Mir fällt keine Überschrift ein…

Rubrik:  in eigener Sache  ·  Autor:  Zappelfillip26. Juni 2006, 01:06 Uhr

Vorbemerkung

Dieser Artikel ist unglaublich lang geworden. Soweit möchte ich Euch schonmal warnen, bevor ihr auf „WEITERLESEN…“ klickt. Das sollte also wirklich nur derjenige tun, der wirklich an mir und daran interessiert ist, warum es so still geworden ist. Allen anderen wünsche ich eine gute Weiterreise:


Na gut, nachdem es mittlerweile einige Nachfragen gab, will ich doch mal mit ein paar wenigen (naja wohl eher nicht) Sätzen erklären, warum hier in letzter Zeit so wenig passiert und „the one and only Zappelfillip“ (Zitat Chrigu :roll: ) nix mehr schreibt.

Fußball-Fieber? Nein nicht wirklich! Schaue mir zwar mittlerweile das ein oder andere Spiel – vornehmlich mit deutscher Beteiligung – an, aber von riesiger Begeisterung kann man nicht wirklich sprechen. Erst recht nachdem ich eben das ViertelAchtelfinal-Spiel Portugal gegen Niederlande gesehen habe. Was für ein unfaires Theater! Kam mir vor wie auf dem Pausenhof der Rütli-Hauptschule. Naja, nach der WM falle ich eh glücklicherweise wieder in meine angestammte Fußball-Lethargie mit einhergehendem chronischen Desinteresse.

Frisch verliebt war eine weitere Mutmaßung. Ääähm nunja… nein… ja… vielleicht… ich weiß es nicht… Kann man sich innerhalb von einer oder vielleicht zwei Sekunden verlieben? Länger habe ich sie nicht sehen können. Aber was ich sah, hat mich absolut sprachlos gemacht. Ich war erschrocken und in einer gewissen Art auch schockiert. Damit hatte ich nicht gerechnet. Das Herz schlug mir schlagartig bis zum Hals. Ich spürte den Puls hämmern und mein Gesicht wurde glühend heiß. Und im nächsten Moment rutschte mein Herzchen mindestens hinab bis zu den Knien, so dass diese anfingen weich zu werden. Sie sah so unglaublich schön aus! Ich kann zwar nicht gerade sagen, dass mir ein Lächeln entgegenflog, aber in ihren Augen habe ich so unendlich viel wiedererkannt… mehr als dass sie mir fremd gewesen wären. Nein sie lächelte nicht! Aber als sie mir durch die Scheibe der U-Bahn winkte und vom etwas tiefer gelegenen Bahnsteig zu mir aufschaute, biss sie sich die ganze Zeit – eben diese ein oder zwei Sekunden – auf die Unterlippe. Und ich kenne es! In diesem Moment war sie genauso nervös und aufgeregt wie ich. Dafür muss ich geschaut haben wie ein Auto. Habe nur ein tonloses »Hi!« herausbekommen. Mehr war auch gar nicht nötig – eine dicke Scheibe war schließlich zwischen uns. Ich erinnere mich, dass ich für den Bruchteil einer Sekunde überlegte, noch einmal auszusteigen, bevor die U-Bahn ihre Türen schließt und den Bahnhof verlässt. Unsicherheit und Angst hinderten mich aber wahrscheinlich daran… und die weichen Knie… Ich weiß nur noch, dass ich in einer anfahrenden Bahn saß. Einen Platz fand ich sofort und nervös schaute ich noch einmal aus dem Fenster zurück auf den Bahnsteig, der an mir immer schneller vorbeizog, bevor es in den Tunnel ging. Gesehen habe ich sie nicht nochmal… Es war ein sehr kurzer, wenn auch intensiver Moment…

Nun gut, aber auch das ist nicht der Grund, warum ich momentan einfach nicht mehr schreiben kann – zumindest nicht der alleinige Grund. Genausowenig spielt mein in nicht einmal einer Woche anstehender 30. Geburtstag eine Rolle. Es macht mir tatsächlich nichts aus. Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Komischerweise hatte ich viel mehr an meinem 26. zu knabbern. Fragt mich nicht warum, es ist ein total unrunder Geburtstag, aber trotzdem hatte ich damals schlagartig das Gefühl, nun „alt“ zu sein. Davor und auch danach war es mir wieder egal, wie alt ich wurde.

