Kopfsieb

Rubrik:  Angemerkt  ·  Autor:  Zappelfillip21. Mai 2006, 16:05 Uhr

Wenn es eine Sache gibt, für die ich in meinem näheren Umfeld berühmt, um nicht zu sagen berüchtigt bin, dann ist es meine unglaubliche Vergesslichkeit. Nichts kann ich mir merken! Wenn ich Samstag Abend im Kino war, muss ich montags schon überlegen, über welchen Film ich eigentlich auf Arbeit oder Freunden erzählen wollte. Einen Einkaufszettel zu schreiben ist bei mir ein hoffnungsloses Unterfangen – den würde ich nur auf dem Küchentisch liegen lassen. Besser ist, ich halte während des Kauflandbummels ständig eine Klopapierinnenhülse in der Hand oder an einer Kette um den Hals gehängt, die mich erinnert, auch ja neues Hinternreinigungsutensil der Marke „Popoweich, 3-lagig, chlorfrei gebleicht“ mitzunehmen.
Immer wieder werde ich von Menschen in meiner Umgebung überrascht, wenn sie einen Satz mit »Weißt Du noch…« beginnen. Für gewöhnlich folgt darauf nämlich eine Geschichte – mehr oder weniger gut dargeboten – die in mir ein großes Befremden auslöst, weil völlig neu. Es lässt mich immer wieder erstaunen, welch tolle, traurige, unterhaltsame, kurzweilige, langweilige oder überaschende Dinge mir in meinem Leben so alles widerfahren. Also wenn man sie mir quasi später wieder erzählt… Ich meine, solche Situationen kennt sicher jeder, schließlich gibt es einfach Momente und Erlebnisse, die das eigene Hirn als zu unwichtig für eine aktive Speicherung ansieht – ob zu recht oder nicht sei dahingestellt – aber zumindest erinnert man sich ja dann doch spätestens dann, wenn man es wieder erzählt bekommt. Leider überhaupt nicht bei mir! Und das ist das Problem: Mir könnte jeder irgendwas erzählen, was ich früher liebreizendes oder böses und unanständiges getan habe – ich wüsste nie, ob es tatsächlich wohl so war. Das ist natürlich in vielen Fällen recht lustig und der Erzählende und ich können herzlich darüber lachen, aber manchmal finde ich es schon traurig. Nämlich zum Beispiel dann, wenn ich vergesse, was ich alles in einem Urlaub erlebt habe. Das Leben wird dann eigentlich erstaunlich leer. Manchmal habe ich das Gefühl, in einigem Abstand hinter mir folgt ein schwarzer Vorhang durch mein ganzes Leben. Vielleicht nicht tiefschwarz und auch nicht völlig blickdicht aber doch schon unangenehm schwer.

Jedoch gibt es von jeder Ausnahme eine Regel… äääh andersrum… von jeder Regel eine Ausnahme. Was ich mir sehr gut merke sind Zahlen, z.B. Telefonnummern, PINs etc. Es kommt auch nach sehr langer Zeit ziemlich häufig vor, dass mir eine nicht immer sehr kurze Zahlenkolonne in den Kopf schießt, von der ich weiß, dass es sie gab oder gibt, ich jedoch dann länger überlegen muss, wo ich sie einorden soll. Vor kurzem beispielsweise spukte auf einmal die Folge ›nullsiehmfümfsiehmsiehm siehmachtfümfacht‹* durch mein Hirn. Den Rest des Tages war ich dann damit beschäftigt, nach dem Ursprung der Zahl in meiner Erinnerung zu forschen. Offensichtlich eine Telefonnummer – aber von wem? Glücklicherweise ist es mir dann eingefallen. Es war die Telefonnummer meiner allerallerallerersten Freundin vor knapp hundert Jahren. Genauer gesagt, war es die Nummer, die sie und ihre Eltern hatten, als sie aus meiner Heimatstadt Richtung Westen wegzog. Danach ging das sehr schnell in die Brüche, weshalb ich diese Nummer nur sehr selten anrief. Trotzdem wohl eingebrannt. Naja und so ist es ähnlich mit allen Telefonnummern – ich kenne noch fast alle alten, mit denen ich mal irgendetwas zu tun hatte. Einziges Manko sind nur die heutigen umfangreichen Nummernspeicher in Handys. Denn tatsächlich ertappe ich mich, dass ich sie mir so langsam nicht mehr ohne weiteres merke, da ich nur noch auf den Speicher im Handy zurückgreife. Schlecht!

Wie ich diese Zahlen im Kopf behalte, unterliegt übrigens keiner Regel. Also es ist nicht so, dass ich alle Nummern in einzelnen Ziffern oder in „Zweierpäckchen“ zerlegt abspeichere. Die oben genannte war nun zufällig eine, die nur in einzelnen Zahlen gespeichert ist aber oftmals mische ich das, beispielsweise die Vorwahl einzeln und den Rest als Doppelpäckchen. So und dann merke ich mir eben nicht die Zahl an sich sondern es wird die Aussprache, die Melodie hinterlegt. Also ich sehe beim Aufsagen nicht die Zahl vor dem inneren Auge und zähle sie dann auf, sondern ich spreche einen Klang bzw. eben die „Zahlenmelodie“ und leite daraus die Ziffern ab. Ich hoffe, mein Gefasel ist ein wenig verständlich… Naja schade eigentlich, dass die Welt nicht nur aus Zahlen besteht… es sei denn, die Matrix ist Realität… Ich glaub‘ ich nehm die blaue Pille…

Apropos blaue Pille (hat jetzt gar nix mit dem Thema hier zu tun): dieses Bild war in einer Spammail der letzten Tage. Das erste Mal, dass ich über so eine Mail lachen konnte.

Die blaue Pille

* Nummer von der Redaktion geändert

Diesen Artikel bookmarken:

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Furl
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Spurl
  • Bloglines
  • Google Bookmarks

ein Kommentar    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Brüderchen am 22.05.2006, 00:07 Uhr

    Das wir mal eine ganze Torte gegessen haben sollen war mir auch neu ;)

Kommentar schreiben:

 Vorschau 

powered by Wordpress
 Anmelden