Ich hasse die Deutsche Post

Rubrik:  Angemerkt  ·  Autor:  Zappelfillip16. Mai 2006, 01:05 Uhr

Und ein bissl auch mich! Es ist zum Verzweifeln! Seit Wochen versuche ich, endlich ein neues Konto bei einer Direktbank zu eröffnen, aber der gelbe Riese und meine eigene Dusseligkeit wissen dies immer und immer wieder zu verhindern. Ich hatte mich ja nach einigem Überlegen und Abwägen entschieden, von der Deutschen Bank (seit ich 14 bin, war ich dort) zur DKB zu wechseln, um Kontoführungsgebühren zu sparen und weitere leckere Vorzüge zu genießen. Also habe ich mich per Internet an die Bank meiner Wahl gewandt und um Zusendung der erforderlichen Unterlagen gebeten. Das hat noch wunderbar funktioniert und ein Brief traf innerhalb weniger Tage bei mir hier in München ein. Ausgefüllt waren die Formulare ja fix, aber wie geht’s nun weiter? Zunächst muss ich mich als Person der Bank gegenüber identifizieren. Ja klar, schon logisch – sonst könnte ja jeder oberbayrische Xaver Bimbelhuber kommen, behaupten, er wäre der berühmte Tom Köhler, auf dessen Namen online ein Konto eröffnen und anschließend bei Ebay gefälschte Schweinshaxn nach Amerika verkaufen. Und ich kriege dann den Ärger, weil die Dinger nach alten Lederhosen schmecken. Naja wundert mich nicht – wer weiß schon, was mit abgetragenen Oktoberfestklamotten passiert… Um dies zu verhindern, kann bzw. muss man bei der Post das PostIdent-Verfahren nutzen, um sich gegenüber der zukünftigen Bank eindeutig zu identifizieren. Das ist natürlich aber nur notwendig, wenn man bei einer Direktbank ansässig werden will. Bei Filialbanken gestaltet sich das Ganze freilich einfacher: Tür auf, Anliegen vortragen, Ohr vom Berater hinterm Schreibtisch abkauen lassen, Kontoeröffnung unterschreiben, Sense!

Nun gut – mich hat dieser minimale Mehraufwand allerdings nicht geschreckt und so beschloss ich am 3. Mai, mit den zugesandten Unterlagen die Post in der Nähe meiner Wohnung (im weiteren Post 1 genannt) aufzusuchen. Natürlich musste ich an diesem Tag wieder etwas länger arbeiten und schaffte es so erst 18:39 Uhr vor der Post zu stehen. Es blieb leider bei dem Stehen, denn eine geschlossene Tür beendete meinen forschen Schritt. Die Filiale bzw. deren Mitarbeiter stellten bereits 18:30 Uhr ihren Dienst ein. Mist – 9 Minuten zu spät! ›Naja, nicht so schlimm‹, dachte ich mir, ›flitzte morgen einfach in $Arbeitsort in der Mittagspause zur Post.‹ (im weiteren Post 2 genannt). Gesagt, getan! Kantinenmittag reingeschlungen, zum Auto gehechtet und flugs zur Post 2 gefahren, Parkplatz mit etwas Glück gefunden und die letzten Meter zu Fuß zurückgelegt. Leicht außer Atem erreichte ich mein Ziel. Was ich jedoch vorfand, ließ ihn mir schlagartig stocken:

Wegen Betriebsversammlung bleibt unsere Filiale am 4. Mai geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis!

»Och nööö!«, ich stöhnte leise auf. Frustriert und den ersten Hauch von Verzweiflung spürend, lehnte ich mich mit dem Kopf an das Glas der Schiebetür, welche sich weiterhin partout weigerte, Sesam-öffne-dich-artig zur Seite zu swuschen. »Leute! Das geht ja wohl gar nich‘! Kann doch nicht Euer Ernst sein, oder!? Bin ich hier der Pophans? Demonstriert ihr etwa, um die 38-h-Woche zu verhindern? Ich hab’ auch noch was anderes zu tun…«. Angesäuert und mit hängenden Schultern trat ich unverrichteter Dinge den Weg zurück zur Arbeit an. Wenigstens hatte ich meine Marke, einen ordentlichen Stirnfettfleck mitten auf der Scheibe hinterlassen. Dass ich mich so lediglich an der Putzfrau Raumpflegerin gerächt hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt egal. Hauptsache eine reingedrückt.

Auf dem Weg zurück zum Auto begann ich mich zu wundern, warum das kleine Mädchen auf der anderen Straßenseite vor Lachen fast ihr Eis fallen ließ und mit dem Finger – ja, dem nackten Zeigefinger – auf mich deutete. Meise oder was? ›Guck Du Dich an mit deinem bescheuerten Pünktchenkleid‹, dachte ich nur. Als die Mutter, durch ihre Göre aufmerksam gemacht, ebenfalls herüberblickte, konnte ich auch auf ihrem Gesicht ein deutliches Grinsen erkennen. Ich erinnerte mich, dass mein Brüderchen in solchen Fällen den Anstarrenden gerne entgegen rief:

