Klausenterror

Rubrik:  Abenteuer München  ·  Autor:  Zappelfillip18. August 2006, 00:08 Uhr

fuchsteufelswildAlso wo waren wir stehengeblieben? Ach ja – ich hatte Euch gestern einen schönen Cliffhanger vor die Nase gesetzt und mich dann ab ins Bett gemacht. Nunja setzen wir an dieser Stelle doch einfach fort.

„Kinder, die Werbung ist vorbei! Mäxchen, spülen und Hände waschen nicht vergessen! Und zieh die Hose ordentlich hoch! Und wehe, Du hast das Papier wieder daneben geworfen… Bringt ihr mir bitte noch ein Radler aus dem Kühlschrank mit? Daaaaanke!“

Also was haben wir gesehen? Einen schlechtgelaunten Berggorilla im Nebel, den seine Gorillafrau ungefragt und hinterrücks am Schniepel gezogen hat – nur um ihn zu ärgern. Oder hat ihm gar so eine Öko-Waldläuferin Dian Fossey (Bild) die letzte Banane vom Affenbrotbaum geklaut? Mitnichten, liebe Freunde, mitnichten! Man mag es kaum glauben, aber auf diesem Bild ist gar kein Affe zu sehen… also kein richtiger… nein nein, das bin tatsächlich ich. Und ich mag gar keine Bananen – obwohl ich Ossi bin… und am Schniepel lasse ich mir auch nicht… naja egal… Also warum ein solches Gesicht, eine solche Fratze der Abneigung? Zeigt sie doch abgrundtiefen Hass… oder zumindest eine ziemlich schwere Verstopfung – wer weiß das schon… Und in diesem Artikel schon wieder ein böses Bild? Ich erzähl’s Euch, aber von vorn:


Ich berichtete ja bereits vor einem knappen Jahr, wo und wie ich hier so wohne. Nämlich in der Jutastraße, wobei mein Zimmer Richtung Hedwigstraße rauszeigt. Und dabei ist es nicht etwa nur so, dass ich im Ergeschoss leben muss und vor meinem Fenster tatsächlich ein Affenbrotbaum zu stehen scheint, der jeden Tag auf’s Neue verhindert, dass auch nur ein Sonnenstrählchen den Weg durch mein Fenster findet. Selbst tagsüber muss ich immer das Licht anschalten, möchte ich den Weg vom Rechner zum Kühlschrank und zurück finden. Was denkt ihr, warum ich so dünne bin? Klar – weil ich oft zu geizig bin, das Licht einzuschalten. Aber weiter…

Also dies allein ist schon ein Grund, schnellstmöglich aus meiner WG-Hornzie auszuziehen. Es gibt aber einen noch viel größeren! Und der treibt mir gerade jetzt im Sommer so manches Mal die Zornesröte ins Gesicht und Rachegedanken ins Hirn. Ich lebe hier nämlich in direkter Nachbarschaft zu einer… nunja nicht gerade sehr feinen Lokalität… nennen wir es ruhig Spelunke: eine kleine Kneipe – nicht größer als unsere Wohnung und außer ein paar Stühlen, einer kleinen Bar und den obligatorischen Spielautomaten ist da nicht viel drin. Ach doch: ebenfalls zum festen Inventar gehören ein paar Brüder und Schwestern, die ihren Hauptwohnsitz in eben diese Kneipe gelegt zu haben scheinen und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (Geld) um deren Überleben kämpfen. Mit anderen Worten: man unterstützt den Wirt durch exzessiven üppigen Alkoholkonsum. Halb so wild, wäre auch dann eine Kommunikation in gesittetem Ton noch halbwegs möglich. Ihr ahnt es sicher: ist sie nicht! Und das Dumme: So klein die Klause auch sein mag, typisch Bayern besitzt auch sie einen Außensitzbereich (Biergarten wäre etwas vermessen) – ein 2m x 2,5m großes abgezäuntes Areal mit 2 Biertischen und -bänken. Schrieb ich vorhin „in unmittelbarer Nachbarschaft“? Ich meinte unmittelbare Nachbarschaft. Wie ihr auf den folgenden Fotos erkennen könnt, befindet sich mein Fenster direkt neben dieser Kneipe.

