Schmalhans im TV

Rubrik:  Gegrinst  ·  Autor:  Zappelfillip10. Juli 2006, 11:07 Uhr

Informationszeitalter… Medienzeitalter… Heutzutage gehört es zum guten Ton jedes noch so kleinen deutschen Kaffs, einen eigenen lokalen Provinzfernsehsender zu betreiben. Im Falle von Rudolstadt (meiner Heimatstadt) heißt dieser – ach wie überraschend – RTV. Zum Ziel hat er offenkundig, die Bürger Rudolstadts und der umliegenden Dörfer (Speckgürtel will ich es mal nicht nennen – wäre vermessen) über Neuigkeiten und wichtige News der Region zu informieren. Durchaus ein hehres Ziel, könnte man meinen. Problem dabei: Rudolstadt liegt sozusagen, wie die meisten deutschen Kleinstädte überhaupt, am Arsch der Welt – zumindest fast. Bildlich ausgedrückt etwa am Beginn der Poporitze, würde ich sagen. Noch nich’ alles im Arsch aber viel fehlt nicht. Zum Glück führen immerhin zwei Bundesstraßen durch den Ort (B85 und B88), sonst wäre er wohl schon lange in Vergessenheit geraten – vom Sand zugeweht oder so… zugekackt quasi… vom lieben Herrgott…

Naja jedenfall ist hier entsprechend wenig los und noch weniger, über das man im Lokalfernsehen berichten könnte. Absolutes Highlight der letzten Wochen und in der Heavy Rotation mehrmals täglich war ein provinzalisch geführtes Interview mit dem scheidenden Rudolstädter Bürgermeister. Also nicht falsch verstehen, er war seit der Wende Chef im Rathaus und hat somit einiges für die Stadt getan – ob positiv oder negativ sei mal dahingestellt – aber das Interview war irgendwie eher Comedy als Schornalismus. Für die Kamera hatte man wohl kein Stativ, weshalb man sie einfach auf einen Tisch Richtung Interviewgast gelegt hat. Sah zumindest so aus, denn sie war viel zu tief. Der B-Meister wurde immer von unten gefilmt und man konnte so einen herrlichen Blick in die riesig wirkenden Nasenlöcher genießen. Auch die Art der Interviewführung wusste zu unterhalten. Nun spricht man in „Rolscht“ einen ziemlichen Dialekt, was im Fernsehen noch verstärkt wird und viel mehr auffällt im Vergleich zu einem Gespräch auf der Straße. Deshalb überboten sich Interviewter und Interviewender in Rolschter Genuschel. Herrlich! Gleichzeitig wohnten dem Fragesteller eine unfassbare Lethargie und schleichende Langsamkeit inne, dass ich ständig das Gefühl hatte, aufspringen zu müssen, um ihn mit fußballgleichen Gesängen anzufeuern und dem Satzende entgegenzutreiben. Ich war nunmal im WM-Fieber… ein wenig…

Tja aber das ist dann auch schon alles. An Bewegtbildern meine ich. RTV sendet die meiste Zeit, ebenfalls in Heavy Rotation – was in diesem Fall eine Wiederholung nach etwa 10 Minuten bedeutet – Standbilder. Wahlweise aktuelle Impressionen der Stadt, eingefangen von einem ortsansässigen Fotografen, oder Bilder und Fotos aus früheren Zeitn. Und DAS finde ich sogar halbwegs interessant, wenn man die Stadt kennt. Mit anderen Worten: 10 Minuten kamma sich den Sender mal anschauen. Ansonsten sollte er den Untertitel tragen: „RTV – hier werden Sie gegähnt!“. Heute war wieder so ein Tag, an dem ich RTV eingeschaltet habe. Ich lag am Nachmittag so auf meinem Bett, wollte mich noch ein wenig vor der Fahrt Richtung München ausruhen und schaute mir die Bilder an. Okay – ich bin dann drüber eingeschlafen aber zuvor hatte ein Bild meine Aufmerksamkeit erregt. Es zeigte ein unfassbares schmales Haus. So ein dünnes Häuschen hatte ich noch nie gesehen – es war mir auch noch nie aufgefallen, obwohl ich die entsprechende Straße schon hundertmal langelaufen bin. Bevor ich dann nach München aufgebrochen bin, habe ich selbst dieses Haus mal aufgesucht und ein Foto geschossen… für Euch, denn ich hielt es für einen schönen Blogevent. Und was soll ich sagen, dieses Häusel ist tatsächlich kaum breiter als ich hoch bin. Gut, ich habe mich nicht davor auf den Bürgersteig gelegt, um es zu überprüfen. Aber glaubt’s nur…
Ich finde, es hat irgendwie etwas comicartiges: Ein kleiner dünner Mann mit Hut (Dach) und engstehenden Augen sitzt eingezwängt in der U-Bahn zwischen einem dicken, großen hellhäutigen Mann (links) und einer korpulenten Negerin Schwarzen (rechtes Haus). Lustsch… irgendwie… naja…

eingezwängt

Und für alle Rudolstädter Männer, die hier mitlesen: es ist in der Alten Straße, ehemals Clara-Zetkin-Straße, ganz unten. Und für alle Frauen: In dem dicken hellhäutigen Mann ist der Schuhladen am Anfang vom Bullewar, gegenüber ist die schicke Boutique und nicht weit die Deutsche Bank. Aber die kennen wahrscheinlich wieder nur Eure Männer :mrgreen:

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  1. Kommentar:
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