»Was‘ los? Hab’ ich Scheiße am Kinn?«

Meine Lippen wollten gerade ein großes „W“ formen, als mir der erste Laut schlagartig im Halse stecken blieb. Ein älteres Ehepaar, das mir auf meinem Weg entgegenkam, fing plötzlich ebenfalls an zu tuscheln. Natürlich erst recht spät – sie waren schon fast an mir vorbei – denn wie man sich denken kann, waren ihre Augen scheinbar nicht mehr die Besten. Aber auch sie fanden, den geeigneten Abstand erreicht, irgendetwas furchtbar belustigendes an mir. Ich wurde nervös. Das Blut schoss mir in den Kopf und ich konnte die Hitze meiner Rübe spüren. Die Ader an meinem Hals fing an zu pochen und mein Puls beschleunigte schneller als der Honda mit Rückenwind und Heimweh. Solche Momente sind mir immer unglaublich peinlich. Ich stehe schon ganz gern mal im Mittelpunkt – jedoch wenn, dann von mir ausgehend und nicht unwissend als Belustigung anderer. Zumindest nicht, solange ich dadurch nicht bei „Vorsicht Kamera!“ lande… aber auch dann eigentlich nicht.

Ich beschleunigte meinen Schritt. Irgendwann, möglichst schnell musste doch mein Auto erreichen. In all der Panik hatte ich vergessen, wo genau ich parkte. So ein Kack! Dabei hatte ich es doch eigentlich gerade erst abgestellt. Mein Selbstvertrauen und -bewusstsein schmolzen dahin. Nur noch wie in Trance bemerkte ich, dass immer mehr Menschen – angestachelt und aufmerksam gemacht von anderen Passanten – meine Nähe suchten, um einen Blick auf mich zu erhaschen. Halbstarke Jungs, vielleicht 13 oder 14 drehten mit ihren Fahrrädern mittlerweile Kreise um mich, eine Frau – etwas jünger als ich – verschluckte sich fast an ihrer Butterbrezel bei meinem Anblick.

›Verdammt nochma‘! Was is’ hier nur los?‹

Ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Hatte ich wirklich AA am Kinn? Kann doch nicht sein. Ich hab’ doch eine feine Nase. In der rechten Hosentasche nestelte ich nach meinem Taschentuch. ›Oh Gott, ein neues Tempo könntest Du dann auch mal nehmen!‹, dachte ich noch. Das Ding war schon mehr zerfleddert als Nachbars Feinripp-Unterhemd beim Grillabend. Vollends verunsichert, wischte ich mir übers Kinn. Nichts! Ich begann noch mehr zu schwitzen. Glücklicherweise war ich nun, auch dank meines schnellen Schrittes, endlich am Auto angekommen. Panisch und mit zittrigen Händen öffnete ich die Fahrertür. Nur mit Mühe konnte ich auch einsteigen, denn zwischenzeitlich zog ich eine beträchtliche Traube Menschen jeden Alters hinter mir hier. In jeder anderen Situation wäre ich mir wohl wie ein Popstar, ein König oder Tut-Ench-Amun vorgekommen, aber so…

Ich zog die Fahrertür hinter mir zu. Nun waren es andere Menschen, die an meinen Scheiben Fettabdrücke von Stirnen und dreckigen Händen hinterließen. Ich sah nur noch eine Chance der Aufklärung: der Innenspiegel. Verstört und mit den Nerven am Ende, drehte ich ihn in eine Position, sodass ich mich selbst erkennen konnte… es traf mich wie ein Schlag! Ich wollte vor Scham nur noch im Boden versinken. Da dies leider nicht ging, versank ich immer tiefer in meinem Sitz. Es half nichts! Die Menschen draußen feixten und lachten sich einen ab, dass es nur so eine wahre Freude war. In einer letzten Kraftanstrengung startete ich den Motor, drückte einmal kräftig auf die Hupe… nichts!

›Ach kacke – die ist ja schon seit Monaten kaputt!‹

Also blieb mir nichts anderes übrig, als vorsichtig anzufahren – in der Hoffnung, der dicke, vollbärtige Mann im Hawaii-Hemd auf meiner Motorhaube würde bei ausreichend Fahrt von allein herunterfallen. Soweit kam es jedoch nicht. Kaum hatte ich mein feuerrotes Spielmobil (meinen Honda) in Bewegung gesetzt, sprang er erschrocken herunter und riss dabei fast meinen Außenspiegel ab. Idiot! Der Weg war frei. Mit quietschenden Reifen entronn ich dieser unfassbar peinlichen Situation.

Aber was war geschehen? So einfach, wie peinlich: Als ich mich voller Wut und Verzweiflung mit meiner Stirn gegen die Glastür der Postfiliale lehnte, bemerkte ich nicht, dass sich jenes vermaledeite Schild mit der Ankündigung der Betriebsversammlung zwischen mir und dem Glas befand. Ich dachte, es hätte von innen daran geklebt. Aber so war es nicht. Die cleveren Postmitarbeiter hatten es fein säuberlich von außen an die Tür gebabbt. Un das war mein Verhängnis. Ich sage nicht mehr dazu, als dass die rote Tinte, mit der das Schild gedruckt wurde, wohl nicht wasserfest war. Somit war nicht ich derjenige, der eine Marke an der Tür hinterließ, sondern diese auf meiner Stirn in Form von leuchtend roten, spiegelverkehrten Lettern! Die Rache der Raumpflegerin, scheint es! Das Leben ist grausam und schrecklich gemein. Auf dem Weg zur Arbeit musste ich leise weinen. Zum Glück hatte ich noch mein treues Taschentuch…

Fortsetzung folgt! Mein Konto ist noch nicht eröffnet…

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