirklich nur halb so viel Spaß. Kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte mal bis gestern allein im Kino war. Muss sehr lange her sein. Ich konnte es mir bislang eigentlich nie so recht vorstellen, schließlich hatte ich fast überall Freunde, aber jetzt verstehe ich schon Menschen, die sich in einer Großstadt unter Millionen Menschen einsam fühlen. Gerade alte Menschen haben darunter wahrscheinlich ganz schön zu leiden. Und so ein Wochenende kann auch ganz schön lang sein. Momentan bin ich wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, die sich freuen, dass bald Montag ist und man wieder was zu tun hat. :roll:

Mir ist schon klar, dass einige mich wohl nicht so recht verstehen werden. Ich weiß, dass es Typen gibt, denen diese Dinge sicherlich sehr leicht fallen. Und ich kenne Menschen, die hierher kamen und sehr schnell ihr Zuhause mit neuen Freunden fanden. Dazu gehöre ich wohl leider nicht. Mag sein, dass sich die ein oder andere Frau aus meinem Leben darüber freut, es ihnen möglicherweise auch eine gewisse Genugtuung ist und vielleicht habe ich es auch nicht anders verdient, aber das Gute ist: Es kann nur besser werden… ;)

Die „Lizard Lounge“ in MünchenÜbrigens, auch um der Melancholie hier mal wieder ein wenig Einhalt zu gebieten: am Freitag war ich das erste Mal seit laaaangem – eigentlich seit Ende meiner BMW-Zeit – mit meinem alten Praktikantenkollegen WWU unterwegs. Dabei war auch die neue Praktikantin, welche quasi meine Nachfolgerin in der Abteilung ist. Alle 3 nicht die besten Münchner Kenner sind wir durch die Stadt geirrt, auf der Suche nach einer angenehmen Location. Gar nicht so einfach, da Freitag Abend alles hoffnungslos überlaufen scheint. Eingekehrt sind wir dann in der „Lizard Lounge“ in der Corneliusstraße. Winzig kleine Bar und irgendwie auch ziemlich alternativ. Gibt eigentlich keine Tische und nur Hocker. So sitzen da alle auf einen Haufen. Getrunken habe ich eine Pina Colada zu einem stolzen Stückpreis von 8,20 € – Halte Fresse! Und das ist nicht etwa der Literpreis sondern man kriegt nur ein stinknormales Cocktailglas voll. Meine letzte Pina Colada habe ich übrigens vor einem guten Jahr live in der Caribik genossen – und die war im All-Inclusive-Preis enthalten. Und dank Ohne-Alkohol-Wunsch konnte ich in der dortigen Wärme auch gleich etliche davon trinken. Die waren ja mal sowas von lecker. Naja die hier war eher nicht so der Hub. Sehr viel Alkohol (was einige sicher toll finden), weshalb ich eigentlich weder Ananas noch Kokos geschmeckt habe. Dafür war ich aber sehr schnell ziemlich angeheitert, was wiederrum der Stimmung nicht unbedingt hinderlich war. Also war es trotz langer Suche in der Kälte doch noch ein netter Abend.

Eis mit ErdbeersoßeUnd als Krönung durfte ich dann auch feststellen, dass McDonalds (zumindest vorübergehend) für ihre Eistüten wieder die Erdbeersoße eingeführt hat. Leeeeeecker! Die beste Frucht-Eis-Kombination ever! Solch ein Eis und einen Kaffee – gibt nix besseres! Kann man nämlich das Eis auf dem Löffel dann auch so herrlich in den warmen Kaffee tunken und dann, leicht angeschmolzen, schlürfen. Ich meine es gibt sowieso kein besseres als das Eis von McDonalds. Seit es einen in Saalfeld (Nachbarstadt von Rudolstadt) kurz nach der Wende gab, war ich bestimmt hundertmal des nächtens mit Freunden und Freundin dort und habe dieses Dessert genossen. Irgendwann wurde diese Soße dann aber abgeschafft. Hoffentlich behält McDonalds es jetzt etwas länger im Portfolio. Heute habe ich nämlich gleich noch eins genossen. Und ich könnte schon wieder… ;)

Diesen Artikel bookmarken:

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Furl
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Spurl
  • Bloglines
  • Google Bookmarks

4 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: WeisswurstUni am 10.04.2006, 07:14 Uhr

    Ich gebe zu, dass ich mir bei meiner samstäglichen Einkaufstour auch noch mal eins gekauft habe. Und das geile: Bei Häagen Dasz (oder wie das heißt) war eine riesige Schlange und da kostet die KUGEL, richtig, nicht das ganze Eis, 2,30€. Ich hab einen Euro bezahlt und irgendwie die Leute in der Schlange ausgelacht, so innerlich zumindest!

  2. Kommentar: rosy am 10.04.2006, 08:38 Uhr

    hilfreich beim fußfassen: new-in-town
    da gibts ganz viele leute mit dem gleichen problem…

  3. Kommentar: Zappelfillip am 10.04.2006, 20:01 Uhr

    Stimmt *stirnklatsch* Du hast recht – danke für den Tip. Vom Namen her kenne ich die Seite schon ewig. Aber jetzt wo ich sie erstmals nutzen könnte, bin ich nicht drauf gekommen. :roll:

  4. Kommentar: Paul am 12.10.2007, 10:02 Uhr

    Von new-in-town gibt es auch ein Blog.

Kommentar schreiben:

 Vorschau 

powered by Wordpress
 Anmelden