Als ich vor etwa einem knappen Jahr mit dem Bloggen begann, war es ein einziger Spaß. Ich begann mit dem Schreiben und merkte schnell, dass ich einerseits ein gewisses Talent zu haben schien – es ging wie von selbst – und mir andererseits eine gewisse Befriedigung gab und Freude bereitete. Es war eben eine sehr angenehme Nebenbeschäftigung. Immerhin hatte ich als Noch-Student ausreichend Zeit und auch als Praktikant bei BMW war ich chronisch unterfordert oder zumindest unausgelastet. Also nutzte ich diese Zeit, um mehrmals täglich meine Gedanken – und diese können durchaus sehr kompliziert, lustig, verworren bei mir sein – und Erlebnisse der mehr oder weniger interessierten Blogleserwelt mitzuteilen. Die Besucherzahlen wuchsen stetig und das nach meiner Ansicht relativ schnell. Dann begann ich meinen Job Mitte Februar dieses Jahres, der bewirkte, dass meine Zeit zum Bloggen auf ein Minimum schrumpfte. Tagsüber war natürlich kein Schreiben mehr möglich. Und wer hier etwas regelmäßiger mitliest, hat wahrscheinlich mitbekommen, dass meine Arbeitszeit nicht unbedingt einer 40 Stunden-Woche entspricht. Ich will es auch gar nicht weiter ausdehnen, wieso und warum. Das heißt aber auch, dass ich in den allermeisten Fällen erst abends zuhause bin und die einzige Zeit zum Bloggen danach liegt – bevor ich ins Bett gehe. Nach der Arbeit von 10, 12 und mehr Stunden saß ich also noch vor meinem Rechner und habe Artikel geschrieben. Während ich aber vorher über den Tag verteilt viele kleine spritzige, bestenfalls witzige, Beiträge zu allem möglichen schreiben konnte, so blieb mir letztendlich nur noch dieses bisschen Zeit vor dem Schlafengehen. Und dann entstand meistens nur ein Beitrag. Ich weiß nicht wirklich warum, aber meine Artikel wurden immer länger. Es fiel mir zunehmend schwerer, kurz, heftig und prägnant zu schreiben. Ich glaube, es war mein eigener Anspruch. Je erfolgreicher (sprich bekannter) mein Blog wurde, umso mehr spürte ich den Druck in mir, außergewöhnlich gut zu schreiben. Ich wollte der (vermuteten) Erwartung der Leute gerecht werden, dass sie hier kurzweilige und überwiegend lustige Unterhaltung in einem außergewöhnlichen Schreibstil (Und ich glaube, dass ich den habe. Ob jeder damit etwas anfangen kann, ist eine andere Frage) finden würden. Diese beiden Entwicklungen – die mir zur Verfügung stehende Zeit und ein gewisser Zwang zur Perfektion – stehen sich aber nun einmal vollkommen konträr gegenüber. Wenn man 10 und mehr Stunden gearbeitet hat (nicht unbedingt körperlich anstrengend aber doch kopftechnisch herausfordernd – gerade als Berufseinsteiger), es das Leben vielleicht auch gerade nicht unbedingt so toll mit einem meint, außer dass man nicht der Arbeitslosigkeit ausgesetzt ist, und man sich dann abends noch mehrere Stunden hinsetzt und versucht, witzig und unterhaltsam zu sein, funktioniert das irgendwann nicht mehr. Hinzu kommt noch, dass man anfängt, sich Dinge aus den Fingern zu saugen, denn wo sollen die blogbaren Erlebnisse und Gedanken herkommen? Und spätestens dann ist es kein Spaß und keine wirkliche Freude, kein Hobby mehr – dann ist es ein Nebenjob! Ein unbezahlter!

Diese Arbeit kann man sich dann eigentlich nur noch machen, wenn man auch einen gewissen „virtuellen“ Gegenwert dafür erhält. Und was ist dieser Wert im Normalfall für einen Blogger? Richtig! Aufmerksamkeit, Anerkennung oder einfach nur Kommentare. Der ein oder andere intellektuelle Blogger mag jetzt sicher aufschreien und darauf pochen, dass ihm das alles vollkommen egal ist und er eigentlich nur für sich, die Kunst und bestenfalls Mutti schreibt. Und trotzdem behaupte ich, dass 90% der Blogger in der „Szene“ bekannt werden wollen. Sie wollen von der Blogosphäre anerkannt, gelesen, zitiert und verlinkt werden – man möchte ein MC Winkel sein oder wenn einem der Typus nicht passt, dann ein Spreeblick oder ein Udo Vetter.