Die Jutaklause mit "Biergarten"  Blick aus meinem Fenster zum "Biergarten"

von der anderen Straßenseite

Sitzen die Herrschaften also draußen, sitzen sie quasi auf meinem Fensterbrett und erzählen mir was in mein Fenster. Lehne ich mich aus selbigem, bin ich automatisch Teil ihrer Gesellschaft und könnte problemlos in ihr Bierglas spucken oder von deren Weißwurst zuzzeln. Und ich mag gar keine Weißwurst. Und noch weniger mag ich es, wenn nachts halb 3 – ich müsste schon längst schlafen – angetrunkene Leute neben meinem Fenster sitzen (welches aufgrund der vergangenen Sommerhitze zwangsläufig geöffnet bleiben musste) und die ziemlich alkoholisierte Gisela dem noch mehr allohosierten Manfred vorwirft, er würde Frauen schlagen und sei ein riesengroßen Poloch… in einer Lautstärke, dass das ganze Viertel teilhaben kann, denn schließlich ist es außer der keifenden Frau und dem nuschelnden Mann ruhig… wegen Nacht und so… Und dann ist da noch so ein fetter alter Sack, der hat eine Lache… da rollen sich mir die Fußnägel hoch… das alte Garagentor meiner Großeltern ist klassisch sinfonische Musik dagegen, Leude Leude… Und vor allem: ich resch mich da off. Da kannich nich’ mehr relaxt sein. Un wennich mir 2 Sofakissen über‘n Kopp stülpe – ich höre das immernoch. Ich kann och nich’ weghörn. Un da werd ich wütend noch eins. Diese Unrücksichtnahme is unfassbar! Ich war schon kurz davor, der Gisela vom Bett aus durch mein geöffnetes Fenster entgegenzubrüllen, wennse jetze nich’ glei ruisch is, dasse dann von mir och noch eine krischt. Dann kannse sich ma beschwern. Aber ich hab’s dann doch nich’ gemacht. Ich schlache keene Frauen – auch nich‘de Gisela. Naja immerhin habe ich mir dann die ganze Zeit nichtschlafenkönnend vorgestellt, wie ich ganz laut „RUUUUUUUUHEEEEEEE!!!“ brülle und wilde Flüche und Verwünschungen ausstoße. Ich fand mich da ziemlich selbstbewusst, beeindruckend und überaus ehrfurchteinflößend… wie ich das so rufe. Aber es blieb beim vorstellen… Bin aber ab und an aufgestanden, hab ganz laut gestöhnt, mich an mein dunkles Fenster gestellt und böse Blicke geworfen. Hamse aber leider nicht gesehen. Ach ja und ganz provokativ laut habe ich mein Fenster zugeschlagen. Das hatse bestimmt auch beeindruckt. Danach war’s nämlich auf einmal ruhig. Gut – könnte auch an der schalldämmenden Verglasung liegen. Aber trotzdem… Ich bin schon ein harter Hund…

Naja jedenfalls wollte ich das mal erzählen. Diese Dinge sind nämlich nicht bloß einmal passiert sondern mehrmals. Und das nervt. Bis in die Frühe Krach am eigenen Fenster. Und das wo ich eh schon Stress auf Arbeit habe und wirklich eigentlich schlafen muss. Vielleicht sollte ich aber auch einfach mal eher ins Bett. Is‘ ja schon wieder halb 1 jetze. Was mach‘ ich hier?! Nuja jetz wisster ja Bescheid. Wenn einer Gewalt mag und auch sonst agressiv is, kanner gerne mal die Biergartenmöbel den Biertisch kleinhaun. Dann is Ruhe! Nur bitte nich’ die Gisela. Die keift zwar immer und is’ auch sonst nich’ so dolle aber die wird schon vom Manfred gehaun. Insofern… Naja ihr macht das schon… 😉

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  1. Kommentar:
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