Zurück aus dem Land hinter den Bergen…

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip23. Juli 2006, 23:07 Uhr

…dem Land, das bei der Fußball-WM leiiider nur zugucken durfte und wo die Menschen beim Sprechen alles so breeeiiiiitziehen wie einen Kaugummi beim Drauftreten – jedes Wort klingt nach „I trink‘ a Meloooonge“ und man hat das Gefühl, ein Stück der Sachertorte noch im Mundwinkel zu erkennen. Aber es war schön… schön gewandert, schön gelacht, schön gut gegessen, mittelschön geschlafen… schön halt…

Freitag Abend wurde ich ja hier in München abgeholt und zu viert fuhren wir der Dämmerung entgegen Richtung Kufstein. Ich bin ein wenig überrascht, dass Österreich ja auf dieser Strecke gerade mal ca. 90 km von München entfernt ist. Hätte mir das glatt weiter vorgestellt. Ging auch alles glatt, außer dass es kurz vor der Grenze mächtig anfing zu regnen. So ging es dann etwas langsamer vorwärts. Autobahnmaut konnten wir uns übrigens sparen, da wir – kaum im Ösiland – diese bei Kufstein-Süd verließen – und genau bis zu dieser Ausfahrt kann man noch legal ohne Mautabdrückung fahren. Unser Zielort, eine Pension in Ellmau, lag auch nur noch knapp 20 km entfernt. Hier ein Bild vom Haus Schachner – unserer Pension – und im speziellen das Zimmer in dem ich hauste:

Pension

An diesem Abend passierte dann natürlich nicht mehr viel: lediglich ein kleines Ahmbrot einschließlich unserer zwei am Donnerstag Vorgereisten, Zimmerverteilung, kurze Absprache für den nächsten Tag und dann Bettzeit. In diesem Zusammenhang 2 Punkte: weich und hoch! Weich: mein kleiner Hintern ist beim betten auf der Schlafstatt sowas von auf Grundeis gelaufen… eingesunken als hätte ich mich in einen Bottich Gelatine gelegt. Das war jedenfalls eine weiche Matraze sondergleichen – und das wo gerade ich harte Betten präferiere… Nunja… Und hoch: Das uns zur Verfügung gestellte Kopfkissen (also jeder hatte natürlich eines) war bis zu Bersten mit Füllkram gestopft und erreichte damit eine gefühlte Höhe von 50 Zentimetern. So, und nun stellt Euch mal vor, wie ich da auf dem Rücken liege, den Kopf auf dem Kopfkissen. bei dieser Höhe ragt selbiger nämlich nach oben, wobei sich das schlecht rasierte Kinn in die Brust bohrt. Unbequem! Das gleiche beim Bauchschlafen (meine bevorzugte Einschlafposition): der Kopf wird in den den Nacken gedrückt, dass es ein Wunder ist, mir nicht mein Genick gebrochen zu haben. Also schlafen ohne Kopfkissen. Ging letztlich auch… wäääääären da nicht die Winterbettwäsche (Frottee!) und dicken Decken, was bei der aktuellen Nachthitze eher kontraproduktiv ist. Aber wir wollen ja nicht meckern ๐Ÿ˜‰

Unsere Pension lag übrigens etwas abseits des Ortes, was uns dann morgens einen schönen Talblick vom großen Gemeinschaftsbalkon ermöglichte, während direkt hinter uns der „Wilde Kaiser“ in die Höhe ragte:

Blick nach vorn heraus  hinterm Haus

Aus den Federn gekrochen sind wir übrigens durchaus recht früh (für ein Wochenende) – schließlich hatten wir eine ordentliche Wanderung auf den Hartkaiser vorgesehen, einem Berg auf der anderen Seite des Tales – also quasi gegenüber des Wilden Kaisers. Viele Worte möchte ich darüber gar nicht verlieren – der Beitrag ist sowieso schon wieder viel zu lang :mrgreen: Unser Marsch dauerte im Prinzip den ganzen Tag – war mal mehr, mal weniger anstrengend – wurde aber immer wieder von herrlichen Ausblicken entlohnt.

Ausblick

Übrigens laufen auf den zahllosen Almen die Kühe tatsächlich alle frei, nur mit Glocke um den Hals, herum und die Wanderwege führen mitten durch diese hindurch. Unsere Mädels bewiesen dabei besonders großen Mut, pirschten sich langsam an die Milcherzeuger heran, um sie anschließend – typisch Määädchen – mal anzufassen ๐Ÿ˜€

Kühe anfassen!

Irgendwann entstand dann auch, mit dem Wilden Kaiser im Rücken, das Daily Tom-Foto dieses Tages. Hier seht ihr uns hinter den Kulissen. Ich gebe als Regisseur und Hauptdarsteller letzte Anweisungen ๐Ÿ˜‰

Entstehung eines Daily Tom Fotos

Ziemlich beschwerlich, oder sagen wir anstrengend, war auch der lange Abstieg. Meine ungeübten Beine straften es mir ab dem Abend und den ganzen heutigen Tag lang mit Schmerzen im linken Hüftgelenk. Seither humpele und hinke ich wie um 40 Jahre gealtert. Nüschd gewohnt! Mitleids- und Mitfühlbekundungen bitte per Kontaktformular oder E-Mail an mich. Vielen Dank!

