Vom Lesen und Lesung

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip20. Januar 2007, 11:01 Uhr

Mit dem Lesen habe ich es ja nicht mehr so. War ich als Kind noch eine wahre Leseratte und verschlang alle Sherlock Holmes und Karl May Geschichten, so fand diese Leidenschaft mit Erreichen der Pubertät irgendwie ihr jähes Ende. Und ist bis heute auch nicht wieder zurückgekehrt. Im Gegenteil: starte ich einen Versuch und fange heute etwas an zu lesen, dauert es meist nur ein paar wenige Minuten und ich werde schlagartig von so einer unfassbaren Müdigkeit heimgesucht, dass nicht selten irgendwann der Kopf auf den Tisch (oder falls liegend gelesen, auf das weiche Kissen) aufschlägt und dann war’s das mit Kopfarbeit. Besonders schlimm war dies während des Studiums, als man doch ab und an gezwungen war, das ein oder andere Fachbuch über Digitale Audiotechnik, analoge Schaltungstechnik, Medienrecht oder – gerade für die Diplomarbeit – ganz viel englischen Mist zu bimodalen Perzeptionstests ;-) zu lesen. Ich glaube, ich habe mehr über den Büchern geschnarcht als tatsächlich gelesen. Und wenn doch, dann schon in so einer hypnotischen Kurz-vorm-Einschlafen-Phase, dass man am Ende eines Satzes sowieso nicht mehr wusste, wie der anfing. Und so musste man eigentlich ständig jede Seite fümfma’ lesen, um dann zu merken, man merkt ja doch nix. Also mit dem Lesen habe ich es nicht so…

Daher ist auch das einzige, was ich heute noch lese – außer zwangläufig der Bedienungsanleitung von Geräten, die ich testen muss – die Aufschrift der Zahnpastatube oder Waschmittelverpackungsrückseite, während ich aufgrund meines Stoffwechsels gezwungen bin, einige Zeit sitzend im Bad in der Porzellanstube zu verbringen. Naja stellt Euch nurma vor, ich nicke dort auch ein… Dafür kenne ich zwischenzeitlich ganz genau die Vorteile von Megaperls, Eurodont und Kuschelweich… und auch den Strichcode habe ich schon auswendig gelernt – wer weiß, wozu das nochma’ gut is…

Eintrittskarte zur Lesung von Christph Maria HerbstUm diesem Dilemma – der ständigen Einschlaferei – zu entgehen, bleibt nur noch, sich doch einfach die Dinge vorlesen zu lassen. Zugegebenermaßen ist auch dies während des Studiums erbärmlich gescheitert, denn in Vorlesungen schläft es sich hervorragend, aber heute unternehme ich dennoch einen weiteren Versuch. Ich war bislang noch nie auf einer Lesung, aber nun ist es soweit. Und wie das immer so kommt, finden heute Abend ausgerechnet zwei Lesungen statt, die mich interessiert hätten. Somit musste ich mich also entscheiden zwischen einer Bloglesung in München mit einigen (Halb-)Größen der Szene – unter anderem dem unangefochtenen Meister der Selbstinszenierung – und Stromberg, der aus seinem Leben erzählt… ääääh… Christoph Maria Herbst, der im alten Erfurter Opernhaus das Buch „Vollidiot“ von Tommy Jaud liest. Beide Lesungen finden also quasi vor der Haustür statt. Und naja, auch wenn ich gern mal die Coolness den Sigmatismus eines MC Winkels live erlebt hätte :mrgeen: so fiel die Entscheidung letztlich doch für den (bislang) noch größeren Star. Noch dazu, wo das Opernhaus tatsächlich direkt gegenüber unserer Erfurter Wohnung steht und wir somit ohne Jacke schnell in Hausschlappen rüberspringen können ;-) Aber machen wir uns nichts vor: Nicht mehr lange und ich habe in der Blogsphäre einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht und dann lesen der MC und ich uns vielleicht auch mal gegenseitig was vor. Ich hätte noch Winnetou I-III und „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ im Kinderzimmer… :roll:

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