Rückwärts rein

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip23. Mai 2006, 13:05 Uhr

NikolaushausWer wie ich in einer Großstadt wohnt, dabei jeden Tag mit dem Auto den Weg zur Arbeit antritt und gleichzeitig bei eklatanter Parkplatznot keinen festen Stellplatz zur Verfügung hat, lernt zwangsläufig einige grundlegende Dinge ziemlich schnell. Auf jeden Fall mal eine effiziente Route durch das eigene Wohngebiet, um in möglichst kurzer Zeit sehr viele potentielle Parkplatzplätze (jaja doppelt gemoppelt) abzugrasen. Zu beachten ist dabei, ja keine Seitenstraße doppelt zu fahren, schließlich ist Redundanz in diesem Fall eher sinnlos und man möchte ja dem Gegner – also anderen Autofahrern – keinen möglicherweise freien Parkplatz in der nächsten Straße überlassen. Eine solche Route habe ich für mich gefunden. Dabei hat sich für quasi eine geöffnete 8 als Optimum herausgestellt. Ist ein bisschen wie „ich-mal‘-ein-Haus-vom-Nikolaus“, also das Zeichnen eines stilisierten Häuschens mit nur einem Strich (ohne Absetzen). Kennt jeder! Ich biege jedenfalls am Platz der Freiheit in die Jutastraße ein, fahre diese bis zum Ende, lasse dabei meinen luchsartigen Blick gleichzeitig rechts und links entlang der parkenden Autos schweifen, jede noch so kleine Lücke dabei auf Parkplatzfähigkeit scannend um dann am Ende der Jutastraße rechts… naja egal… ich werde hier ja nicht meine geilen Tricks verraten. Wäre ich ja schön blöd. Dann zeigt ihr mir alle nen Vogel und schnappt mir die schönen Plätze weg… Also man lernt jedenfalls die effiziente Parkplatzsuche.

Das ist aber nicht alles. Weiter bzw. richtig los geht’s ja erst, nachdem man eine geeignete Autolücke gefunden hat. Zuerst einmal muss man sie wahrscheinlich vehement mindestens mittels gesetztem Blinker, wahrscheinlich aber noch unterstützt durch einen bösen Blick via Rückspiegel gegen den auf den Fersen folgenden anderen Autofahrer verteidigen, der natürlich ähnlich verzweifelt wie man selbst auf der Suche ist. Auch eine leichte drohende Geste mit der Faust kann hilfreich sein. Notfalls durch’s leicht geöffnete Seitenfenster ein entrüstetes »Ejeeeeee – geh weg!« rufen. Muss aber schon männlich klingen… ein wenig… Nur wenn’s der Goldkettchen-Kalle in seinem alten Cadillac ist, wäre ich etwas vorsichtiger. Der hat’s nich’ so mit Diskussionen mündlicher Art. Aber mit seiner Riesenschüssel passt der eh nicht in normale Parklücken…

Hat man dann sein Fleckchen erfolgreich erobert, beginnt zwangsläufig der eigentliche Einparkvorgang, „Rangur“ genannt. Und da sind wir auch schon beim nächsten schnell Erernten. Ich war natürlich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, schon immer ein phantastischer Einparker – keine Frage. Hab’ das ja auch schon des öfteren erwähnt… muss auch immermal wieder betont werden… damit ich’s nich’ vergesse… Mittlerweile parke ich aber sogar in Lücken erfolgreich ohne andere Autos zu beschädigen ein, die rein physisch kleiner sind als mein Honda. Klingt unmöglich, is’ aber so… quasi Hexerei… Dummerweise hat dieses aber bewirkt, dass ich jetzt leichte Probleme habe, in normalgroße bis riesige Parklücken – eigentlich geeignet für Sattelzüge und Reisebusse – in einem Zug einzuparken. Bescheuert! Aber am Wochenende war ich mal wieder daheeme und entdeckte bei Ankunft am Samstag voller Freude eine Lücke direkt vor dem elterlichen Haus. Herrlich weitläufig, fast die Größe der „Queen Mary II“ (nein nicht die hierdas Ding meine ich!) und durchaus geeignet, ein zweites Tatschmahall hinzubauen… leider hammer aber kein Geld mehr dafür… der Börsencrash, ihr wisst schon… egal…

Da ich mich strikt weigere, ein Vorwärtseinparker zu sein, begann ich also frohgemut mit dem obligatorischen Rückwärtseinparken. Dieser Versuch endete leider mit 2 verbleibenden Rädern auf der Straße einerseits und einem hochrotem Kopf andererseits. Ich stand viel zu weit draußen! Ein kurzer, leicht verängstigter Blick nach unten beruhigte mich aber sofort wieder ein wenig. Mir waren noch keine Brüste gewachsen – das konnte es also nicht sei! Puuuuh… Erbärmlich war es allemal, sag‘ ich Euch. Lernst Du das eine, verlernste gleichzeitig das andere. Um mir weitere Scham zu ersparen, beschloss ich, im Blumenkübel vor der Hofeinfahrt einzuparken – der ist so herrlich klein. Nein Quatsch! Nach einem weiteren Versuch inklusive einiger Vorwärts- und Rückwärs-Rangierer stand ich dann doch erfolgreich und in bester Fahrschulmanier in der Megalücke… leider nicht ohne gleichzeitig ein wenig Amüsement für meine Familie gewesen zu sein, die dieses Spektakel bereits vom Fenster aus genoss. Zu spät! Noch einmal zog ich meinen BH zurecht (ich glaub, ich bin allergisch auf den verdammten Verschluss), entstieg mit einem schnippischen Kopfschwung meinem Wagen und stöckelte Richtung Haustür. Zum Trost ein Gläschen Prosecco getrunken. Stößchen!

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