Is‘ ja kriminell, sowas!

Rubrik:  Erlebt  ·  Autor:  Zappelfillip29. Januar 2007, 12:01 Uhr

mittelalterliches Kriminalmuseum in Rothenburg odTIn einem Kommentar des letzten Artikels (über mein vergangenes Wochenende) wurde mir ans Herz gelegt, ich hätte doch auch das Kriminalmuseum in Rothenburg besuchen sollen, wenn ich schonmal dort bin. Freunde, Ihr werden lachen! Natüüüürlich war ich dort! Nur habe ich es nicht so explizit erwähnt. Mal ehrlich, würde ich alles erzählen, was ich am vergangenen Wochenende so erlebt habe… Papst Benny würde wohl die Hände überm Kopf zusammenschlagen (nein kein Beifall) und dann war’s das mit jeglicher Aussicht auf Seligsprechung vor meinem Tod. Aber hey – es war die Honeymoon-Suite! Mit offenem Bahaaad! Egal jetzt – weiter…

Wenn ich nun jedoch so darauf aufmerksam gemacht werde, möchte ich doch noch kurz ein Anekdötchen erzählen. Ich bin ehrlich: auch wenn man den Namen „Rothenburg o d T“ (ob der Tauber) irgendwie schonmal gehört hatte, so war es dennoch nichts, was man sich merkte… außer vielleicht doch nur wegen des… nunja… etwas seltsamen Namens selbst. So richtig bewusst wurde mir der Ort daher auch erst – falls hier Rothenburger mitlesen, mögen sie mir bitte verzeihen – als der Fall des Kannibalen von Rothenburg bekannt wurde. Dabei weiß ich noch nichma, ob das überhaupt das Rothenburg war. Es gibt ja viele Rot(h)enburgs und wie ich mich kenne, isses genau das falsche. Aber so ist das dann nunmal mit prominenten Namen: Macht einer Mist, müssen alle drunter leiden. Aber ums Essen soll’s jetzt gar nicht gehen, auch wenn grad Mittagszeit ist!  

Wir waren also am Samstag ohne größere Vorkenntnisse in besagtem Örtchen. Und dann doch ziemlich überrascht, dass es – wohl ob seines mittelalterlichen Stadtkerns – ein ziemlicher Touristenmagnet ist. Wie bereits erwähnt: ganz viele kleine Japaner in dünnen Schuhchen durch matschigen Schnee stapfend und auch etliche Amerikaner waren dort. Nun scheint es aber so, dass Rothenburg odT in einen lethargischen Winterschlaf gefallen ist: eine Vielzahl der ausschließlich Gackel- und Touristenkram verkaufenden Geschäfte geschlossen und außer einem Dutzend Bäckereien, die alle einunddasselbe regionale (scheinbar) Kultgebäck an die paar Touris verticken (Schneeballen), war nicht viel los. Dafür aber schweinekalt! Durch die engen Gassen hat der Wind geblasen, dasses eine wahre Freude war… wär‘… wenn’s nicht der Wind wär‘…
Und dann trafen wir zufällig auf das „Mittelalterliche Kriminalmuseum“. Aber auch hier: Winterschlaf! Wir waren gegen 12 Uhr mittags dort und mussten feststellen, dass in den Wintermonaten eine beinharte Öffnungszeit von 14 bis 16 Uhr gilt. Geil! Fast wie zu Ostzeiten – da haben auch alle Geschäfte und Läden über Mittag zugemacht. Naja jedenfalls standen wir da so vor der verschlossenen Tür und haben uns die Schaukästen mit „Appetizern“ für die Ausstellung angeschaut, als besagte Tür plötzlich gar nicht mehr verschlossen war, sondern sich vielmehr öffnete, ein älterer Herr mit älterem kleinen Hund heraustrat um die Tür doch wieder hinter sich zu verschließen. Während dieses Momentes unterhielt ich mich mit meiner Freundin (die etwas abseits stand) und rief ihr sowas wie

„Hier, gugge ma‘! Da mussde offbassn, Du! Damals gab’s enne Strafe für Putzsucht! Nich’ dasdor das heude och noch bassiert. Krisste’ne Holzkrause um‘ Hals. Unangenehm… bestimmt…“

zu. Dies hatte ich nämlich soeben auf einer der Tafeln entdeckt. Man muss dazu wissen, dass meine Freundin ungern aber gegen mich immernoch ziemlich viel putzt. Und da wollte ich sie ein bissl aufziehen. Und so flachsten wir ein wenig, als plötzlich der ältere Mann (sein älterer Hund war zwischenzeitlich schon auf dem Weg zum Tor, was klug war, denn aufgrund seines hohen Alters und einhergehender Knochensteife schien er ewig dafür zu brauchen) herantrat und uns ansprach:

„Se mjusium will open at 2 o‘clock!“

(auf Deutsch: „der altertümliche Foltertempel macht um Zweje off“). Ich schaute ihn verdattert an und mein verständnisloser Blick bewegte ihn dazu, seine Äußerung zu wiederholen:

„Here, se mjusium! At 2 o‘clock it will open!“

Jess sank ju und schön‘ Dank auch! Könnt Ihr Euch mein Gesicht vorstellen!? Ich meine, ich komme freilsch woannersch her als er, aber dass er meine Laute nicht mehr als Deutsch erkennt, hat mich in diesem Moment hart getroffen. Nuschel‘ ich so? Gut, thüringisch is’ sicher bissl noch da aber sooo… Ich konnte jedenfalls nur noch völlig perplex und in meinem besten Hochdeutsch ein: „Wir sind Deutsche!“ entgegenpressen, bevor er sich anschickte, seinen alten Hund einzuholen… jede Wette, dass er das bis heute nicht geschafft hat…

PS: Die 2 Stunden Öffnungszeit haben hinten und vorne nicht für das Mjusium gereicht, wenn man interessiert ist. Wollt‘ ich nur nochma’ sachn!

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2 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: moggadodde am 29.01.2007, 13:28 Uhr

    Das „Schlimme“ tatsächlich ein anderes, nämlich ohne „h“ – Rotenburg.
    Tatsächlich sind zwei Stunden für soooviel gruselige Tatsachen fast zu knapp. Die Verständigungsschwierigkeiten waren sicher nicht im Dialekt begründet,
    du hättest halt den Schneeballen beim Sprechen aus dem Mund nehmen sollen, dann hätte dich der Museumswärter bestimmt verstanden. Aufgemerkt: Ab 20 g wird’s undeutlich :-)

  2. Kommentar: Daniela am 29.01.2007, 13:33 Uhr

    Ich würde Dich bestimmt auch nicht verstehen. :lol:
    You know?! ;-)

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