Naja jedenfalls kam bei mir nun irgendwann der Punkt, als der Gegenwert – eben die gefühlte Anerkennung der Arbeit – nach meiner Auffassung in keinster Weise mehr im Verhältnis zur investierten Energie stand. Stundenlang den Kopf zermartert, getippt, verbessert und veröffentlicht und doch begannen die Besucherzahlen zu sinken. Kommentiert wurde ebenfalls immer weniger, und wenn waren es die immer gleichen vier oder fünf Leute, die noch dazu entweder mit mir verwandt oder befreundet sind. Diese Aussage soll ihre Kommentare natürlich in keinster Weise zurücksetzen – sie wissen schon, wie ich es meine. Ich meine, ich muss mich da ja selbst an die Nase fassen. Die Liste der von mir gelesenen Blogs hat unglaubliche 118 Einträge und ich kommentiere in keinem von ihnen. Insofern kann ich mich nur zu gut in die Lage der Leser versetzen. Man schmunzelt, liest interessiert, man lacht auch mal laut auf, aber eigentlich hat man doch nicht wirklich was dazu zu sagen. Ich nehme mich da also gar nicht aus. Für den Schreiber ist es aber auf Dauer einfach unglaublich demotivierend, wenn einfach nichts zurückkommt. Lieber schlechtes als gar kein Feedback. So ist es einfach so, als singt man als Künstler auf einer großen Bühne in einem noch viel größeren Stadion – aber keiner außer einem selbst und vielleicht 5 Leute ist da. Nein – das ist eigentlich nicht korrekt. Eigentlich spielt man einem gefüllten Stadion, alle hören zu, aber bis auf ein paar Leute herrscht Totenstille. Kein Jubel, keine Buh-Rufe. Einfach nur Stille. Macht keinen Spaß.

Naja gut man hat ja noch die Zahlen der täglichen Besucher – klar! Aber auch die begannen zu sinken. Und das hat endgültig den Funken Blogenthusiasmus erlöschen lassen. Denn dies – und da wird mir wohl keiner widersprechen wollen – ist ein eindeutiger Indikator für die eigene Schreibqualität. Wenn Leute kommen, lesen uns es nicht für wiederbesuchenswert halten, hat man für die Masse einfach nicht gut geschrieben. Und das musste ich auch einfach mal einsehen. Ich glaube auch gar nicht mal, dass ich plötzlich ein schlechter Schreiber geworden bin – es ist einfach die Gesamtsituation (das wollte ich schon immermal schreiben ;) ). Fehlender Einfallsreichtum wegen fehlender Abwechslung im Leben und viel zu lange Artikel. Die Leute begannen, sich darüber zu beschweren, dass sie schon oft gar nicht mehr lesen würden, weil meine Beiträge so lang geworden wären. Das glaube ich natürlich auch, aber so wirklich ändern kann ich es nicht. Was ich sonst in vielen kleinen Artikeln in die Welt kommunizeren konnte, kann ich nicht plötzlich in einem ebenso kurzen tun, ohne dass da totaler Murks rauskommt. Dann liest es auch keiner mehr. Ein Teufelskreis ;) Aber möglicherweise steht mir da auch ein vererbter Zwang zum Perfektionismus im Weg – auch wenn ich in den allermeisten Dingen des Alltags alles andere als perfektionistisch bin. Jedenfalls macht mir im Moment das Schreiben überhaupt keinen Spaß mehr. Für jeden Artikel brauchte ich viel zu lange. Ich begann, sie immer mehrfach zu lesen und das ist meiner Meinung nach tödlich für gute Texte. Man ändert zu viel kaputt. Am besten schreibe ich, wenn es hintereinanderweg geht und ich gar nicht groß nachdenken muss. Und dann auch gar nicht noch einmal lesen sondern raus damit. So wie ich es mit diesem hier tue. Scheiß auf Tippfehler, doppelte Wörter oder drei Sätze hintereinander, die mit „Ich…“ beginnen. Nachdem ich aber nun schon einmal großspurig und theatralisch eine Blogschließung angekündigt und doch nicht lang durchgezogen habe, wollte und werde ich das natürlich nicht noch einmal tun. Einfach erst einmal nix mehr schreiben. Irgendwann wird es mich wieder überkommen… oder auch nicht. Wer weiß das schon! Vielleicht wenn die Ideen wieder aus mir heraussprudeln, wenn ich mit mir wieder im Reinen bin und doch wieder eher für mich schreiben will als für andere – wenn ich nicht mehr unbedingt gut sein muss, witzig und originell, sondern einfach nur Tom, der gerade anfängt, das Bloggen für sich zu entdecken…

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12 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Martin am 26.06.2006, 06:30 Uhr

    Erst mal muß ich dir Recht geben: Blogger brauchen Feedback. Wenn man wirklich längere Zeit keine Kommentare erhält, demotiviert das schon ganz schön.

