Abgefuckt

Rubrik:  in eigener Sache  ·  Autor:  Zappelfillip26. Juli 2006, 22:07 Uhr

Hab’ keinen Bock mehr auf dieses Leben. Kennt ihr das Gefühl (vielleicht von früher), ihr müsst eine ultrawichtige Prüfung schreiben – sei es Abi oder eine entscheidende Klausur im Studium oder meinetwegen auch die theoretische Fahrschulprüfung – und habt nur noch wenige Tage Zeit zu lernen. Alles zu lernen ist kaum zu schaffen. Einerseits rennt Euch die Zeit weg und andererseits ist noch so viel zu tun. Ständig das Gefühl, es nicht zu schaffen, merke ich mir auch alles, was wenn ich es nicht schaffe? So geht’s mir! Aber nicht nur mal so, ein paar Tage oder ein paar Wochen vor der alles entscheidenden Prüfung. Nein immerzu! Seit Monaten! Ein halbes Jahr unter Strom, ständig im Stress, riesiger zeitlicher Druck und nur ja keine Fehler machen, keine Einarbeitung, sofort ins kalte Wasser geschmissen und mehr oder weniger alles allein machen… als Berufseinsteiger… so langsam kommt der Punkt, an dem ich nicht mehr kann und nicht mehr wirklich will. Meine Abteilung ist zu weit über 100% ausgelastet. Nur Überstunden. Aber nicht mal eine oder zwei. Und stellt Euch mal vor, die erfahrenen Kollegen laufen an und über der Kapazitätsgrenze – wie es dann wohl einem Neulling geht!? Der die gleichen zeitlich eng gesteckten Deadlines vom Auftraggeber bekommt. Für den alles neu, ungewohnt ist und der alles erst lernen muss und trotzdem alles allein macht (natürlich mit der Möglichkeit zu fragen – sonst ginge ja gar nix). Richtig! Noch mehr psychischer Stress. Ich weiß, ich war mal ein ziemlich fauler Kerl. Aber dennoch bin ich keiner, der nicht auch belastbar ist. Aber das ist krass. Mein Leben besteht nur noch aus Arbeit, Überstunden, der Angst es (zeitlich) nicht rechtzeitig zu schaffen und überhaupt. Kein Privatleben mehr, kaum Freizeit. Ich mag nicht mehr… Meine Tabelle ist heute fertig geworden. Über 12 Stunden habe ich gearbeitet… und ich weiß, dass es nächste Woche wieder lange Tage werden. Freitag Morgen muss mein Bericht fertig sein… englisch… und es wird erst mein zweiter sein… wieder für ein anderes Projekt als der erste, also alles wieder neu… Und es wird nicht nur diese eine Woche sein. Ich weiß, dass Anfang Mitte August wieder das nächste Projekt ansteht. Und ich weiß jetzt schon wie aufwändig es sein wird und wie knapp es wird. Also weiterhin grenzenloser Stress. Ich bin zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt (für mich) in die Firma eingestiegen. Sie sind froh, Verstärkung zu haben – Ingenieure sind nachwievor schwer zu bekommen – aber ich bin ohne jegliche Vorbereitung, ohne Einarbeitungzeit ins kalte Wasser geworfen worden. Sofort eigenes Projekt, volle Verantwortung und auch noch eines der komplizierteren. Ich kann es ihnen ja auch nicht verdenken, ist ja auch kein Vorwurf. Schließlich erstickten sie in Aufträgen und brauchten schnell wirkliche Unterstützung. Und ohne arrogant wirken zu wollen: das bin ich auch wirklich. Ich mache alles was ein erfahrener Kollege auch macht. Aber zu welchem Preis für mich!?
Nüchtern betrachtet klingt das toll: internationale Kundschaft – also viele Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und immer wieder neues zu lernen. Aber wieviel kann man lernen pro Zeiteinheit? Nach nur einem Projekt bin ich von einer großen Institution berufen worden, gemeinsam mit anderen Experten als Experte (natürlich auch dank meines Wissens aus dem Studium) sie innerhalb meines Gebietes zu beraten. Das schmeichelt mir durchaus! Unsere Auftraggeber loben mich ausdrücklich für meine gute Arbeit, sind begeistert, wie schnell ich mich eingearbeitet habe. Aber sie sehen nicht, was dahinter steckt. Morgen fliege ich für eben diese Beratertätigkeit nach Berlin. 6:25 Uhr geht mein Flieger, eine Stunde vorher da sein, eine dreiviertel Stunde U-Bahn-Fahrt zum Flughafen. Heißt aufstehen um 4. Das erste mal allein fliegen, kenne den Münchner Flughafen gar nicht. Zusätzlicher Stress… auch mit dem Meeting überhaupt. Lauter hohe Tiere, und Anzug tragen. Und die Konsequenz? Mir fehlt wieder ein Tag, um meinen Bericht fertig zu bekommen. Noch mehr Überstunden. Ich mag nicht mehr. So ist das Leben scheiße. Mittlerweile möchte ich eigentlich nur noch weg aus München… wieder nach Hause. Dabei kann die Stadt gar nichts dafür, ich mag sie ja sogar. Aber leicht macht sie es mir nicht. Ich esse schon wieder viel zu wenig und eigentlich müsste ich bei meiner morgigen Aufstehzeit auch schon lange im Bett sein. Ich würde mich gerne freuen, am Wochenende nach Hause zu kommen. Zu meinen Leuten, zu meiner vertrauten Umgebung, zum Nicht-im-Stress-sein, zum Lachen und plauschen. Aber ich werde es wohl nicht schaffen. Wahrscheinlich werde ich am Wochenende arbeiten, um meinen Bericht rechtzeitig fertig zu bekommen. Nein ich werfe mich nicht vor den Zug! Keine Sorge! Aber dahinter wäre schonmal eine Überlegung wert ;) Bringt aber nix außer blaue Flecken und drecksche Klamotten. Von daher… Ich geh mal mein Hemd für morgen bügeln. Berlin… war ich lange nicht… hatte ich schonmal erwähnt, dass ich dort geboren wurde? Also auch ein bissl Heimat, aber nicht so wirklich… bin aufgeregt… und im Stress…

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2 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Flash am 26.07.2006, 23:31 Uhr

    Ich würd ja jetzt gerne sagen Tschaka du schaffst es. Aber so ein Leben für die Arbeit ist nicht Ideal. Vielleicht solltest du dich mal nach einem anderen Arbeitgeber umsehen. Du sagst ja selber dein Berufsfeld ist gefragt und aus einer Anstellung heraus bewirbt es sich eh besser. Eine gerade erst fertig eingerichtete Wohnung hast du auch nicht. Ne überlegung wäre es bestimmt wert.

  2. Kommentar: Brüderchen am 27.07.2006, 00:01 Uhr

    Boah Bursche, mach sie fertig. Meinst du nicht, dass der Stress mit der kommenden Routine weniger wird?
    Und nicht jede Deadline kann gehalten werden.

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