Rechenknecht

Rubrik:  Erhascht  ·  Autor:  Zappelfillip1. Juni 2006, 21:06 Uhr

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Keine Frage, der Kerl hat’s ja wohl sowas von drauf. Ganz großes Kino! Und ich Pfeife muss beim Einkaufen immer auf volle Euro aufrunden, um im Kopf halbwegs den Überblick behalten zu können, wieviel die nette Dame an der Kasse von mir haben will. Naja aber dafür ist der Kamerad bestimmt Sklave seiner Sinne. Is‘ den ganzen Tag nur am Rechnen. Nicht nur den Wert des Einkaufes, sondern bei Erreichen des Kassenbereichs hatter wahrscheinlich sofort das Körpervolumen der Kassierin berechnet und die Wurzel aus der Körbchengröße gezogen, um daraus anschließend mittels komplizierter Winkelfunktionen den Attraktivitätsindex zu ermitteln. Leider verhält sich seine Chance auf ein Lächeln aber wohl eher umgekehrt proportional dazu.

Das ginge bei mir irgendwie schneller… oder anders… Zum Beispiel so: Wenn ich zur Kasse komme, natürlich ohne Wagen – ich hab ja nie‘n Euro – bin ich kaum noch in der Lage, den ganzen Kram zu halten. In der rechten Hand eine Packung Milch, den linken Arm angewinkelt und überlastet mit vielerlei Kleinkram: Dosen-Mandarinen, Stück Butter, 2 Schokostrudel, eine große französische Salami, ’ne Packung Wiener, guten Born-Ketchup und Tampons… äääh Tempos. In der Hand noch ’ne Fanta, sodass der Arm vor Schwere kurz vorm Abfaulen ist. Während ich Richtung Kasse eile – langsam kann ich schon nicht mehr machen, denn der Kram wird immer schwerer – zieht mich einerseits das Gewicht immer weiter in einen gebückten Gang, andererseits rutscht das Zeug immer mehr aus seiner ursprünglich stabilen Lage. Ab diesem Zeitpunkt kostet es meine volle Konzentration, alles halbwegs auf der „Armablage“ zu halten und sicher zur Kasse zu gelangen. Kaum erreicht, fällt mir siedendheiß ein, dass ich ja noch Zahnpasta wollte und die neue „Gala“ hab’ ich auch vergessen. ›Och neeee – verdammisch nochema‘!‹, verfluche ich mich mit wilden Wutgedanken selbst. Aber nun isses zu spät, der Kram schon auf dem Band und nochmal tue ich mir den Balanceakt nicht an.

Während ich weiterhin hochkonzentriert nach meinem Portemonnaie fische, merke ich, den überschlagenen Preis für den Einkauf vergessen zu haben. Mist! Das ist aber heute wieder nicht mein Tag! Also nochma’ von vorn. In einer Schlange hat man ja Zeit… ›3 plus 2 plus 2 plus 1 plus 2…‹, zählt mein gemartetes Hirn im Schneckentempo. Ich komme auf irgendwas um die 11 Euro… rund… Noch immer vollkommen vertieft in meine Kopfrechnerei, dringt eine weibliche Stimme an mein Ohr:

»siehmdrei‘nsechzich bidde«

»Hä? Wer? Ich?«

Ui da hab ich doch glatt verpasst, dass all meine Artikel bereits über den Scanner gezogen wurden. Ein wenig verstört über den in meinen Augen zu niedrigen Preis krame ich im Münzfach herum und suche das Geld passend heraus.
Die nächste Aufgabe ist ein erneuter Kraftakt, denn schließlich will mein neu erworbenes Gut auch noch sicher nach Hause gebracht werden. Noch immer über den Preis grübelnd verlasse ich „meinen“ HL-Markt – ohne zu merken, dass… dass ich die französische Baguettesalami liegengelassen habe, der Puddingdeckel ein Loch hat, die Wiener schon abgelaufen und die vermeintlichen Taschentücher doch Tampons sind. Na Klasse! Das Leben ist hart! Zu allem Überfluss hatte ich nichtmal Augen für die unheimlich süße neue Kassiererin, nebenjobbende Studentin. Witzig, intelligent, große… äääh leuchtende Augen und ein umwerfendes Lächeln. Der Zettel mit ihrer Handynummer liegt immernoch unter meiner Baguettesalami an der Kasse – da wo sie ihn heimlich hingeschoben und ich ihn liegengelassen habe. Hab’s noch nichtmal mitbekommen… Das Leben ist eines der härtesten – besonders meins!

Hinweis an mich: vor nächsten Einkauf Wagenchip besorgen und Taschenrechner mitnehmen. Nicht dass diese düstere Geschichte noch wahr wird. ;)

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ein Kommentar    ·    hier schreiben
  1. Trackback: Moserer.de am 2.06.2006, 14:20 Uhr

    Intelligenzverfall

    Die ganze Nation redet immer von „Pisastudie“, Vorsprung durch Wissen, Standort Deutschland, „Unser Kapital ist die Jungend“, die „Denkernation“…ich denke das ist alles PillePalle.
    In der Pisastudie haben wir versagt, die deutsche Jugend ist, …

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