Den Tag beschlossen wir dann in Kitzbühel bei leckerem Essen und einem anschließenden Nachtspaziergang. Der Ort ist übrigens durchaus nett aber letztlich doch deutlich weniger spektakulär als einem rein vom Namen her suggeriert wird. Ein Gang durch die Fußgängerzone gleicht allerdings dem Weg auf einem Laufsteg („I need more drama, baby!“) – rechts und links von vielen Augenpaaren gesäumt, die jeden Vorbeischlendernden begutachten. Brüderchen hat es sich dabei nicht nehmen lassen, den Massen das zu geben, was sie wollen und Zoolandergleich einen astreinen Catwalk hingelegt – inklusive Blue Steel-Blick. Unverständlicherweise blieb der anschließende tosende Applaus aus :mrgreen:
Auf dem Bild ist übrigens sehr schön mein schlürfender Gang des Abends zu erkennen. Sieht ein bissl aus wie Gicksgacks-Kinderlähmung.

durch Kitzbühel  Gang durchs nächtliche Kitzbühel

Ich war übrigens zwischen Wanderungsende und Kitzbühelbesuch noch im Kaiserbad – einem Erlebnisbad in ziemlicher Nachbarschaft unserer Pension. Kommt in keinster Weise gegen eines der vielen Thüringer Freizeitbäder an – sehr klein und ebenfalls unspektakulär. Habe trotzdem die zwei Stunden in der Sonne genossen. Im Gegensatz zur heißen Wanderung war eine Abkühlung ja jederzeit möglich ๐Ÿ˜€

Den heutigen Tag haben wir dann auch deutlich ruhiger verbracht. Keine Wanderung mehr. Morgens unsere Unterkunft endgültig verlassen und nach Scheffau (einem Nachbarort) gefahren. Dort gibt es eine bzw. zwei Seilbahnen hinauf auf einen Berg („Hohe Salve“) mit Kirche. Ich war schon sehr lange nicht mehr in einer Seilbahn und Brüderchens süße Italienerin wollte auch gern mal fahren – also hammer uns diesen Luxus gegönnt. Dabei war auch nur ein Ausfall zu beklagen. Soll heißen: eine Person hat sich nicht in die Seilbahn getraut und ist daher unten geblieben, während wir restlichen fünf die Fahrt nach oben antraten. ๐Ÿ˜€ Ansonsten ähnliches wie am vorhergehenden Tag: schöne Aussicht auch wenn das Wetter nicht mehr so klar und schön war. Und auf einer Höhe von 1829 Metern isses mit kurzen Klamotten dann auch schon fast ein bissl zu kühl – zumindest wenn der Wind weht.

Seilbahnfahrt  Gipfelankunft auf der Hohen Salve

keine Fernsicht wegen Diesigkeit

Nunja und das war’s dann auch fast schon. Nach Rückkehr mit der Seilbahn im Tal gab es noch eine kleine MelonenWasser-Stärkung.

Mahlzeit!

Anschließend fuhren wir zusammen an den Walchsee (kurz vor der deutschen Grenze), um noch einen Apfelstrudel mit Vanillesoße vor Verlassen des Berglandes zu genießen. Gab’s zwar leider nicht, aber Kaffee (keine Melooonge) und ein Stück Sachertorte waren drin. Dann sind wir wieder gen Heimat gestartet, wo ich heute am frühen Abend eintraf. Und damit endet einerseits mein kleiner Österreichtrip und andererseits auch die Zusammenfassung hier. Nur noch zwei Schmunzel- bzw. Kopfschüttelepisoden:

Auf der Zwischenstation der Seilbahn gab es eine Wand mit vielen Kaninchenverschlägen. Und jedes Kind (naja und unsere Mädels) rannte nach Verlassen der Bahn sogleich laut „Kaninchen, Kaninchen!“ aufjauchzend dorthin, um zu gucken und anzufassen (typisch Mädchen… naja ihr wisst schon ๐Ÿ™‚ ). Und ebensoviele Kinder und Mädels waren anschließend furchtbar enttäuscht, weil die dunklen Kaninchen darin gar keine Kaninchen waren, sondern lauter Schuhe – Wanderschuhe, Schleppchen… Keine Ahnung, ob das Kunst sein sollte oder einfach nur Fundsachen – ich entschloss mich trotzdem, die Schuhe mit ein wenig frischem Gras durch das Gitter zu füttern. Das Elend konnte ich mir nicht länger anschauen. :mrgreen:

"Kaninchenställe"  gefüttert

Und dann gab es da noch eine groteske Entdeckung: Auf der Hohen Salve ist einiges für Kinder getan. Es gibt einen sehr gut gemachten Lehrpfad zum Thema Sonne, Zeit und Sonnenuhr mit vielen praktischen Experimenten. Allerdings habe ich auch eine Kinderrutsche entdeckt. Nein, natürlich nix besonderes! Allerdings endete diese quasi in einem Weidezaun aus Stacheldraht. Als besonders viel Schwung dürfen die kleinen Racker da nicht haben, wollen sie nicht voll vernarbt den Weg nach unten wieder antreten. Da hilft dann auch kein „Bisde heiratest, isses wieder geheilt!“ der Eltern mehr. Vielmehr sollten die einen natürlichen Puffer zwischen Rutsche und gefährlichem Stacheldraht bilden. Na schön‘ Dank auch…

Stacheldraht-Fangzaun für Kinderrutsche

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