    Also gönn dir einfach mal die Auszeit :). Vielleicht kommt die Motivation dann ja wieder …

  2. Kommentar: Andi am 26.06.2006, 07:35 Uhr

    Werde zwar deine G’schichten vermissen. Trotzdem: Mach einfach mal eine (kurze) Pause. :?

  3. Kommentar: Bodenseepeter am 26.06.2006, 08:44 Uhr

    Zwei augenzwinkernde Vorschläge: In der Kürze liegt die Würze. Und: Sex sells. Und ein Lob für deinen Meta-Artikel, den ich vielleicht mit „Fisching for Comments“ überschrieben hätte.
    Gruß, Peter

  4. Kommentar: Jule am 26.06.2006, 15:10 Uhr

    Ich hab dich gerade erst entdeckt und finde es schade, dass erstmal nichts neues kommen soll.
    Bleibst trotzdem in meinen Favouriten – und ich schau ab und an mal vorbei.

    Grüße aus Lüneburg

  5. Kommentar: Flash am 26.06.2006, 16:05 Uhr

    Da steckt viel Wahres über das harte Bloggerleben drin, auch wenn ich vielleicht nicht ganz bei der Wichtigkeit von Kommentaren und Leserzahlen übereinstimme. Aber du schreibst ja selber, dass dir der Spass fehlt und dann macht es sicher keinen Sinn sich immer einen Text herauszuquetschen um die Leser glücklich zu machen. Also genieß lieber den Sommer als vorm Rechner zu verzweifeln.
    Vielleicht ergeben sich mit der Wohnungssuche bzw. mit den neuen Nachbarn neue Informationen welche du ncht für dich behalten kannst.

  6. Kommentar: Iceman am 26.06.2006, 16:26 Uhr

    HI, less gerne deine Artikel, wenn auch ohne Kommentar. Gönn dir ne Auszeit, werd auf jdenfall ab und zu mal wieder rainschau‘n. Hatt spaß gemacht ;)

  7. Kommentar: Holg am 26.06.2006, 17:00 Uhr

    Mein liebster Exilthüringer wird abstinent?
    Geht ja garnicht.
    Marsch zurück ins Boot!

  8. Kommentar: rick am 26.06.2006, 19:34 Uhr

    Ja, ich als einer der Befreundeten, kann mich absolut in seine Lage hineinversetzen.
    Ich mußte den Beitrag auch mit einer Träne im Auge lesen. Verstehe es aber voll und ganz.

    Also Kopf hoch!

    Grüße Rick :|

  9. Kommentar: Florian am 26.06.2006, 21:52 Uhr

    war das nicht ein achtelfinale?

  10. Kommentar: Florian am 26.06.2006, 22:48 Uhr

    Da muss ich dir auch recht geben, wenn man mit viel Aufwand eine Webseite / Blog /Forum was auch immer betreibt und dann keine oder nur sehr wenige Rückmeldungen erhält, ist das schon sehr frustierend.
    Mach doch eine kleine Pause, und schon bald wird dir das bloggen fehlen und du machst weiter.

    Und ja, es war ein Achtelfinale ;)

  11. Kommentar: kat am 27.06.2006, 11:59 Uhr

    Schade, aber verständlich. Nach einem langem Tag auch noch zwanghaft lustig sein müssen, macht keinen Spaß. Alles Gute, Tom, und vergiss mir das Essen nicht!

  12. Kommentar: Flocke am 28.06.2006, 01:03 Uhr

    Du hast das mal wieder prima erkannt. Kommentare sind des bloggers Lohn und insofern bekenne ich mich schuldig. Deine Texte sind wirklich oft zu lang und Dein Perfektionismus…damit stehst Du Dir wirklich nur alleine im Wege.

    Mach ne Pause, sie sei Dir gegönnt, und dann kommste mit lustigen, fetzigen und kürzeren Artikel zurück. Und zum Thema Rechtschreibung mach Dir mal gar keinen Kopp, wir machen alle Fehler. Die machen uns menschlich. Und das ist gut so ;)

    Bis zum nächsten Schriebs!
    Alles gute wünscht Dir
    Flocke

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